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Leaether Strip: Faetish

Einige wirklich gute und überzeugende Tracks
Wertung: 6/10
Genre: EBM
Spielzeit: 64:0
Release: 20.10.2006
Label: Alfa Matrix

Der aus Dänemark stammende EBM-Musiker Claus Larsen ist seit seiner Comeback - EP “Suicide Bombers - Who told you to die that way?“ (Release: November 2005) umtriebiger und präsenter denn je: Im Januar 2006 folgte bereits das Album “After the Devastation“ und nur wenigen Monate darauf (Juni 2006) die EP “Walking on Volcanos“. Und jetzt, Ende Oktober 2006, steht bereits die nächste Veröffentlichung aus der heimischen “Strip Farm“ an. Der Titel des neusten Ergusses: “Faetish“.

Der Grundgedanke dieser aktuellen EP war es eigentlich, ein musikalisches Werk auf den Markt zu bringen, das sich ausschließlich mit den Thematiken „Fetischismus und Sexualität“ auseinandersetzt. Im Grunde eine sehr interessante Idee. Doch was die praktische Umsetzung angeht, so bleibt doch leider einiges an Erwartungen auf der Strecke.

Aber fangen wir am besten mal ganz vorne an: “Be my Fetish“ ist nicht nur der eigentliche Titelsong dieser 10-Track-EP, sondern auch zugleich in zwei Versionen auf diesem Album zu finden. Die Originalfassung besticht im ersten Moment durch ihren relativ „hellen und fröhlichen“ Rhythmusklang. Der Bass groovt recht ordentlich vor sich hin und passt sich wirklich gut der tiefen Gesangslage von Claus Larsen an. Hingegen wird beim 8 Minuten langen „Homemade Porn Mix“ nicht nur das allgemeine Tempo ein wenig angezogen, sondern es finden sich auch vereinzelte, subtile Synthie-Pop Partikel in diesem durchaus gelungenen Remix wieder. Ergänzt wird diese Version zusätzlich noch durch diverse (neue) Sprachsampels und einen kleinen Lobgesang auf Marc Almond (dem Gründer der 80er Jahre Pop-Combo Soft Cell).

Apropos Soft Cell: Mit “Tears run rings“ findet sich auch gleich eine Coverversion des Single-Klassikers aus dem Jahre 1988 auf “Faetish“. Zwar hat dieser Song inhaltlich rein gar nichts mit dem Thema Sexualität zu tun; ist aber nichtsdestotrotz eine durchaus nette Eigeninterpretation geworden. Eben soundtechnisch recht zahm gehalten. Aber dafür sehr melodiös und eingängig. Lediglich Larsens tiefe Stimme will hier nicht ganz so recht ins Bild passen und wirkt daher ein wenig fehl am Platze. Und wenn wir schon bei Remisenzen und Tributen sind: “Frank Tovey taught me things“ hat wie auch schon zuvor “Tears run rings“ nichts mit Intimitäten zu tun, sondern ist lediglich eine musikalische Verbeugung vor Pop- und Elektrolegenden wie Soft Cell, Depeche Mode, Bronski Beat, Human League, Front 242 und eben Frank Toveys legendären Ein-Mann-Projekt Fad Gadget. Der Track ist im Grunde eine recht unterhaltsame und spaßige Angelegenheit, aber auch nicht wirklich überragend umgesetzt.

Eine kleine „Frischzellenkur“ hat sich dann aber Claus Larsen selbst gegönnt: So ist “Adrenalin Rush 2006“ eine komplette Neueinspielung des Leaether Strip - Hits aus dem Jahre 1992. Insgesamt ist diese Neuversion um einiges düsterer und kraftvoller als das Original ausgefallen. Auch finden sich neue Ideen in dem Song wieder, wie beispielsweise ergänzende Textzeilen (die nur noch mehr gegen das US-Regime Wettern) und kleinere Chorelemente im Refrain.

Mit “The Kitchen Knife“ und “Watch it burn“ gibt es zwar wieder zwei neue Songs von Larsen. Aber diese hätte er sich wohl besser schenken können: Beides sind nämlich elektronische Vehikel der langweiligsten Sorte, die komplett lustlos und uninspiriert vor sich hin dümpeln. Hier verstehe Soundtüfftler Claus Larsen einfach nicht, dass er sich mit solch ideenlosen „Fülltiteln“ abgibt. Die weder inhaltlich, noch musikalisch überzeugen.

So... Aber wo bleibt nun bitte jetzt endlich der ganze Sex, mit allem, was so dazugehört und Spaß macht? Gut; in “Be my Fetish“ hatten wir zumindest schon mal einen kleinen Vorgeschmack bekommen, was diverses Sexspielzeug, Outfits und „nächtliche Halbwelten in Neonfassaden“ anbelangt. Aber wo bitte ist jetzt der Rest?? Tja; diesen eben erwähnten „Rest“, wird man auf der “Faetish“ - EP wohl leider lange suchen können: Denn es gibt ihn nicht!

Okay... “Manic aggression“, “Punktured eyeballs“ und “We will walk with pride“ kratzen thematisch jeweils für sich an sexuellen Doktrinen; sind aber dennoch relativ neutral ausgerichtet. In den elektronisch sehr kräftigen und schranzigen Tracks “Manic aggression“ und “Punktured eyeballs“, geht es viel mehr um ein Auflehnen gegen die spießige und engstirnige Gesellschaft um einen herum. Es geht um das freie Eintreten von persönlichen Rechten und individuellen Freiheiten. Ergo, zwei textlich sehr authentische und energische Aufarbeitungen, die in allen Belangen voll auf punkten können: Sie sind tanzbar, atmosphärisch und bewusst sozialkritisch ausgefallen.

Nahezu ähnliches gilt übrigens auch für den ungemein ruhigen “We will walk in pride (Moscow 28 May 2006 Version)“. Gewidmet ist dieser Song - wie der Titel bereits schon vorweg nimmt - der russischen Gay-Community. Dass es die agierende Regierung in Russland in Sachen Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Gleichstellung leider nicht immer ernst meint, ist kein Geheimnis. Entsprechend fällt dieser Appell an Gleichberechtigung auch entsprechend deutlich aus... Allerdings wird hierbei eher weniger die Regierung kritisiert; als viel mehr den Schwulen und Lesbischen Menschen in Russland die nötige Portion an Mut, Stolz und Ausdauer zugesprochen. Entsprechend erzeugt das Hören von “We will walk with pride“ ein nicht überraschendes Gänsehautgefühl beim passiven Zuhörer. Da der Song emotionell schon recht tief geht (auch wenn der Männerchor im Refrain das Wort „pride“ fälschlicherweise mit einem „pf“ am Beginn aussprechen, was doch ein wenig seltsam klingt).

Fazit: Thematisch hatte ich mir persönlich doch einiges mehr von “Faetish“ erwartet und einige „Lückenbüßer“ hätte man auch gar nicht mit auf diese EP nehmen müssen. Aber dennoch befinden sich auch wieder einige wirklich gute und überzeugende Tracks auf dem neusten Leaether Strip - Werk ein. Im Schnitt gehen die jeweiligen Songs um die 6 Minuten Marke. Gewidmet hat Claus Larsen diese EP seinem mittlerweile langjährigen Ehemann Kurt.

Im übrigen gibt es neben der hier besprochenen „Nice-Price-Edition“, auch noch eine auf 2000 Einheiten limitierte Sonderauflage. Diese enthält neben diversen Gimmicks (jeweils eine Postkarte, Button und Kondom) u.a. auch noch ein exklusives Booklet mit allen möglichen Fetisch-Fotos von Leaether Strip - Fans (wir berichteten von dem damaligen Aufruf). Zudem gibt es noch eine Bonus-CD, auf der sich Claus Larsens eigene Interpretation des berühmten “Halloween“ - Scores von John Carpenter befindet.

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