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Lavotchkin: Widow Country

Etwas zu lärmig, aber auf technisch hohem Niveau
Wertung: 7/10
Genre: Hardcore, Death Punk
Spielzeit: 16:31
Release: 30.11.2010
Label: Klangverhältnisse

Lavotchkin – das klingt für ungeübte Ohren erst wie eine Wodkamarke, hat damit aber herzlich wenig zu tun. Obwohl – der Sound der britischen Combo brennt ähnlich lange im Körper wie der klare Fusel. Hardcore hat sich das Quintett auf die Fahne geschrieben, einen gehörigen Schuss Death Punk gibt’s noch obendrauf, das alles garniert mit Musikern, die wissen, wie man möglichst viel Aggression in möglichst wenige Songs packt: Gerade mal sechs Tracks mit insgesamt knapp 16 Minuten Spielzeit sind auf der neuen EP „Widow Country“ zu finden, aber das reicht völlig, um die Gehörgänge einmal komplett zu verknoten.

Seit ihrer Gründung 2006 und der im gleichen Jahr veröffentlichten Debüt-EP „The Oldest Suicide Cult“ haben sich die Jungs hauptsächlich durch Split-Releases hervorgetan, unter anderem mit den Hardcorelern Crocus und den experimentellen Blues-Hardcore-Punks Attack Vipers!. Für den Mix und den brachialen Sound auf „Widow Country“ zeigen sich mit Jason Anderson und Alan Douches zwei Meister ihres Faches verantwortlich, die auch schon für die Kollegen von Converge, Mastodon und Rolo Tomassi am Mischpult saßen.

Einfach ist der Stil der Briten wahrlich nicht, und wer sich auf Melodien oder gar leicht nachvollziehbare Songstrukturen eingestellt hat, der sollte entweder das Hören der Platte gleich sein lassen, oder den Lautstärkeregler vorsorglich nicht zu weit nach rechts drehen – denn schon der Opener „The Pledge/Very Bad Things“ lässt keine Vermutungen darüber zu, wie sich die restlichen Tracks gestalten: todesmetallisch-sphärisch anmutende Gitarren, wummernde Drums und ein Sänger, der so richtig angepisst zu sein scheint. Überhaupt bewegt Fronter Simon sich in stimmlichen Gefilden, die weit über dem Durchschnitt liegen; das merkt man, obwohl die Stimme insgesamt ein wenig in den Hintergrund gemischt wurde.

„The Werther Effect“ kommt dann zu Beginn deutlich punkiger mit leicht schepperndem Schlagzeug daher, bevor Simon wieder losbrüllt. Ein wenig klingt es immer, als hätte der Mann den Mund voller Wattebäusche – nicht auszudenken, wie manisch der Gesang rüberkäme, wenn man ihn in den Vordergrund mischen würde! Wenn man der Band so zuhört, kann man sich vorstellen, dass sie bei Live-Auftritten einen schweren Stand haben – allzu leicht kann es passieren, dass der lärmige Sound als dumpfes Gebräu beim Publikum ankommt. Ein bisschen Melodie gibt’s aber doch noch auf die Ohren, wenn auch sehr hintergründig, aber so zeigen die beiden Gitarristen wenigstens, dass sie mehr können als stures Drauflos-Schreddern.

„You Were Dawn“ knüpft dann nahtlos und temporeich an seinen Vorgänger an, hier darf gemosht und geheadbangt werden bis zur Erschöpfung. Sänger Simon verausgabt sich völlig mit einer Mischung aus hysterischem Geschrei und Growls – faszinierend, was die menschlichen Stimmbänder alles aushalten. Allerdings leidet man schon jetzt – und wir sind erst beim vierten Song – an leichter Reizüberflutung. Zwar sind die atmosphärischen Hintergrundsequenzen des Songs allererste Sahne und überhaupt spielt die Band auf technisch hohem Niveau, aber die Lärmigkeit der ganzen Scheibe zerrt so langsam an den Nerven.

Beinah entspannend kommt dann das schleppende „Irukandji“ daher, das im Intro sogar ein bisschen Black Metal-Flair versprüht und entfernt an Lifelover erinnert, bevor dann mit dem Titeltrack nochmal gehörig Dampf gemacht wird. Da bewegen sich Füße und Kopf ganz automatisch im Rhythmus, auch wenn man sich nach den sechs Songs ein bisschen erschlagen vorkommt. Das ist auch ein Grund, wieso „Widow Country“ nicht über die Sieben-Punkte-Marke hinauskommt: Die Band meint es einfach zu gut mit dem Hörer. Da wird drauflos gelärmt, dass einem direkt die Ohren bluten könnten, zwar alles technisch versiert, aber eben doch eine Spur zu noisy. Wenn Lavotchkin auf dem nächsten Output etwas differenzierter zu Werke gehen, ist sicher noch der ein oder andere Punkt mehr drin.

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