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Last Winter: Under The Silver Of Machines

Mehr Experimente erwünscht
Wertung: 6.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 43:32
Release: 30.07.2007
Label: Lifeforce Records

Bekannte und so geschehene Szene: Man sitzt vor dem Fernseher, beobachtet auf der Mattscheibe zitternde Kandidaten auf der einen Seite des Computers, einen charmanten, witzigen und natürlich allwissenden Moderator auf der anderen. Quizshows wie "Wer wird Millionär" genießen die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums. Nachdem die letzte Frage erfolgreich, aber mit viel Hängen und Würgen und dem Gebrauch des letzten Jokers beantwortet wurde, folgt die 500.000 Euro Frage: Wie hieß die Schildkröte in Michael Endes bekanntem Kinderbuch "Momo"? Es folgt eine Aufzählung unwahrscheinlicher Namen und der halbe Nervenzusammenbruch der Kandidatin, die leider niemals "Momo" gelesen hat. Wer hätte es gewusst? Die Dame beantwortet die Frage natürlich falsch und verlässt den Stuhl mit "nur" 16.000 Euro und natürlich hieß die Schildkröte Kasseopeia. Warum ich Euch das alls erzähle? Weil die Kandidaten, die die 500.000 Euro gewonnen hätten, jetzt vor mir liegen: Die Rede ist von Last Winter, die ihr zweites Werk "Under The Silver Of Machines" veröffentlichen werden.

Die Band feiert im November ihr fünfjähriges Jubiläum, kommt aus Florida und hat bereits ein komplettes Album selbstproduziert. "Transmission: Skyline" hieß das Werk, mit dem man sich seinerzeit bei Lifeforce Records bewarb und ordentlich Lob erntete. Der MTV-Generation könnten weiterhin die Klänge der Band bekannt sein, da sie den beiden Shows "My super sweet sixteen" und "Laguna Beach" ihre Musik liehen. Glücklicherweise ist diese nicht so anspruchslos wie vorher genannte Sendungen, gibt aber Aufschluss über die Zielgruppe: Last Winter starteten ein wenig vor dem Powerpop-Hype, erreichen aber die gleichen Hörer.

Das Quintett sagt über sich selbst, dass sie hauptsächlich vom Glam Rock der 80er und der 90er alternativen Musik beeinflusst sein, ihre Wurzeln aber definitiv im Metal und Hardcore liegen.

Nachdem Sänger Cameron Mizell im 58-Sekunden-Opener "Cassiopeia" seine beeindruckende Gesangskunst unter Beweis stellt, ist der Track eher eine Ausnahme zum weitesgehend homogenen Stil des Albums, das den Regeln der populären Emo/Hardcore-Mischung fällt: Ein kräftiges Schlagzeug, weitesgehend in den Hintergrund getretende E-Gitarren, die nur für das ein oder anderen Riff zum Anfang oder als Bridge herausgekramt werden und ein Sänger, der die Balance zwischen melodischem Gesang und Geschrei findet. Weder "The Violent Things" noch "A Pacific Romance" stellen da eine Ausnahme dar, abgesehen von dem leichten Ansatz im ersten Song, den der teilweise verwendete und leicht an Hardcore erinnernde Sprech/Scream-Gesang einnimmt. Damit es aber dann nicht zu hart wird, fügt sich die weiche, verständnisvolle Stimme Mizells gleich wieder ein. Das Gitarrenthema kennen wir bereits, die Symbiose zwischen Drums und Gesangslinien ist auch nicht ungewöhnlich, aber gelungen: Last Winter erfinden das Rad nicht neu, lackieren das Auto aber um und schaffen ein ansprechendes Fahrzeug.

In "Girl Next Door" bekommt man nach Mizells sopranähnlichem Gesang in den Strophen ein derartes Mitleid, dass man seine Angebetete fast zwingen möchte, ihm jetzt aber auch wirklich zu sagen, dass sie ihn liebt. In der Ballade des Albums wurde aber trotz des emotionalen Touches nicht auf das kurze, aber prägnante Gitarrensolo verzichtet, das zum Glück nicht so ausufert wie damals bei den Kollegen von Bullet for my Valentine, die es bei "Tears don't fall" übertreiben mussten und so eine geniale Melodie verhunzten, weil man sich einfach nur dachte: Wann, wann hört er endlich auf?

Der Kitschfaktor zum Ende des Liedes steigt auf nicht erklärbare Weise noch weiter an und zurück bleibt das Gefühl, dass hier wenigstens textlich etwas übertrieben wurde. Nun denn, man kann nicht alles haben.

Bis "Don't Forget to Write" vergelt sich die Band weiterhin auf das selbe Anfangsschema (Gitarre gezupft/haut gleich rein/akustisch) und obwohl die Melodien ohne Zweifel gut klingen, fehlt ihnen doch das Quäntchen Innovation, dass den Wiedererkennungswert ausmacht.

Richtig gespannt war ich auf das letzte Stück, dass nicht nur zeitlich eine Ausnahme zu dem Rest der CD darstellt: Last Winter klingen hier eher wie Nu Metal, man hat sich eher auf gebrochenen Doppelgesang verlegt, Mizell bleibt überwiegend unter der Soprangrenze, dafür möchte man Effron und Calapa in den Hintern treten, weil sie hier eben die passende Gelegenheit für ein anspruchsvolleres Gitarrensolo verpassen und sich stattdessen auf drei-Akkord-Schemata festlegen; passt natürlich auch, lässt aber an Kreativität vermissen. Die Drums klingen auch ein wenig unglücklich und ziehen das komplette Lied eher, als dass sie es interessanter gestalten.

Last Winter haben ein gelungenes Werk abgeliefert, das sich hören lassen kann. Wie bereits erwähnt klingt die CD aber, positiv ausgedrückt, sehr homogen, man hat sich hier auf eine Art von Musik und leider auch auf ein Schema festgelegt, obwohl die Band bestimmt über mehr Potential verfügt und ruhig experimentierfreudiger werden darf.

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