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Last Grain In The Hourglass: Following The River, Finding The Sea

Offiziell weggeblasen!
Wertung: 9/10
Genre: Post Rock/Sludge
Spielzeit: 24:57
Release: 05.10.2007
Label: Eigenproduktion

Isis? Neurosis? iLiKETRAiNS? Elision? Nein, hier musizieren Last Grain In The Hourglass, und das mit einer unglaublichen Intensität.

Erstaunlich, wie vielseitig Last Grain In The Hourglass ist angesichts ihrer nicht sehr langen Bandgeschichte. Anfang 2006 gründete man sich in der Nähe von München, nahm im darauffolgenden August eine Promo-EP mit drei Songs auf und begann live zu spielen, unter anderem als Support von Hochkarätern wie Made Out Of Babies. Den Musikern muss man sowohl einwandfreies technisches Können beimessen, als auch scheuklappenloses Songwriter-Geschick. Und um die Musiker selbst zu zitieren: „Am besten hört ihr euch diesen ambitiösen Bastard selbst an.“

Die knapp halbstündige und vier Tracks umfassende EP „Following The River, Finding The Sea“ steigt mit einem echten Brett ein. Ein fettes Riff trifft auf einige verspielte Melodien und im Gesang arbeitet man mit drei verschiedenen Stilen, die alle ihren Zweck erfüllen und somit den sehr abstrakten Text zu „The Fork In The Glass Eye“ präsentieren. Das Post Hardcore-übliche Gebrülle nimmt hierbei den Löwenanteil ein.

„Metropolis“ lässt das alles etwas ruhiger angehen und überrascht eher durch filigrane Hintergrunddetails im Sounds. Mit leichter Shoegaze-Attitüde steigert sich der Song durch minimalistisches, aber der Atmosphäre durchaus dienliches Drumming zu einer schrammeligen Passage, die wunderbar zum hin- und herschwingen des Haupthaares einlädt und das Gesicht der Sympathie wegen verzerren lässt.

Mit fast acht Minuten stellt „The Derelict Yellow House“ das längste Stück der EP dar. Ein fetter, verzerrter Bass brummelt angenehm im Hintergrund und im Vordergrund wird auf eine sehnsüchtige Melodie apathisch eine Geschichte erzählt. Und auch hier wieder der Wechsel zwischen den Gesangsarten, welcher sehr gut zum Gesamtgeschehen passt. Das Quartett verlässt sich allerdings nicht nur auf ihren abwechslungsreichen Gesang, sondern arbeitet auch mit längeren Instrumentalteppichen, mal lauter und mal leiser.

Das finale „1500 Miles North“ erfährt auch eine ungemeine Steigerung im Laufe der sieben Minuten. Der Beginn erinnert an schönsten Melo-Rock mit Klargesang, aber so bleibt es freilich nicht. Wiederkehrende, kraftvolle Ausbrüche akzentuieren das Bild dieser Ode an die Hoffnung. Als Outro fungiert ein disharmonischer Slow Motion Mosh - herrlich!

Aber nicht nur das musikalische Können der vier Herren ist vorzüglich, sondern auch beim Design der Scheibe haben sie sich ordentlich Mühe gegeben. Ein in vier Tönen gehaltenes Booklet inklusive aller Texte und sehr ansprechenden Illustrationen erwartet einen. Die Artworks von Cover und Backcover fügen sich auch gut ins Gesamtbild ein und bilden eine Einheit mit der Musik. So etwas schaffen teilweise nicht einmal Bands mit Plattenvertrag.

Fazit: Ich bin also offiziell weggeblasen von diesem selbstproduzierten Stück feinster Musik. Ob man das nun Progressive Rock, Post Rock oder Sludge betitelt, ist im Grunde ja auch egal, denn letztendlich ist die Musik selbst das, was zählt. Und wer mit oben genannten Musiziervereinigungen etwas anfangen kann, dem sei diese Scheibe der ambitiösen Freisinger wärmstens empfohlen. Ein paar Farbtupfer hier und da gilt es noch zu setzen und einige Schwächen im Schreiben der englischen Texte gilt es noch auszumerzen, aber sieben Euro zuzüglich Versandkosten sind für diese EP nun wirklich nicht zu viel. Zuschlagen!

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