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Last Chapter: Fire Exit… Out Of Order

Tinnitus, anyone?
Wertung: 8/10
Genre: Metalcore, Hardcore
Spielzeit: 24:55
Release: 01.09.2010
Label: Eigenproduktion

Was kann man alles in knapp 25 Minuten anstellen? Einmal mit dem Hund raus? Oder eine ausgedehnte Dusche nach einer verkaterten Nacht? Oder eine Folge Simpsons schauen (inklusive Werbung, versteht sich)? Oder – und das kann ich nur empfehlen – man lässt sich einfach von Last Chapter das Hirn durchpusten. Nichts anderes tun die Leipziger nämlich auf ihrem Erstling „Fire Exit… Out Of Order“. Wer bei dem Titel erst brutales Drauflos-Geknüppel erwartet und sich gelangweilt abwendet, dem sei gesagt: Zwar steht die Grundbasis der Band auf einem Sockel aus Aggressionen, trotzdem bringt die Combo die nötige Portion Melodie ins Spiel, damit dem geneigten Hörer nicht langweilig wird.

Das klingt jetzt natürlich wie die eine millionste Einleitung zu irgendeiner Metalcore-Platte, die man eigentlich auch getrost im heimischen CD-Schrank hätte versauern lassen können, ohne seinen Senf dazu zu geben. Ist es aber nicht. Oder besser: Soll es nicht sein, denn die sechs Tracks auf „Fire Exit… Out Of Order“ ziehen ganz ordentlich, obwohl auch mal ab und an der Fuß ein bisschen vom Gaspedal genommen wird. Das passiert allerdings meist nur wenige Augenblicke, dann ist wieder Bleifuß angesagt, die Gitarrenfraktion fräst sich nach vorne, Drum- und Basssektion hämmern, was das Zeug hält, ohne zu sehr im Vordergrund zu stehen und Sänger Marcus schreit sich mal inbrünstig die Seele aus dem Leib, verleitet ab und an zu Gangshouts und liefert im nächsten Moment glasklaren Gesang, der mich ein bisschen an die Mannheimer Kollegen Blessed By A Ghost erinnert, obwohl Last Chapter einen wesentlich höheren Hardcore-Anteil mitbringen.

Bereits der Opener und gleichzeitig Titeltrack wartet, wie die ganze Platte, mit fettem Sound auf, bei dem die Gitarren nahezu gleichberechtigt neben dem manischen Geschrei stehen. Vor allem der Refrain hat durch die stimmliche Verdopplung einen völlig psychotischen Touch, der durch Mark und Bein geht. Nach dem klaren Gesang ballert dann auch der rasante Tempowechsel in Old School-Hardcore-Gefilde gleich noch mal so heftig rein – genial!

Wer gedacht hat, nach einem Dampfhammer wie „Where Do All The Bikes Come From?“ – übrigens mit drolligem Fahrradklingel-Intro, von dem ich mich frage, ob es auch live zum Einsatz kommt – würde einen Gang heruntergeschaltet, wird bei „When Everyone’s Asleep“ eines Besseren belehrt, denn hier driften die Jungs mal ganz schnell in zeitweise fast Grindcore-lastige Gefilde ab, was vor allem an den Vocals liegt, die zwar gegen Ende auch wieder klar sind, aber zwischendurch fast als Pig Squeals durchgehen könnten. Ich muss gestehen, soviel Variabilität hatte ich den Leipzigern gar nicht zugetraut, aber es ist natürlich immer schön, wenn man als Schreiberling noch positive Überraschungen erleben kann.

„Falling Down“ präsentiert sich mit melodiösen Gitarrenansätzen, tiefen Growls und klarem Gesang fast episch – letzterer hat mich bei vorangegangenen Liedern teils ein klein wenig irritiert, hier passt jedoch alles perfekt zusammen. Zum guten Schluss hat sich mit „The End Of A Lovesong“ noch ein astreiner Deathcore-Stampfer eingeschlichen, den man sich so oder ähnlich auch durchaus von Bury Tomorrow hätte vorstellen können. Die filigranen Gitarren und der dominante Bass zwischendurch, gefolgt von der großartigen Melodie am Ende, verströmen ein ganz eigentümliches Feeling, bei dem man tatsächlich eine Gänsehaut bekommt. Der Song sollte tatsächlich auf keinem Tape zum Thema „Trennung“ fehlen!

Fazit: Last Chapter beweisen einmal mehr die traurige Vermutung, dass da draußen noch massenhaft gute, völlig unbekannte Bands herumschwirren. Wer auf modernen Hardcore, Deathcore oder härter angelegten Metalcore steht, bei dem es danach so richtig schön in den Ohren pfeift, sollte sich die Jungs definitiv mal zu Gemüte führen – falsch machen kann man hier nichts!

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