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Larry Jon Wilson: Larry Jon Wilson

Der alte Mann und seine Gitarre
Wertung: 3/10
Genre: Rock Country
Spielzeit: 49:40
Release: 04.10.2008
Label: 1965 Record

Etwas ganz Spezielles hat nun mein CD-Player zu verarbeiten bekommen. 28 Jahre war Larry Jon Wilson von der Bildfläche verschwunden, nun ist er zurückgekehrt. Ich muss zugeben, ich wusste vorher gar nicht, dass er einmal da war. Nun gibt er sich die Ehre, um bewaffnet mit seiner Gitarre der Welt zu zeigen, wie sich Songwriter Country Blues früher angehört hat. Nur ab und zu von einer Geige begleitet, kann man dies als ein wirkliches Unplugged-Ereignis bezeichnen.

„Shoulders“ ist der erste Song, welcher einigermaßen verheißungsvoll anfängt. Die Musik ist eher von Larry Jon Wilsons Stimme geprägt als von seiner Gitarre, die irgendwie ruhig irgendwelche angedeutete Melodien spielt und die Hauptarbeit den Stimmbändern überlässt. Leider ist es recht schwierig, hier eine wirklich durchgehende Melodie zu orten. Es klingt eher wie ein melancholisch verträumtes Dahin-Singen, welches irgendwie mit ein wenig Gitarrengeklimper unterlegt ist.

„Losers Trilogy“ begeht den gleichen Weg und mir wird immer klarer, dass dies nicht wirklich meine Welt ist. Da hilft die zaghaft eingesetzte Geige auch nicht. Das hier ist melancholisches Dahin-Vegitieren, welches zum Whiskykonsum und zum Runterkommen einlädt. Aber irgendwie wird mir hier viel zu wenig von der Gitarre geboten. Die hätte eigentlich auch fast komplett fehlen können, es hätte nicht wirklich viel ausgemacht. Irgendwie scheinen noch ein, zwei Personen anwesend gewesen zu sein, denn der/die klatschen zum Abschluss.

Überraschenderweise kommt dann so etwas wie ein Highlight. „Heartland“ wartet mit einer recht schönen, ins Ohr gehenden Melodie auf. Es wird Larry Jon Wilsons „American Dream“ besungen und der Song weist schon deutlich mehr normale Songstrukturen auf. Wirklich nicht schlecht.

„Long About Now“ verfällt dann eher wieder in die Ausrichtung, dass hier ´ne Geschichte erzählt wird und dazu irgendwie nur recht verhalten so etwas wie eine Melodie auf der Gitarre gezupft wird.

Das ändert sich auch bei „Me With You“ nicht. Zu wenig Unterstützung erhält die nicht mal unschöne Stimme von seiner Gitarre und der wieder mal zum Vorschein kommenden Geige. Speziell dieses Instrument wirkt teilweise so, als ob sie irgendetwas anderes spielt.

„Feel Alright Again“ geht dann fast schon richtig ab, zumindest für Larry Jon Wilsons Verhältnisse. Man erkennt eine klare Melodie und er erhebt auch mal seine Stimme etwas euphorischer. Der Fuß beginnt mitzuwippen, ja, das will mehr ins Blut gehen als die meisten Songs.

„I Am No Dancer“ hat es da schon wieder etwas schwerer. Sperriger und mit deutlich mehr Melancholie angefüttert, kommt eher eine gewisse Langeweile rüber. An einem Lagerfeuer kann man sich ja immerhin einfach zurückziehen, als Rezensent muss man aber da durch.

„Goodbye Eyes“ versucht dann, wieder etwas mehr Songfeeling zu versprühen, kann aber an Songs wie „Heartland“ oder „Feel Alright Again“ nicht ranreichen.

Der „wir-haben-einfach-mal-ein-Aufnahmegerät-mitlaufen-lassen“-Charakter des Albums wird dann bei „Rocking With You“ noch mehr verstärkt. Man hört Larry, wie er sich unterhält, bevor er dann wieder mit seiner Gesangsstimme und der Gitarre zuschlägt. Das „Rocking…“ im Titel sollte man jetzt aber mehr als umgangssprachlichen Text deuten denn als Songcharakteristik.

„Through My Hands Up“ wurde deutlich hörbar in einer anderen Session aufgenommen. Der gesamte Sound ist anders. Die Gitarre klingt dumpfer, die Stimme kommt anders rüber. Eigentlich bisher der drittstärkste Song, da er diesen Namen verdient.

„Whore Trilogy“ hat irgendwie, auch wenn ich es nicht begründen kann, so ein klein bisschen „Waltzing Matilda“ (Rod Stewart)-Flair, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau. Nicht uninteressant, aber insgesamt so, dass sich die Melodie in diesem Falle nicht im Kopf festzusetzen vermag.

„Where From“ beschließt dann dieses Album. Leider kommt auch hier kein verspäteter „Hit“. Nein, diese Schiebe ist nicht wirklich der Freund meines Vaters Sohnemannes. Das Ende ist so gehalten wie der Anfang und weiß mein Gedächtniszentrum leider nicht zu stimulieren.

Fazit: Als ob die Zeit stehen geblieben wäre und man irgendwie alt und halb sterbend auf Gevatter Tod wartet. Seit Friedhof der Kuscheltiere weiß man, dass es manchmal besser ist, Lebewesen nicht zurück zu holen, dies bewahrheitet sich hier leider auch.

Schade, dass man nicht einmal versucht hat, die Songs mit einer kompletten Band auszuarrangieren, ich denke mal, auch wenn das ja nicht so wirklich ins Konzept von Larry Jon Wilson passt, dass dies z.B. bei Songs wie „Whore Trilogy“ für deutlich mehr Freude beim Hörgenuss gesorgt hätte.

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