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Lantlôs: Agape

Neue Wege durch die Nacht
Wertung: 8.5/10
Genre: Doom Metal, Post-Rock, Black Metal
Spielzeit: 35:23
Release: 28.10.2011
Label: Lupus Lounge

 Als 2010 das zweite Lantlôs-Album „.neon“ erschien, schienen sich Presse und Fans gleichermaßen einig zu sein: Hier wurde ein Meilenstein des modernen, inzwischen als Begriff weitgehend verpönten Post-Black-Metals geschaffen, der auf beinahe magische Weise das eindringliche Songwriting von Mastermind Herbst mit Alcest-Kopf Neiges Gesang verwob. Umso überraschender ist es, dass das nunmehr dritte Werk mit dem Titel „Agape“ bisher für äußerst gespaltene Meinungen sorgte, unter deren besonders kritischen Vertretern so mancher eigentlicher Fan der Band zu finden war – hat Herbst also alles über den Haufen geworfen, wofür Lantlôs standen oder hat die Musik gar deutlich an Qualität verloren?

Fakt ist, dass „Agape“ tatsächlich deutlich anders als seine Vorgänger klingt und sich von der bisherigen Black-Metal-Basis recht radikal entfernt. Ob dies nun dem Drang der beteiligten Musiker zuzuschreiben ist, sich einem immer alltäglicher werdenden Genre zu erwehren oder eine logische Weiterentwicklung darstellt, sei an dieser Stelle dahingestellt; Herbsts Handschrift erkennt man jedoch noch immer zu jeder Sekunde. Das Fundament der Musik hingegen wurde rundherum erneuert; anstatt drängender, suchender Klänge finden sich nun langsame, erdrückende Riffs und Neiges vorrangig gekreischter Gesang, der deutlich rauer und verbrauchter als noch auf „.neon“ klingt, so dass „Agape“ näher am Doom als am Black Metal ist – Charakteristika wie die verrauchten Post-Rock-Leads und jazzigen Zwischenspiele sind dabei jedoch nach wie vor prägende Elemente und definieren die Eigenständigkeit der Band.

Dass diese fraglos kein Neuland darstellen, ist hierbei nicht unbedingt entscheidend, denn gerade in Verbindung mit den neuen Elementen vermögen die ruhigen Passagen ihre Wirkung noch einmal völlig neu zu entfalten. „Intrauterin“ vollzieht zu Anfang ebendiese Synthese und baut mit langsam wachsenden, schleppenden Riffs eine durchdringende Spannung auf, in der Neiges hohe Schreie wie Wetterleuchten aufblitzen, bevor nach dem obligatorischen Klimax ein verschwommenes, in seidige Dunkelheit hüllendes Post-Rock-Intermezzo folgt, währenddessen auch der ungewohnt tiefe Klargesang des Franzosen erklingt – gerade hier wird Herbsts Gespür für eigenständige Harmonien deutlich, die ein ganz besonderes Gefühl vermitteln. Nun kann man Lantlôs sicherlich vorwerfen, mit diesem altbekannten Schema, das in dieser Art von Musik inzwischen schon zur Regel geworden ist und auch auf „Agape“ mehr als nur einmal vorkommt, die Songs zu vorhersehbar zu gestalten, was sich sicherlich nicht gänzlich abstreiten lässt, in Anbetracht des letztendlich erzielten Effektes aber durchaus zu verschmerzen ist, denn im Gegensatz zu vielen Genre-Kollegen ist bei Lantlôs die Magie dieser Momente noch nicht verloren gegangen.

Rückstände vom Black Metal finden sich trotz aller Neuerungen beispielsweise noch im nachfolgenden Song „Bliss“, in dem das Tempo deutlich erhöht wird, das schwarzmetallische Riffing durch die heruntergestimmten Gitarren aber eine überraschende Schwere erhält, die auch Neiges rasende Schreie erschütternder erscheinen lässt. Dass große Teile des Stückes von einer instrumental gehaltenen, stark Jazz-beeinflussten Passage mit wunderschönen Klaviermelodien bestimmt werden, ist dabei keineswegs irreführend für den Rest des Albums, denn tatsächlich wurden Neiges Anteile im Vergleich zum Vorgänger wesentlich zurückgefahren, so dass einmal mehr klar wird, wes Geistes Kind Lantlôs nach wie vor sind. „You Feel Like Memories“ kommt so vollkommen ohne die Hilfe des Sängers aus und verzichtet ebenso auf jegliche harte Klänge, dafür wird durchgängig auf jazzige Soundcollagen gesetzt, die diese Seite der Band gereift und atmosphärisch zum Rest der Musik passend zeigen.

Den verhältnismäßig zugänglichsten Song auf „Agape“ stellt vermutlich „Bloody Lips And Paper Skin“ dar, der nicht wenig an Post-Metal erinnert und auf einen ähnlichen Aufbau vertraut, wie Mogwai ihn zuletzt bei „Rano Pano“ oder „Death Rays“ verwendeten: Schon früh setzt die Musik relativ treibend ein und führt zu keinem spektakulären Höhepunkt, sondern baut sich dezent Stück für Stück auf und erschafft so einen gleichmäßigen, aber stetig kräftiger werdenden Fluss. Mit „Eribo – I Collect The Stars“ endet das Album dann nach nur wenig mehr als 30 Minuten mit ausgedehnten Instrumental-Passagen und wuchtigen Riffs, die trotz allem Gewicht doch einen hoffnungsvollen Unterton in sich tragen.

Dass kurze Spielzeiten nicht unbedingt ein negatives Kriterium darstellen müssen, ist sicherlich kein Geheimnis, doch im Falle von „Agape“ fühlt sich das Hörerlebnis frappierend kurz an – obwohl so gewährleistet wird, dass nicht einmal im Ansatz so etwas wie in Lückenfüller benötigt wird, bleibt doch der Nachgeschmack zurück, dass dieses Werk noch viel größer hätte sein können. Nichtsdestotrotz vollführt Herbst mit diesem Album einen interessanten und möglicherweise für die Zukunft des Projektes wegweisenden Schritt, der zwar ein wenig im Schatten des übermächtigen „.neon“ erfolgen muss, aber erneut seine emotionale Wucht entfalten kann und nahtlos die neuen Einflüsse mit der altbekannten Nacht verschmelzen lässt.

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