Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Lance Lopez: Handmade Music

Bluesfans sollten ein Ohr riskieren
Wertung: 7/10
Genre: Blues Rock
Spielzeit: 56:14
Release: 25.11.2011
Label: MIG Music

Es sind wahrlich nicht die schlechtesten Referenzen, die Wahl-Texaner Lance Lopez vorzuweisen hat: Immerhin eröffnete der Gitarrist bereits Shows für B.B. King, ZZ Top und Jeff Beck. Der vorliegende Silberling „Handmade Music“ ist schon sein sechstes Album und auch wenn man vorher noch nie etwas von „The Killer Guitar From Texas“, wie er sich selbst nennt, gehört hat, wird schon anhand des Titels deutlich, dass hier ein Old-Schooler die Axt schwingt, der sicherlich nicht allzu viel von seelenlosen, modernen Plastikproduktionen hält.

Klar, wenn sich jemand auf solche Acts wie die oben genannten bezieht und noch dazu aus den Südstaaten stammt, wird er wohl kaum Metalcore zocken. Vielmehr steht Lopez für lupenreinen, erdigen Blues Rock und konnte für seine neueste Scheibe sogar einen richtig großen Namen für den Produzentenjob gewinnen: Kein Geringerer als der siebenfache Grammy-Gewinner Jim Gaines ist hier für das Knöpfchendrehen verantwortlich – der Mann saß bereits für Legenden wie Santana, Steve Miller Band, John Lee Hooker und Stevie Ray Vaughan hinter dem Mischpult.  

Herausgekommen ist eine zwölf Tracks starke Platte (in der Info ist von zehn Stücken die Rede, es gibt aber noch zwei Bonustracks in der limitierten Auflage, die in der Promoversion erfreulicherweise auch vorliegen), die zumindest jeden Bluesfan begeistern sollte – alle anderen werden das Ganze eher mit einem „Na ja, hat man schon hundertmal gehört, was soll ich damit?“ abtun, denn natürlich steht fest, dass hier keine großen Innovationen vorzufinden sind. Blues ist eben ein Genre, das eher eng gesteckte musikalische Grenzen und daher nicht allzu viele Überraschungen zu bieten hat – man liebt ihn oder man hasst ihn. Oder besser gesagt: Man hat ihn oder man hat ihn nicht.

Lance Lopez hat ihn mit Sicherheit; der Mann weiß, wie es geht. Handwerklich astrein bluest er sich durch das Dutzend Songs, kann mit filigranem Solospiel überzeugen und besitzt überdies eine sehr raue und rauchige, bisweilen an Bob Seger erinnernde Stimme, die das passende Südstaaten-Flair verbreitet – es mag bessere Sänger unter der Sonne geben, aber zweifellos fügt sich Lopez’ kratziges Organ insgesamt gut ins Gesamtbild ein. Auch die Produktion überzeugt – zum Glück hat der große Name Gaines nicht zu einem übertriebenen Breitwand-Sound oder Ähnlichem geführt, doch damit wäre man natürlich weder dem bodenständigen Titel des Albums noch dem Charakter der Musik an sich gerecht geworden. 

Das Wichtigste aber ist: „Handmade Music“ beinhaltet eine Reihe guter Songs. Der flotte Opener „Come Back Home“ ist eindeutig von ZZ Top beeinflusst und verbreitet gleich On-the-road-Feeling, das auf akustischen Klampfen basierende „Let Go“ hat was von den Balladen der neueren Ten Years After, „Dream Away“ macht mit seiner, ähem, verträumten Atmosphäre seinem Titel alle Ehre, das spritzige „Letters“ bietet schön griffiges Abwärts-Riffing und mit dem gefühlvollen „Lowdown Ways“ hat man sich den besten Track für den Schluss aufbewahrt (ich bin vor allem Fan von langsamem Blues). Überzeugend ist auch das mit einem melancholischen Touch versehene Instrumental „Vaya Con Dios“, wohingegen „Your Love“ recht austauschbar und fast etwas nervig tönt – im Großen und Ganzen jedoch überwiegt das Positive.   

Natürlich ist „Handmade Music“ eine One-Man-Show – im Zuge der Soloeskapaden des Meisters werden seine Mitmusiker Chris Gipson am Bass, Jimmy Dereta am Schlagzeug und Eric Scortia an Hammond und Klavier beinahe zu Statisten degradiert –, natürlich tut dieses Album niemandem weh, natürlich sind die Standard-mäßigen Songtitel ausgenudelt bis zum Geht-nicht-mehr, und natürlich ist die Angelegenheit eher vorausschaubar; dennoch sollte jeder Fan von alter, ehrlicher, eben handgemachter Musik mal ein Ohr riskieren. Spaß macht das Teil auf jeden Fall, auch wenn Gaines’ Aussage, dies sei das „beste Album, was je mein Studio verlassen hat“, selbstverständlich maßlos übertrieben ist.

comments powered by Disqus