Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

LaminiusX: Vitamin

Leider größtenteils uninteressant
Wertung: 5.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 40:44
Release: 24.09.2010
Label: Timezone

Als Band hat man einen gewissen Bildungsaufdruck, ob man nun will oder nicht. LaminiusX wollen - und deshalb haben tausende französische Schüler die Texte der Rock-Combo in den vergangenen beiden Jahren interpretieren dürfen. Ob die davon letztendlich so begeistert waren, ist die Preisfrage, Tatsache ist aber, dass der Sound des Trios sich durch solcherlei Aktionen wie ein Lauffeuer verbreitet haben dürfte.

Hierzulande ist trotz des 2008er Albums „One Man Show“ noch relativ wenig von Bassist Stephan, Sänger und Drummer Timmi und Sänger/Gitarrist Nesko zu sehen beziehungsweise zu hören, aber das könnte sich ändern, denn das Material der neuen Scheibe „Vitamin“ fällt, mit Verlaub, sehr massentauglich aus. Hier trifft Pop-Appeal in rauen Mengen auf dreisprachigen Rock mit einer Prise Alternative – die Mischung aus Deutsch, Französisch und Englisch mag zwar teils recht ansprechend sein und auch verkaufsstrategisch gesehen eine durchaus clevere Entscheidung, an vielen Stellen des Albums passt es aber einfach nicht so richtig, wenn auf einmal in rein französischen Text deutsche Wörter eingeworfen werden. Es ist zuviel des Guten - Sprachenvielfalt hin, Bildungsauftrag her. Dabei muss man LaminiusX aber zumindest zugute halten, dass sie die Sprachen beherrschen, die sie verwenden – nirgendwo muss man erschaudern, weil ich ein als „s“ getarntes englisches „th“ eingeschlichen hat – leider keine Selbstverständlichkeit bei deutschen Bands.

„Almost Stars“ macht sich als Opener eigentlich recht gut, ein bisschen elektrisch geht’s hier zu und auch der Gesang wird leicht modifiziert – tightes Drumming und eine recht interessante Stimme machen den Song aber zu einem guten Einstieg, erst recht, wenn sich der eingängige Refrain erhebt. Auch „Erreur De L’Histoire“ schleicht sich trotz des Titels recht schnell in die Gehörgänge, das Gitarrenintro kann sich durchaus hören lassen, der Gesang ist zwar – nicht nur wegen der Sprache, sondern auch wegen der Tonlage – etwas gewöhnungsbedürftig und bestimmt nicht jedermanns Sache, aber der Refrain rettet den Track doch ganz gewaltig über den Durchschnitt hinweg; ein bisschen Gänsehaut ebenso wie gefälliges Kopfnicken kann man sich kaum verkneifen.

Bis hierhin neigt man noch dazu, die Platte ganz in Ordnung zu finden. Die Jungs geben sich Mühe und klingen nicht schlecht – erste Abstriche müssen aber bei der Vorabsingle „Meins“ gemacht werden, die zwar technisch gut gemacht ist, aber den typischen Studentenmusik-Sound verbreitet, der nun einmal – vor allem für Freunde der härteren Gangart – eine extreme Geschmackssache ist. „Trauma“ tendiert in eine ähnliche Richtung, allerdings auf Französisch, was das Ganze nicht unbedingt besser macht. Der Refrain wird dann pseudo-aggressiv auf Deutsch vorgetragen – das passt hinten und vorne nicht. Das ist schade, denn rein inhaltlich haben die Jungs durchaus etwas zu sagen, nur verpacken sie es leider in teilweise nicht unbedingt genießbare, gezwungen poppig anmutende Soundgewänder.

„Viel Zu Jung“ kann zwar strophenmäßig so gar nichts reißen, versprüht aber im Refrain überraschenderweise einen leichten Farmer Boys-Touch – mehr solcher Experimente sind durchaus gewünscht, Jungs! Auch „Macht“ kann durchaus als solider Rocksong bezeichnet werden, rüttelt aber für das Thema  - nämlich das Schicksal von Kindersoldaten – viel zu wenig auf und geht im allgemeinen Durchschnitt unter. Dagegen hätte man sich den Titeltrack komplett sparen können – dröge kommen die Gitarren durch die Boxen, unmotiviert und leise der Gesang.

Schaut man sich die Texte der Drei an, ist es wirklich schade, dass die meisten Songs sich relativ uninteressant entwickeln – durchaus sozialkritisch kommen die nämlich daher; die sehr auf Mainstream ausgelegte Musik lenkt davon aber ziemlich ab. Nur sehr wenige wirklich gute Songs heben die Platte mit einiger Mühe über den Durchschnitt, obwohl die Combo hörbar ambitioniert zu Werke geht. Vielleicht sollte man sich für das nächste Album weniger auf die heilige Dreifaltigkeit der Sprachen, sondern eher auf gute Arrangements konzentrieren – dann klappt’s auch ohne Mainstream.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna