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Laminius X: One Man Show

Als wenn Stefan Raab grinsend vor einem säße
Wertung: 7/10
Genre: Alternative Punk Crossover Rock
Spielzeit: 40:55
Release: 14.03.2008
Label: Eigenproduktion

Ein lupenreiner Etikettenschwindel liegt mir hier mit der neuen CD von Laminius X vor. Als „One Man Show“ tituliert begeben sich hier drei Musiker auf große Alternative Punk Crossover Tour. Und wenn man das weiß, dann ist auch klar, dass es wohl ziemlich abwechslungsreich werden wird.

Das „Intro“ ist eine sehr schöne Klaviersequenz, welche im Verlauf noch kurz, aber recht kräftig von der Gitarre verstärkt wird. Leider etwas kurz geraten, aber dafür recht kräftig rockt sich dann der erste Song „Leere Welt“ ins Gedächtniszentrum. Schöner, abwechslungsreicher Rock mit einem recht düsteren Text, welcher anders vorgetragen aber auch den gehobenen Mittelfinger recht gut präsentieren könnte. Guter Einstieg!

„Shadow Et Conscience“ ist wie der Titel schon andeutet zweisprachig gehalten. Das französische überwiegt und lässt mir damit keine wirkliche Chance, den tieferen Sinn zu erkennen. Egal, die Musik ist recht melodisch ausgeprägt und besticht durch den guten Gesang von Timmi (Drums) und/oder Nesko (Gitarre/Klavier). Ja, so könnte sogar Airplay im Radio funktionieren.

„Nichts Ist Wichtig“ begibt sich auf deutlich punkigere Pfade, wie es ansatzweise auch Die Ärzte zu tun pflegen. Man kritisiert Kapitalisten und Egoisten (ist das nicht eigentlich das gleiche?). Das Ganze wird aber nicht als Hasstirade aufgefahren, denn die Band behält die Contenance. Nicht schlecht, wenn gleich sich der Song aber nicht in meinem Gedächtnis festzusetzen vermag.

Eher rockig präsentiert dann „Swear On The Bible“. Man wirft Fragen auf, die sich um Krieg in anderen Ländern drehen. Nicht wirklich eine klare politische Aussage, aber man kann erahnen, welche Message die Band hier vermitteln will. Etwas mehr klare Aussage oder vielleicht ein abschließendes Statement wären hier sicher nicht fehl am Platz gewesen.

Eine richtig coole Textzeile sticht für mich aus dem Song „Zuvielisation“, nämlich: „Kinderblut im Kaffee“. Irgendwie locker flockig, fast schon fröhlich wird das mal eben gesungen. Irgendwie cool, wie die Band immer wieder Gesellschaftsprobleme eben nur anreißt, aber dann auch liegen lässt und sich dem nächsten Problem widmet. Auch wenn man so halt seinen Schädel benutzen muss, um die Vielfalt der Themen wirklich zu erkennen.

„Somebody`s Lying“ bereichert dann den Crossover der Band stellenweise um die Komponente Metalcore. Cool zusammengefügt, aber trotzdem nicht so ganz mein Fall, da man es nicht geschafft hat, eine einprägsameren Melodieverlauf zu kreieren.

„Tonight“ ist da schon besser geraten, denn hier rockt man recht zünftig zu dem balladesk vorgetragenen Text.

„Number 3“ ist ein wenig schräg und versucht die Zahl 3 ein wenig ins schlechte Licht zu rücken. Ebenso wie der Text erschließt sich mir der Song ganz und gar nicht. Man versucht, etwas böser und aggressiver zuklingen, aber irgendwie schafft man es nicht, glaubwürdig rüberzubekommen, hinzu kommt die meiner Meinung nach fehlende Tiefe der Komposition.

Etwas zu unmelodisch kommt dann auch „Civilization = Sterilization“ rüber, allerdings kann man wohl Parallelen zu Bands wie System Of A Down nicht von der Hand weisen, nur leider waren selbst die ersten Demos dieser Vorbilder besser. Der Text ist wieder von der besseren Sorte und kritisiert das Zivilisieren.

„Daltonien“ rauscht auch weitestgehend ohne tiefere Verletzungen bei mir zu hinterlassen an mir vorbei, auch wenn sich der zweistimmige Gesang recht cool anhört. Trotzdem würde ich mir ein wenig mehr wünschen, eine zumindest angedeutete Linie in der Musik von Laminius X zu finden. „Fear Of The White Man“ rockt dann wieder recht heavy daher und der Refrain sticht positiv heraus.

Den Qualitätsstandard kann durch „Einer Von Euch“ auch trotz der mehr als gelungenen Gitarrenparts, welche auch mal wieder von der Trompete begleitet werden, nicht gehalten werden. „One Man Show“ beschließt dann das Album, und hier wird dann auch textlich klar gemacht, wie man den Albumtitel zu verstehen hat und dass mein Einleitungssatz nicht richtig ist. Nun ja, eines Besseren belehrt, lausche ich verträumt den tollen Klaviertönen, die das Album auf hohem Niveau ausklingen lassen.

Fazit: Es war ja schon zu erwarten, aber einen derart bunten Strauß Blumen hatte ich dann doch nicht erwartet. Der oftmals recht unterschiedlich zweistimmige Gesang gefällt. Etwas mehr Verbindlichkeit in den Texten würde wohl nicht schaden, trotzdem bleibt bei mir irgendwo so ein wenig Oberlehrer- oder Besserwisser-Beigeschmack. Ich weiß eigentlich nicht warum, denn ich kann das nicht wirklich festmachen, aber irgendwie erscheint es mir so, als ob Stefan Raab frech grinsend vor mir sitzt und Fragen in den Raum wirft. Und dabei hab ich wegen des Grinsens so den Eindruck, als dass er die Antworten zu wissen glaubt und sich ziemlich überlegen fühlt. Ich bin auf die weitere Entwicklung der Band auf jeden Fall gespannt.

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