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Lafrontera: Humenace

Ein abwechslungsreiches Stück Metal
Wertung: 8/10
Genre: Free Metal
Spielzeit: 62:40
Release: 08.12.2008
Label: Eigenproduktion

Kräftigen Melodic Thrash Metal bieten die fünf Kieler von der Formation Lafrontera. Lustigerweise hat man auf dem Cover vergessen, den Drummer Ron Nanko zu erwähnen, nun ja, auf dem Foto auf der Rückseite des 16-seitigen Booklets ist er zumindest zu sehen. Kommen wir also zur wichtigsten Sache dieser Veröffentlichung: Der Musik!

Wie könnte ein Opener treffender heißen als „The Beginning“. Erst ziehen die Saiteninstrumente einzeln ihre Kreise, bis die Band im Uptempo beginnt, loszulegen. Cool und irgendwie mit einem kleinen punkigen Duftstock durchzogen, hämmert man sich recht eigenständig durch den Song. Die kleinen „Nobody Love Somebody“- Einstreuer erinnern unweigerlich an die Blues Brothers, wobei das eigentlich gar nicht passt, selbst vom Text her nicht. Yeah, stark! Dieser fast sechseinhalb Minuten lange Song ist der richtige Kracher zu Beginn.

„Ambiguity“ geht ebenso energisch voran. Stark, wie Helge Reinsch und Felix Scholz ihre Gitarren bearbeiten. Sänger Marko Hempf hat ein außergewöhnliches Organ, welches sicher für ein wenig Diskussionsstoff sorgen wird. Guter Song, der keine Kompromisse eingeht.
„Bite Of A Snake“ macht genau da weiter, wo der zweite Song aufgehört hat. Immer wieder kommen verquere Songstrukturen, die sich dann aber perfekt in den Song einfügen. Irgendwie kommt so sogar ein gewisser progressiver Touch mit in den satten Thrash Metal. 

„Controlnation“ drückt dann etwas unspektakulärer auf das Gaspedal. Zwar kommt mal ein unerwartetes Break, aber insgesamt rauscht der Song doch eher ohne Gedächtnisstimulation daher. Da kann auch der sehr bestimmende Gesang von Marko Hempf nicht mehr viel retten, zumal der langsame Mittelpart irgendwie zu schräg und daneben rüberkommt.

„Deserted“ beginnt da deutlich besser. Zwar wurde das Tempo deutlich gedrosselt, aber der Song sorgt auch in diesem Tempo für klare Headbanging-Furore. Der hier sehr abwechslungsreiche Gesang überzeugt auf der ganzen Linie. Man will mitgrölen und freut sich über die gelungenen Melodieverläufe. Das Solo von Helge Reinsch sollte man sich auch mal zu Gemüte führen, denn es passt hier trotz einer mäßigen Geschwindigkeit super rein.

„Diabolic“ kann da dann leider nicht mithalten. Die Ansätze sind zwar viel versprechend, aber wirklich mitzureißen vermag der Song nicht - schade. 
„Disbelieve“ beginnt mit eher penetrantem Bassspiel, welches kurz davor ist, Schmerzen zu verursachen. Nicht weil Andrè Sperlich hier falsch zockt, sondern weil es etwas zu dominant abgemischt wurde. Der Song erinnert ein wenig an Iron Maiden, nur eben mit extremeren Vocals, die eher in die Headhunter- oder Blind Guardian ohne Chöre- Richtung geht.

„End Of Fears” gerät da ein wenig besser, kräftig startet man mit tollen Drums in ein etwas vertracktes Songkonstrukt. Es klingt nicht wirklich flüssig, hat aber gerade deshalb einen sehr speziellen Charme. Gefällt richtig gut, auch wenn man nicht unbedingt beschreiben kann, warum. Die Maschinengewehr-Attacken, welche von allen Seiten unerwartet auf den Hörer hereinbrechen, sind ein zusätzliches Schmankerl. 

„Follow Me“ beginnt mit seinem Chor fast schon ein wenig erhaben, wenngleich es Sekunden später erst mal wieder deutlich heftiger und zügiger voran geht. Die Band scheut sich keineswegs, recht heftige Tempowechsel vorzunehmen.
Dann wird wieder der Geist der eisernen Jungfrauen hervorgerufen und in britischer Manier „No Land Of God“ begonnen. Danach flacht der Song leider etwas ab. Schade, aber das liegt auch ein wenig an den teilweise etwas oberlehrerhaften Vocals. Schade, denn mit dem Chor hat man schon wieder ein Ass im Ärmel, welches absolut unerwartet aufgespielt wird.

„Serenity“ hämmert sich dann wieder im Uptempo durch die Lautsprecher. Sehr stark, wie hier dem Thrash Metal gehuldigt wird, zwar klingt es stellenweise ein wenig gehetzt, aber wenn man denn auf den grausigen Megaphongesang im Verlauf des Songs verzichtet hätte, wäre hier ein weiteres Highlight zu verzeichnen gewesen. Das tut in den Ohren weh und sorgt für schnell zurückgedrehte Lautstärkeregler, auch wenn der Part, dem Himmel sei Dank, recht kurz gehalten ist.

Den offiziellen Abschluss bildet dann „Sinister Prophet“. Lafrontera ziehen hier noch mal fast alle Elemente, die sich in ihrer Musik auffinden lassen. Wer mal durch kurzes Hören feststellen will, wie die Band klingt, sollte sich wohl diesen Song zu Gemüte ziehen, auch wenn das richtige Gebolze hier nicht ganz so gezeigt wird. Starker Abschluss.

Warum es auf einer Demo einen Bonustrack gibt, erschließt sich mir allerdings nicht. Denn die Eigenproduktion wird ja eigentlich nur in dieser Form angeboten, soweit ich weiß. Egal, mit „Yggdrasil“ wird noch mal kräftig einer rausgehauen. Logisch, dass hier noch mal tief in die Überraschungskiste gegriffen wird. Da erklingt eine kräftige elfenhafte Stimme, Veronika Schechter sorgt hier für zusätzliche Bonuspunkte und einen wahrlich großen Schlusspunkt. Mein Favorit des Albums. Solch einen Melodic Power Metal-Song hätte ich der Truppe auch nicht zugetraut. 

Fazit: Ein abwechslungsreiches Stück Metal haben die fünf Deutschen hier abgeliefert. Es ist ein recht großer Stilmischmasch rausgekommen, der immer wieder Einflüsse erkennen lässt, ohne aber das Ganze in ein größeres Klondebakel abdriften zu lassen. Erfischend und kräftig klingt das. Am Sänger werden sich sicher die Gemüter scheiden, mir gefällt´s.

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