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Lacuna Coil: Broken Crown Halo

Ohne große Überraschungen, aber insgesamt schon gut
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 47:41
Release: 28.03.2014
Label: Century Media

Lacuna Coil müssen immer wieder gegen die Anschuldigung ankämpfen, dass sie zwar objektiv kompetent eingespielte und gut produzierte Alben mit durchaus hoher Ohrwurmdichte fabrizieren, aber das alles seit längerer Zeit schon zu glatt, zu kalkuliert, zu brav, zu gefällig klänge. Bereits bei der 2006er Langrille „Karmacode“, auf der eine deutliche Abkehr vom mit Gothic-Touch versehenen Alternative Metal und eine Kurskorrektur in sehr moderne Gefilde mit Nu-Metal-Einsprengseln stattfand, wandten sich einige Fans ab. Dabei konnte man den ItalienerInnen keine pure Berechnung vorwerfen, denn Nu Metal interessierte zu diesem Zeitpunkt ja bereits kein Schwein mehr.

Immerhin versuchte man damals, neue Wege zu gehen, ist mittlerweile jedoch bei recht radiotauglichem Metal angelangt, der wenig Ecken und Kanten besitzt und niemandem wehtut, so auch bei der letzten Platte „Dark Adrenaline“. Wer vermutet, mit dem zu besprechenden, inzwischen siebten Studioalbum würde es sich ähnlich verhalten, liegt durchaus nicht verkehrt: „Broken Crown Halo“ ist mehr oder weniger genau das Album, was man erwarten konnte. Sehr eingängige Refrains und hübsche Melodien, keine großen Experimente.

Das muss allerdings ja nicht immer gleich heißen, dass man das alles sofort verteufeln muss, zumal hier und da schon noch ein bisschen die Gothic-Roots erkennbar sind – so zum Beispiel im getragenen, melancholischen Abschlusstrack „One Cold Day“. Auch die Produktion als solche ist zwar sauber, aber zum Glück trotzdem lebendig und nicht steril geraten. Doch der Reihe nach: Die Eröffnungsnummer „Nothing Stands In Our Way“ war bereits vorab auf YouTube zu hören gewesen und ließ einen etwas ratlos zurück. Irgendwie nicht schlecht, aber andererseits auch nicht so richtig auf den Punkt kommend – ein bisschen eben dieses „Egal-Gefühl“ wie so manches Mal bei Outputs aus dem Hause Lacuna Coil in den letzten Jahren.

Es gibt zwar weitere Momente auf der Scheibe (auf der man sich anscheinend hauptsächlich dem Thema Untote gewidmet hat, wenn man Titel wie „Zombies“, „Die And Rise“ oder „Hostage To The Light“ betrachtet), wo sich dies einstellt, aber insgesamt muss wiederum konstatiert werden, dass, ob man das nun als kalkuliert oder zu glatt oder wie auch immer ansieht, die Band einfach ein untrügliches Gespür für Ohrwürmer besitzt. Rein songschreiberisch hat die neue Platte gegenüber „Dark Adrenaline“ klar die Nase vorn. Mag sein, dass ein alteingesessener Metalfan die Angelegenheit als „Popmusik mit ein paar harten Gitarren“ diskreditiert, aber erstens ist man immer noch weit entfernt von Plattheiten à la Amaranthe oder Sonic Syndicate und zweitens lässt sich nicht wegdiskutieren, dass hier tatsächlich wieder mal einige erstklassige Hymnen zu finden sind.

In erster Linie sticht da das superbe, melancholisch geprägte „Hostage To The Light“ hervor, das mit einem gänsehäutigen Bombenrefrain glänzt und bei dem Everybody’s Darling Cristina Scabbia alleine singt und voll aus sich herausgeht. Auch „Cybersleep“ mit seinen treibenden Drums zählt zu den absoluten Höhepunkten der Platte; ein hervorragend arrangierter und aufgebauter Track mit einem erneut tollen Chorus – und auch hier singt Cristina alleine. Wäre es doch nur immer so; Andrea Ferro ist beileibe kein schlechter Sänger, aber (das ist allerdings nichts als eine Frage des persönlichen Geschmacks) ich konnte mit seinem Stil noch nie etwas anfangen. Cristina ist und bleibt jedenfalls auch mit ihren Anfang 40 immer noch eine der besten Sängerinnen des Genres, da kann es keinen Zweifel geben; technisch makellos und doch so natürlich, da können nicht viele mithalten.

Äußerst hitverdächtig sind auf jeden Fall auch „Infection“ sowie „I Burn In You“ geworden – letzteres lässt mit seinen aufwühlenden Gitarren zum Ende hin auch die nötige Härte nicht vermissen, mal abgesehen vom erneut megaeingängigen Refrain, während sich bei „Zombies“ Strophe und Chorus frappant unterscheiden, aber recht clever zusammengebastelt wurden. Hingegen ist „I Forgive (But I Won’t Forget Your Name)“ schon arg poppig geraten (trotzdem nicht schlecht), „In The End I Feel Alive“ kommt mit seinen „burn, baby, burn“-Rufen etwas albern herüber und das recht nu-metallische „Die And Rise“ mit ultrafett in Szene gesetzten Gitarren und den Techno-artigen Keyboards dürfte ebenfalls sehr unterschiedliche Reaktionen hervorrufen.

Insgesamt ist „Broken Crown Halo“ wie angedeutet für meine Begriffe besser als der Vorgänger geworden, kommt allerdings wie erwartet natürlich niemals an das Diskographie-Highlight „Comalies“ (2002) heran. Cristina und ihre Jungs wissen aber eben einfach, wie man sich gut festsetzende Songs schreibt und anspruchsvoll arrangiert. Man kann das „auf Nummer sicher gehen“ und „vorhersehbar“ nennen, aber unterm Strich bleibt eine gute Platte.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann