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Lacuna Coil: Black Anima

Sie waren schon mal deutlich besser…
Wertung: 6/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 45:15
Release: 11.10.2019
Label: Century Media

Nach dem Zwischenhoch mit dem relativ starken „Broken Crown Halo“ riss das letzte Lacuna Coil-Album „Delirium“ nicht direkt vom Hocker. Richtig zünden wollte die Scheibe nicht, trotz des interessanten Konzepts, kaputten und gequälten Seelen, die in einer Nervenheilanstalt mit Medikamenten ruhiggestellt und an denen grausame Experimente durchgeführt wurden, mittels ihrer Musik eine Stimme zu geben.

Eine Art loses Gesamtkonzept verfolgen die ItalienerInnen auch diesmal, wobei die Thematik mit Verlusten umzugehen, mit denen man irgendwann automatisch konfrontiert wird, je älter man wird, natürlich nichts Neues darstellt. Da der Band genau dies in den letzten Jahren widerfuhr – so zum Beispiel die Trennung Cristina Scabbias von Slipknot-Gitarrist James Root nach langjähriger Beziehung – ist es aber selbstverständlich legitim, dies musikalisch aufzuarbeiten.

Auch innerhalb der Bandbesetzung gab es mal wieder Veränderungen. Während der Kern aus Sängerin Cristina Scabbia, Sänger Andrea Ferro und Bassist/Keyboarder Marco Coti Zelati wohl bis zum Ende der Formation unerschütterlich bestehen bleibt, wurde auf anderen Positionen mal wieder gewechselt: Schlagzeuger Ryan Blake Folden ist nach fünf Jahren als Vollzeitmitglied wieder raus und wurde durch Richard Meiz ersetzt, während der bisherige Livegitarrist Diego Cavalotti (der seine Fähigkeiten beispielsweise auf der Ende 2018 veröffentlichten Blu-ray „The 119th Show“ eindrucksvoll unter Beweis stellte) seinerseits nun offenbar einen festen Platz im Line-up einnimmt.

Gerade die Gitarrensoli können sich hören lassen, auch sonst ist das neunte Studioalbum der sympathischen Truppe aus Mailand kompetent eingespielt und produziert, doch um sich in dieser Hinsicht eine Blöße zu geben, sind die Südeuropäer schon zu lange im Geschäft, natürlich wissen sie, wie es geht. Auf der anderen Seite birgt Routine immer auch die Gefahr von Betriebsblindheit und Abstumpfung. Es soll der Band gar nicht unterstellt werden, nicht emotional und leidenschaftlich an die Sache herangegangen zu sein (die Texte zu Songs wie „Under The Surface“ oder „Save Me“ zeigen ganz klar, dass hier Dinge aufgearbeitet werden), doch musikalisch klingt vieles auf „Black Anima“ einfach zu sehr nach Schema F komponiert.

Grundsätzlich bildet immer noch ein recht nu-metallisch ausgerichteter Sound mit tiefgestimmten Gitarren die Basis, während das Bemühen um stilistische Abwechslung hörbar ist – mal tendiert man in Richtung melodischer Death Metal („Sword Of Anger“), mal agiert man eher rockig („Under The Surface“), mal bombastisch („Apocalypse“), mal mit Gothic-Anleihen („Veneficium“). Dennoch ist das Songwriting selbst längst nicht mehr auf dem Level vergangener Tage, denn dazu tönen zu viele Gesangslinien, Melodien und Riffs schlicht zu austauschbar.

Das Quasi-Intro „Anima Nera“ ist überflüssig as fuck, zudem Cristina hier auf echt nervige Weise singt und man sich die Frage stellt, wieso ein Intro ausgefadet wird (geht gar nicht!) – sein Pendant am anderen Ende der Platte, der Titeltrack, geht einem mit seinem stets gleich klimpernden Keyboard und der einfallslosen Songstruktur ebenfalls ziemlich schnell auf den Keks. Das Eröffnungstriple „Sword Of Anger“/„Reckless“/„Layers Of Time“ hingegen ist nicht per se schlecht, aber auch nicht wirklich zwingend, ebenso wie die zwar eingängigen, am Ende des Tages aber eben doch eher 08/15-mäßigen „Under The Surface“ und „Save Me“.

Lacuna Coil waren schon immer am besten, wenn sie nicht zu sehr in modernen Gefilden wilderten, sondern sich auf ihre Goth-Roots besannen. So markieren das hymnische „Apocalypse“ mit seinen mitsingkompatiblen „Ohoho“-Chören und das elegische „Veneficium“ die besten Nummern auf „Black Anima“, wenngleich man bei letzterem sicher auch über die operettenhaften Einschübe streiten kann – das können andere Bands definitiv besser, dies ist nicht unbedingt die Baustelle der Lombarden.

Das getragene „The End Is All I Can See“ gehört ebenfalls zum gelungenen Material der Scheibe, geschickt werden hier elektronische Spielereien und Vintage-Sounds wie ein Mellotron miteinander verbunden, und Andrea Ferro darf mal beim Refrain ran und wirkt nicht wie so häufig lediglich als Beiwerk für die stetig im Vordergrund stehende Cristina. Zweifellos besitzt sie das deutlich größere Talent, aber auch ihre erneut starke Gesangsperformance kann genau wie die tadellosen Instrumentalleistungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass songschreiberisch eine Menge Leerlauf vorherrscht. Alles irgendwie gut gemacht und nicht wirklich schlecht, häufig nur eben auch recht einfalls- und trotz des Bestrebens um stilistische Bandbreite ideenlos. Vielleicht würden zumindest die drei Bonustracks noch eine höhere Bewertung herausholen, diese waren im Promopaket jedoch nicht enthalten und fallen in dieser Rezension daher unter den Tisch.

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