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Lack Of Limits: Tor

Eine einfühlsame Mischung aus Folk und Rock
Wertung: 7.5/10
Genre: Folkrock
Spielzeit: 63:38
Release: 26.01.2007
Label: Autopilot Music Publishing

Lack of Limits ist eine seit 1998 bestehende Gruppe aus Oldenburg, die in die Mixtur aus Folk und Rock eine weitere Mischung aus Weltmusik, Blues und Ska einflechtet. Bei den 5 Musikern ist das Spielniveau angenehm hoch, wie man es im Folkbereich des Öfteren benötigt. Hier muss sich keiner hinter dem anderen verstecken. Wie jedoch meist ist der Unterschied zwischen Live und Studio genau zu fühlen, da das eine kräftig in die Beine geht, das andere wiederum eher für den Hausgebrauch bestimmt ist. Nach 10 Jahren auf dem neuesten Album ein wenig ruhiger, aber kein Stück einfallsloser. Für viele Irlandbegeisterte ist ein Besuch auf der grünen Insel wie das schlagartige Aufwachen aus einem schönen Traum. Vorbei die märchenhafte, traditionsreiche Landschaft mit ausladendem Grün und malerischen Küsten, wenn man nur einen kurzen Blick auf das heutige Dublin wirft.

Oftmals kann man genau dies auch in der Musik finden, da vieles aus Irland nicht einen Hauch von dessen ruhmreicher, glorifizierter Vergangenheit trägt. Die andere Seite dieser Münze ist hingegen ein sinnvoller Umgang mit dem, was oftmals nicht mehr als ein Idealbild ist, einer ausladenden Tradition, die auch heute noch lebendig sein kann, oft jedoch zu Tode gequält wird. Für die keltische Musik bedeutet dies „Wild Rover“ als deutsche Schlagerversion und „Greensleeves“ auf der Heimorgel gespielt und im Kaufhaus als einlullendes Hintergrundgeräusch prostituiert.

Der Umgang mit Folkmusik ist immer schwierig, will man als Musiker seinem Publikum etwas Interessantes bieten; ein durchdachtes Arrangement, ein exotisches Instrument, eine minimale oder üppige Besetzung und eine weitere Bandbreite von musikalischem Handwerkszeug aus Harmonielehre und Rhythmus machen so aus einem angestaubten oder aber auch oft gehörten Traditional ein wunderbares Stückchen Musik. Als Folkmusiker hat man also nicht wirklich die Hürde des Komponierens zu überwinden, die Melodien sind immerhin jahrelang einem strengen Test am Publikum unterzogen worden, vielmehr stellt alles folgende eine hohe Herausforderung dar.

Lack of Limits haben auf ihrem Album „Tor“ sowohl Traditionelles wie auch im folkigen Stile Eigenes eingespielt und stets ein Auge auf die Vielzahl an Möglichkeiten geworfen, die sich bei der Verquickung von alter Musik und neuer Technik ergeben. Zu sagen bleibt vorweg noch, dass weniger als die Hälfte einmal traditionelles Liedgut war und so sehr viel Material von dem Quintett selbst stammt. Dieses jedoch passt sich so nahtlos in die folkige Stimmung ein, welche die Gruppe seit nunmehr zehn Jahren und sechs Alben verbreitet, dass man den Unterschied kaum merkt.

Auffällig ist bei dieser Scheibe eigentlich nur der Unterschied zum Live-Programm der Gruppe. Während man dort auf gnadenlose Tanzstimmung und die aufbrausende Vitalität der eigenen wie traditionellen Sachen Wert legt, wurde im Studio eher die besinnliche wie auch sinnige Seite gezeigt. Diese Abwechslung bringen die talentierten Musiker mit guten Ideen und Groove kurzweilig an den geneigten Hörer. Bei Einfällen wie einer klingonischen Kriegshymne, einem Stück im 7/8-Takt und den altbekannten Exoten wie Saxophon und Didgeridoo wird ausgetestet wie weit man als Folk-Rock-Gruppe gehen kann.

Leider gehen aber auch einige der Ideen nicht so gut auf wie andere. Die deutschen Texte wirken künstlich oder kitschig und manche Tunes sind gesichtslos, womit zum Glück nur „Füllstoff“ entsteht, der nicht weiter stört. Denn auch wenn ein Stück nicht durch die gewohnten schelmisch-augenzwinkernden Ideen glänzt, legen die Oldenburger eine beachtliche spieltechnische Leistung vor.

Diese beschränkt sich auch nicht nur auf einzelne Instrumente, das Bemerkenswerte ist, dass die Hälfte der Gruppe auf mehreren Instrumenten bewandert ist. Kehrseite dieser riesigen Bandbreite an musikalischen Spielereien und wechselnden Arrangements ist jedoch, dass die CD ein wenig unstrukturiert wirkt; man wird von links nach rechts geschleudert und findet sich schließlich in den letzten Akkorden, ohne diese geahnt zu haben.

Doch wenn man einer Gruppe dieses Überengagement zu Lasten legt, dann kann man getrost jene Perlen aus der riesigen Palette an produktiven Ergüssen herauspulen, die einem am besten stehen. Schließlich sind in einer Tüte Gummibären auch nicht nur Rote enthalten, selbst wenn manche dies eifrig herbeisehnen.

Fazit: Sicher ist, dass Lack of Limits eine einfühlsame Mischung aus Folk und Rock hinbekommen haben und so eine gnadenlose Verjüngungskur ohne Entwurzelung liefern.

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