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La Confianza: Trotzdem

Deutscher Crossover - angenehm anders
Wertung: 8,5/10
Genre: Crossover
Spielzeit: 40:17
Release: 16.01.2015
Label: SPV Records

Seit 2007 gibt es La Confianza nun schon. Es muss irgendwann in der Frühphase der Bandgeschichte gewesen sein, 2009 oder 2010 vielleicht, als mir die Band als damaligem Teenager auf dem Schulkonzert des Bamberger Eichendorff Gymnasiums das erste Mal untergekommen ist. Schon damals hat mich der wilde Crossover des Trios, der vor allem live unglaublich viel Energie freisetzt, fasziniert. Und seit diesen frühen Anfangstagen hat sich im Hause La Confianza so einiges getan. Einen Vertrag mit SPV Records haben die vier Oberfranken zum Beispiel unterschrieben und zu Beginn dieses Jahres mit „Trotzdem“ den zweiten Longplayer der Bandgeschichte veröffentlicht.

Auf besagtem Album ist dabei eine deutliche Weiterentwicklung zu erkennen. Ein bisschen gemäßigter sind La Confianza geworden – teilweise zumindest. Dafür aber auch vielfältiger. So klingt der Beginn von „Wolkenbruch“ beispielsweise stark nach Prinz Pi oder vergleichbarem deutschen Mainstreamrap, während Songs wie „Stillstand“, „Zeitgeist“ oder „Trotzdem“ beweisen, dass auch vom eingangs erwähnten, wilden Crossover noch genug übrig geblieben ist.

Auch textlich hat sich die Band deutlich weiterentwickelt. Zwar sitzt nicht absolut jede Formulierung, Deutsch ist aber nun einmal auch eine oft eher sperrige Sprache und dass Frontmann und Texter Manifou mittlerweile wesentlich geschickter mit Worten jongliert als noch vor ein paar Jahren, ist nicht von der Hand zu weisen. Im Grunde sind die Texte sogar ein großes Plus des Albums, stehen sie doch oft im Zentrum der Songs, und unabhängig davon, ob sie wie in „Trotzdem“ von gesellschaftlichen Problemen handeln oder sich wie in „Löschpapier“ mit weit persönlicheren Themen befassen, in ihrer direkten aber doch irgendwie verschnörkelten Formulierung wissen sie eigentlich immer zu faszinieren.

Neben der lyrischen Qualität wissen La Confianza aber auch bei der musikalischen Untermalung zu punkten, wobei das Stichwort hier songdienliche Zurückhaltung heißen sollte. Ausufernde Soli sind nämlich nicht so wirklich das Spezialgebiet der vier Musiker, mit einem guten Gespür für den Mittelweg zwischen zu viel und zu wenig weiß die Band ihren Fronter aber konstant perfekt zu unterstützen. Während Basser und Drummer sich für den Groove verantwortlich zeigen, streut die Gitarre immer mal wieder ein paar kurze Licks oder Melodien ein.

Alles in allem ist „Trotzdem“ dennoch kein Meisterwerk – so interessant der Longplayer nämlich auch ist, das gewisse etwas geht einigen der Songs doch noch ab. Ein großer Schritt nach vorne ist das Album allerdings auf jeden Fall und ob einem die Band schon länger bekannt ist oder nicht, ein Antesten ist die neue Platte der deutschen Crossoverband auf jeden Fall wert, sind La Confianza doch dank abwechslungsreichem Songwriting und vielfältigen musikalischen Einflüssen angenehm anders. Hier ein bisschen Rap, dort ein klarer Industrial-Einschlag und das ganze kräftig gewürzt mit groovenden Riffs und sozialkritischen Texten. Wer nach einer kreativen Abweichung von der Norm sucht, ist hier sicher nicht verkehrt. Und ein paar echte Hits gibt es obendrauf.

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