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L'Arc-En-Ciel: Live In Paris

Spektakuläre Doppel-DVD
Wertung: 9/10
Genre: Pop-Rock/Hard Rock
Spielzeit: 118:00
Release: 31.07.2009
Label: Gan-Shin Records

L'Arc-En-Ciel zählen zu den wenigen visuell orientierten japanischen Rock-Bands, die es auch geschafft haben, in ihrer eigenen Heimat beachtliche Erfolge zu erzielen. Außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne zählt das Quartett um den stimmgewaltigen Frontmann Hyde schon seit langem zu den beliebtesten Bands dieser Szene – trotzdem gab es keinen einzigen Auftritt in Europa, obwohl die Band schon seit 1991 aktiv ist. 2008 begaben sich L'Arc~En~Ciel dann endlich auf die langerwartete Europa-Tour und bringen mit der neuen DVD „Live In Paris“ nun den spektakulären, im Le Zenith aufgezeichneten Gig auf den Markt.

Schon nach den ersten paar Bildern wird klar: Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die Band setzt sich auf der großen Bühne mit der gigantischen Lichtanlage optimal in Szene und lockt unzählige Fans in die Halle, die gut 6400 Personen aufnehmen kann. Doch nicht nur diese beeindruckende Kulisse weiß zu begeistern, auch L'Arc~En~Ciel selbst zeigen sich in Höchstform. Die jahrelange Erfahrung merkt man der Band deutlich an, denn die komplette Show verläuft professionell und reibungslos (bis auf einen kleinen Zwischenfall, doch dazu später mehr) und alle vier Bandmitglieder präsentieren sich als erfahrene Musiker. Yukihiros Schlagzeuspiel ist ebenso präzise wie variantenreich, Tetsu spielt seine abwechslungsreichen Bass-Linien genauso fehlerfrei wie Ken seine großartigen und zahlreich vorhandenen Gitarrensoli und Hyde fährt eine Gesangsleistung auf, die den Zuschauer mit offenem Mund zurücklässt. Mal sanft, mal aggressiv, nutzt er seinen riesigen Tonumfang optimal aus und lässt dabei auch das Gefühl in der Stimme nicht vermissen. Bei seiner Gestik gibt er sich exzentrisch wie eh und je, doch ob man seine Bewegungen nun als tuntig bezeichnen möchte oder nicht – Charisma hat der Mann ohne Ende und hat dadurch das Publikum auch fest im Griff.

Die 20 Stücke umfassende Setlist enthält Hits aus fast allen Alben der Bands und stellt eine ausgewogene Mischung aus entspannteren und rockigeren Stücken dar. Fast jeder Song profitiert von der energiegeladenen Show, die sowohl durch die ständig in Bewegung bleibenden Musiker, als auch durch die gut eingesetzten Effekte, von denen einige auch nachträglich digital hinzugefügt wurden, einen wahren Augenschmaus darstellt. Bei den anfänglich ruhigen Klängen des ersten Stückes „Get Out From The Shell“ sieht man beispielsweise nur die übergroßen Schatten der Musiker hinter einem Vorhang und erst sobald der Refrain erklingt, fällt dieser und gibt den Blick auf die Bühne frei.

Anfangs liegt das Augenmerk eher auf den rockigeren Tracks der Bandgeschichte, so schleicht sich in den weitgehend unkitschigen Pop-Rock auch schon mal ein Hard-Rock-Riff wie bei „Drink It Down“ oder „Daybreak's Bell“ ein. Die Mitte der Setlist wird von poppigen Songs und Halb-Balladen dominiert, in denen Hyde sein volles Stimmpotential entfalten kann und die Lightshow für eine melancholische Atmosphäre sorgt. Ein paar Stücke später geht es jedoch schon wieder mit jeder Menge Rock weiter, wobei vor allem das druckvolle „Revelation“ zu gefallen weiß, bei dem Hyde den rauen Gesangsstil verwendet, den Fans schon von seinem härter ausgerichteten Soloprojekt kennen. Zwischendurch gibt es immer wieder französische Ansagen des Sängers, die ihm ohne Blatt zum Ablesen gelingen, was die Fans, die die Band sowieso von der ersten Sekunde an abfeiern, als gäbe es kein Morgen, zu lauten Kreischorgien veranlasst. Vor „Seventh Heaven“ versucht sich auch Gitarrist Ken an der französischen Sprache und sinniert über französisches Essen, natürlich unterlegt mit Abbildungen von diesem auf den großen Bildschirmen links und recht von der Bühne.

Danach gibt es jedoch erst einmal einen unangenehmen Zwischenfall: Ken läuft bei dem angekündigten Track „Seventh Heaven“ versehentlich in eine Konfetti-Kanone und wird dabei von einer Explosion am Arm getroffen. Nachdem der Gitarrist kurzzeitig zusammengebrochen ist, bricht die Band das Konzert zeitweise ab, bis der Verletzte ausreichend versorgt ist. Als dieser wieder auf die Bühne tritt und seinen Ausfall grinsend mit einem „I had to go to the toilet“ erklärt, geht es auch schon weiter.

Bei „Stay Away“ darf dann jedes Mitglied einmal zum Singen ans Mikrophon, während die ausgewechselten Musiker das jeweils freie Instrument fehlerfrei weiterspielen. Überraschenderweise sind alle vier Japaner hervorragende Sänger und haben jeweils ganz unterschiedliche Stimmfarben. Abgeschlossen wird das Konzert mit dem Gänsehaut-Finale „Anata“, bei dem vielen Fans die Tränen in die Augen steigen.

An der Bildqualität der DVD gibt es absolut nichts auszusetzen und auch der Sound ist nahezu optimal, auch wenn er ein wenig Bass-lastiger sein könnte. Insgesamt ist „Live In Paris“ jedoch ein kleines Meisterwerk im Bereich der Live-DVDs geworden, das jeder Anhänger der Band besitzen sollte, denn L'Arc~En~Ciel haben sich bei diesem Gig selbst übertroffen und ihren Legenden-Status eindrucksvoll untermauert.

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