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L'Âme Immortelle: Gezeiten

Ein ganz ordentliches Album
Wertung: 7/10
Genre: EBM, Gothic Rock
Spielzeit: 60:31
Release: 20.09.2004
Label: GUN Records Musikproduktions GmbH

Im Jahre 1996 wurde von Thomas Rainer und Hannes Medwenitsch in Wien das als reinen Dark Elektro (EBM) konzipierte Projekt L’âme Immortelle (= Die unsterbliche Seele) ins Leben gerufen. Auf der Suche nach einer geeigneten Sängerin wurde man schnell in Sonja Kraushofer fündig, welche auch bis heute noch bei L’âme Immortelle als Sängerin neben Thomas Rainer zusammen am Mikrofon agiert. Allerdings schrumpfte das Trio im Jahre 2002 zu einem Duo zusammen, da Hannes Medwenitsch aus gesundheitlichen Gründen die Band verlassen musste.

Ein harter Rückschlag für das aufstrebende Dark Elektro Projekt, welches aber nicht den Kopf in den Sand steckte, sondern in dem Weggang die Chance für neue, musikalische Wege sah: Bereits für die im Jahre 2003 erschienende CD “Als die Liebe starb“ holte man sich diverse Musiker aus dem Hard Rock und Metal Bereich mit ins Studio, um so einen neuen Musikstil zu kreieren. Das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen: Harte Gitarrenklänge, gemischt mit wuchtigem Elektrosound und einem Gesangpool, der zwischen rotzig-hart und melancholisch-sanft hin und her wechselte. So sollte diese Stilrichtung auch wunderbar zum Gesamtkontext des Album passen, da Thomas Rainer hier die langjährige Trennung zu seiner damaligen Lebensgefährtin inhaltlich verarbeitet.

Etwas mehr als ein Jahr später wurde mit dem vorliegenden Album “Gezeiten“ die thematische Fortsetzung zu “Als die Liebe starb“ auf den Markt gebracht. Sozusagen der zweite und letzte (?) Akt der persönlichen Auseinandersetzung der Trennung von Thomas und seiner ehemaligen Partnerin.

Was soundtechnisch gleich nach hören das Albums auffällt, ist die Tatsache, dass man hier versucht hat, es vielen Fraktionen innerhalb der Fangemeinde recht zu machen: Bemängelten doch einige beim Vorgänger, er sei zu Metal-lastig und die Band würde sich zu sehr von ihren elektronischen Ursprüngen entfernen, welche solche unsterblichen Club-Hits wie “Live will never be same“ und “Bitterkeit“ hervorbrachte. Andere wiederum waren recht angetan von solch brachialen Stücken alá “Aus den Ruinen“. Somit entschied man sich diesen beiden Parteien gezielt gerecht zu werden und zugleich noch nach neuen, musikalischen Spielvarianten zu suchen. Ein Kompromiss, der allerdings nicht immer zur vollen Zufriedenheit glückt...

Schon der Opener (“Es zieht Dich davon“) und der offizielle Abschlusstrack (“Ohne Dich“) machen diesen musikalischen Zwiespalt, in dem man sich bewegt, deutlich: Hier versucht man durch atmosphärische und minimalistische Dark Wave- und Elektroelemente an den musikalischen Ursprung L´âme Immortelles anzuknüpfen. Was dabei letztendlich aber herauskam, waren extrem durchwachsene, schwerfällige und belanglose Nummern, die irgendwo zwischen Gut und Böse angesiedelt sind und nicht so recht zu überzeugen wissen. Dasselbe Problem haben wir auch bei “Kingdom“: Eine im Grunde recht nett stampfende und rhythmische Nummer, welche aber mit einem extrem süßlichen Gesang und einem noch süßlicheren Melodiebogen im Refrain daherkommt. Zu unausgewogen und aufgesetzt wirkt das ganze, als dass es auf die Dauer begeistern könnte.

Das anschließende “Calling“ versucht in seinen Refrainpassagen (welche von Thomas Rainer intoniert wurden) einen gewaltigen Schritt in Richtung Nu Metal zu beschreiten. Im Grunde genommen ein nicht mal schlechter Versuch, allerdings klingt er in dieser Form eher nach einer Linkin Park – Kopie oder dergleichen Artverwandten.

Aber nun mal zu den positiven Seiten der Albumsetliste, die auch einige wundervolle Perlen aufweisen kann: Die Lieder “5 Jahre“ und “Stumme Schreie“ wurden seinerzeit recht erfolgreich als Singles ausgekoppelt und rotierten auch nicht selten bei diversen Musiksendern. “5 Jahre“ ist die thematische Weiterführung des aus dem Vorgängeralbum bekannten Titels “Tiefster Winter“: Ein emotionaler und verzweifelter Aufschrei der Hilflosigkeit und Agonie. Eine Liebe, bei der man glaubte, alle Mauern und Unmenschlichkeiten hinter sich lassen zu können, zerfällt praktisch über Nacht in sich wie ein Kartenhaus. Alles, was zurückbleibt, ist der pure Schmerz und die Suche nach Antworten. “Stumme Schreie“, unendlicher Schmerzen und unbeantworteter Fragen erklingen nun tief in einem und wollen nicht zur Ruhe kommen lassen. Sowohl “5 Jahre“ als auch “Stumme Schreie“ bilden nicht nur m.u. die textlich besten Stücke das Albums, sondern auch die emotional härtesten: Treibend, eindringlich und doch zugleich voller Gefühl und Sensibilität, was Atmosphäre und die Glaubwürdigkeit anbelangt.

“Fallen angel“ ist ebenfalls eine Single-Auskopplung gewesen, welche wohl neben dem recht bekannten Titel “Licht und Schatten“ (anno 2001, vom Album “Dann habe ich umsonst gelebt“) wohl mit die schönste und herzergreifendste Ballade von L’âme Immortelle bildet. Sonjas Stimme wirkt sehr zerbrechlich und sensibel, aber im Mittelteil des Songs auch recht voluminös und emotionsgeladen. Eine richtig schöne Herzschmerz Komposition, in die man versinken und eintauchen kann, um am liebsten nie wieder daraus zu erwachen...

Der titelgebende Track “Gezeiten“ ist ebenfalls eine sehr ruhige Komposition geworden. Allerdings keine Ballade, wie man vielleicht meinen könnte: “Gezeiten“ ist ein sehr nachdenkliches und pessimistisches Stück Liedgut geworden, welches gerade durch sein intensives und träumerisches Violinenspiel begeistern kann. Inhaltlich, wie gesagt, recht nihilistisch gehalten, ganz ohne einen Lichtblick am Ende des Horizonts. In etwa von seiner endgültigen Konsequenz her vergleichbar mit dem Klassiker “Bitterkeit“, nur dieses mal eben weniger pathetisch und klischeehafter.

“Rain“ und “Masquerade“ beweisen hingegen, dass es auch sehr gut möglich ist, melodisch-raue Elektroelemente und treibende Elektrogitarren miteinander zu verbinden und daraus recht knackige Nummern voller Schwung und Emotionen erstehen zu lassen, welche auch textlich sehr wohl überzeugen können.

Das Album “Gezeiten“ wurde bei seiner Veröffentlichung einmal als „Basisversion“ angeboten und als limitierte „Spezial Edition“ im aufklappbaren Digipack, zwei separaten Booklets, sowie letztendlich zwei Bonustitel, über welche allerdings eher der Mantel des Schweigens gelegt werden kann, da sie im Grunde ebenfalls nunmehr „Experimente“ darstellen, was die musikalische Umsetzung der aus der Feder von Thomas Rainer stammenden Texte betrifft. Im Gesamtbild aber eher belanglos und zu glatt gebügelt ausfallen.

Was die Optik das Coverdesigns und des Booklets angeht, hat man es zwar wunderbar geschafft, die Atmosphäre des Album in Bildern einzufangen, aber die Ähnlichkeiten zu Filmklassikern wie Clive Barker´s “Hellraiser“ und James Cameron´s Cyborg Klassiker “Terminator“ sind hierbei nicht zu übersehen. *smile*

Somit bleibt “Gezeiten“ im Gesamtblick als ein ganz ordentliches Album zurück, welches einige wirklich hochwertige und zeitlose Stücke moderner Musikgeschichte enthält. Aber ebenso leider auch die eine oder andere recht belanglose und enttäuschende Nummer, die wunderbar beweisen, das man vielleicht nicht immer gleich zu viele Zugeständnisse an seine Individualität und Musik zulassen sollte...

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