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Kylesa: Spiral Shadow

Unterm Strich ein solides, wenn auch nicht überragendes Album
Wertung: 7.5/10
Genre: Sludge Metal
Spielzeit: 40:34
Release: 22.10.2010
Label: Season Of Mist

Eine interessante Mischung ist es durchaus, mit der Kylesa aus dem US-Bundesstaat Georgia aufwarten. Im Hauptsächlichen kann man das Ganze wohl im Genre Sludge Metal einordnen, Einflüsse aus Punk, Stoner und hin und wieder auch Psychedelic Rock sind allerdings stets herauszuhören, und bei so einer illustren, vielfältigen Mischung ist es nicht allzu verwunderlich, dass die Band sehr gut mit Mastodon befreundet ist, die ja ebenfalls viele – und ähnliche – Stilrichtungen in Einklang bringen, dabei aber noch mehr Prog-Elemente in ihrem Sound haben. Auch Down kommen einem gerne mal in den Sinn.

Das Quintett, dessen Name sich von den fünf Dämonen der Verderbtheit im Buddhismus ableitet, die dort als „Kilesa-Mara“ bezeichnet werden, existiert bereits seit 2001, legt mit „Spiral Shadow“ das insgesamt fünfte Full-length-Album vor, und hatte noch nicht einmal ein Jahr nach seiner Gründung einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen müssen, als Bassist und Gründungsmitglied Brian Duke während der Aufnahmen zur selbstbetitelten Debütscheibe an den Folgen eines epileptischen Anfalls verstarb.

Man ließ sich jedoch nicht entmutigen und machte weiter; mir persönlich sind die in den folgenden Jahren entstandenen Alben allerdings leider nicht bekannt, weswegen ich hier keine Vergleiche mit dem vorigen Schaffen der Lady und den vier Jungs anstellen kann. Erwähnenswert ist aber in jedem Fall, dass die Amerikaner seit ihrer dritten Platte „Time Will Fuse Its Worth“ mit zwei Schlagzeugern agieren, was angesichts der Schwere von Musik wie Sludge und Doom sicherlich nicht die schlechteste Idee ist und natürlich schon mal für ein gewisses Aufsehen sorgt – so was macht nicht jeder und außer den legendären Grateful Dead sowie den Deutschen Grobschnitt wüsste ich momentan auch keine andere Formation, die so etwas tut oder getan hat, sieht man mal von Genesis oder Spock’s Beard ab, die allerdings mehr um des Spektakels willen zumindest live (Drum-Duelle zwischen Tour-Schlagzeuger und dem jeweiligen Sänger, der im Studio die Drums einspielte) zwei Drum-Sets auf der Bühne stehen haben beziehungsweise hatten.

Es erfordert jedoch einige Durchläufe und am besten Kopfhörersessions, um das Zusammenspiel der beiden Schlagzeuge herauszuhören respektive überhaupt zu erkennen, dass hier zwei Drummer herumwerkeln. Es fällt zwar sofort auf, dass die Angelegenheit „irgendwie heavier“ als bei anderen Bands erscheint, aber wenn man es nicht besser wüsste, würde man sicherlich nicht sogleich bemerken, dass hier zwei Typen am Felleverdreschen sind. So hat man zwar mit jeder weiteren Rotation der Scheibe eine Menge Neues zu entdecken, dennoch ist in dieser Beziehung definitiv mehr drin. Aber damit wir uns nicht falsch verstehen: Zwei Drum-Sets zu koordinieren ist selbstverständlich nicht die leichteste Aufgabe und Kylesa ziehen sich achtbar aus der Affäre, doch irgendwie erwartet man bei dieser spektakulären Voraussetzung mehr.

Was ebenfalls manchmal ein bisschen fehlt, ist der rote Faden: Die Mucke ist, wie man sich denken kann, im allgemeinen schwerfällig und recht düster, dementsprechend auch sehr gut produziert (dreckige, schön verzerrte Gitarren, wuchtige Drums), aber nicht immer in sich stimmig. So wirkt beispielsweise das beinahe fröhliche „Don’t Look Back“ inmitten der mal punkig, mal Stoner-mäßig angehauchten Sludge-Nummern völlig deplatziert. Als Auflockerung ist es wohl gemeint, aber so richtig anfreunden kann man sich mit diesen plötzlich wie aus dem Nichts auftauchenden Harmonien nach all dem „noisigen“ Zeug nicht.

Insgesamt legen Kylesa mit „Spiral Shadow“ ein Album vor, das sich nicht unbedingt leicht beurteilen lässt, gerade wenn man die vorangegangenen Werke nicht kennt. Letztlich überwiegen aber doch die positiven Dinge: Das technisch herausragende „Cheating Synergy“, das dynamische, abwechslungsreiche „Drop Out“, das mit einem ohrwurmigen, gelungenen Refrain gesegnete „Distance Closing In“, das bedrohliche „Forsaken“ und besonders der herausragende, mit markanter Leadmelodie in der Gitarre ausgestattete Titeltrack; all dies sind wirklich starke, teils anspruchsvoll arrangierte Kompositionen, und das dreifache Wechselspiel zwischen der angenehm natürlichen, cleanen Stimme von Gitarristin Laura Pleasants und den verzerrten bis geschrienen Vocals von Gitarrist Phillip Cope und Bassist Cory Barhorst ist ebenfalls sehr originell und weiß zu gefallen. Ebenso wie das Cover, das gut zur Musik passt, genauso aber auch von der Platte einer Psychedelic-Band aus den Siebzigern hätte stammen können. Auch die verschiedenen Einflüsse so unter einen Hut zu bringen, verdient Respekt – unterm Strich solide siebeneinhalb Punkte. 

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