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Krypteria: Evolution Principle

Das Potenzial lässt sich nicht verleugnen
Wertung: 7/10
Genre: melodischer Hard Rock/Metal
Spielzeit: 21:7
Release: 04.08.2006
Label: EMI Music

Krypteria. Als ich den Namen das erste Mal hörte, kamen mir unweigerlich einige Assoziationen in den Sinn. In Musik ausgedrückt, dachte ich zuerst an Bandnamen wie Tristania, Sirenia oder auch Angtoria, das neue Projekt von u.a. Jezebel Deva (Cradle of Filth, Mortiis, Therion). Beim Zusammensuchen einiger Informationen zu der Band, noch vor dem Hören der CD, sah ich mich in meinen Vermutungen bestätigt: Bombastische Chöre, weiblicher Gesang, Einflüsse aus Klassik und Musical… Genau das, was ich (eigentlich) sehr gerne mag! Warum hatte ich noch nichts von der Band gehört? Gegründet wurde Krypteria nämlich bereits 2001. Doch statt sich der härteren Gitarrenmusik zu verschreiben, wollten Gründer Chris und Kuschi lieber ein Fantasy-Musical-Projekt leiten. Viele Gastsänger scharten die Jungs um sich und nahmen das Debüt komplett ohne festen Sänger auf. Nachdem einige Zeit später Ji-In, eine Kölner Klavier- und Gesangs-Studentin koreanischer Abstammung, ins Boot geholt und ein weiteres Album aufgenommen wurde, machte man eine erstaunliche Entdeckung: Bei den ersten Auftritten wurde allen Beteiligten klar, dass die ruhige Musik Krypterias zwar schön und gut war, die Songs aber um einiges lauter und mit harten Gitarren versetzt viel besser klingen. Also wieder ab ins Studio! Das Produkt des dortigen Aufenthalts, liegt nun in Form der EP „Evolution Principle“ vor.

Schon während Song 1 losknallt, wird mir mein Irrtum bewusst: Viele Dinge, die ich an den oben genannten Bands und ähnlichen Konsorten schätze, sind zwar auch bei Krypteria vertreten, doch irgendetwas ist anders. Die Produktion ist nahezu perfekt, die Choräle klingen unglaublich bombastisch, die Gitarren kräftig und die klassischen Elemente gerade in den instrumentalen Phasen sehr aussagekräftig. Kein Wunder – bei zwei erfolgreichen Produzenten in den Reihen der Band. Was anders ist, ist die Grundstimmung: Diese ist nämlich weitaus softer und vor allem in den Refrains relativ fröhlich und unbeschwert.

Unbeschwert? Poppig? Das vorige Album „In Medias Res“ bezeichnet man inzwischen selbst als „übermäßig glatt und zu poppig“. Auch wenn man „Evolution Principle“ als Neuanfang bezeichnet: Die Wurzeln lassen sich nicht verleugnen, gerade der Opener „Sweet Revenge“ zeigt die musikalische Vorbelastung der Band eindeutig auf. Dennoch: Das Potential der Band wird zu jeder Zeit deutlich. Über allem thront stets die vielseitig eingesetzte Stimme der zierlichen Sängerin, deren Klasse gerade in „The Promise“ deutlich wird. Ebenso wie die Einflüsse aus Klassik und Musical in der Gesangslinie. Man versteht es hier sehr geschickt, harte Riffs mit eben diesen Elementen zu kombinieren. Doch gelingt es nicht in allen Fällen. Die Gitarren erscheinen von Zeit zu Zeit auf eine bestimmte Art und Weise gezwungen. Die Absicht der Komponisten, die Musik abwechslungsreich zu gestalten, ist klar erkennbar, doch scheint man an manchen Stellen zu viel gewagt zu haben, wie z.B. im Track „Lost“ erkennbar ist. Die Stimmungswechsel von nachdenklich nach fröhlich und weiter hin nach aggressiv scheinen dort beispielsweise teils unpassend.

Nimmt man die Gothic Metaler von Sirenia, tauscht Morten Veland gegen einen Komponisten aus, der schon einige Hits in den Top 10 der Charts gelandet hat, und teilt sich ein Studio mit der Band um Doro Pesch, könnte man vielleicht ein ähnliches Ergebnis erwarten. Alternativ könnte man auch die Musiker von Tristania überreden, sich auf alte Stärken zu besinnen und ihnen heimlich Antidepressiva unterjubeln. Nein, lassen wir das lieber. Um es dann doch noch auf einen Punkt zu bringen, ließe sich die Musik treffend als sehr melodischer Hard Rock mit Anleihen aus Metal und Klassik beschreiben.

Zwar ist es doch beachtlich, dass die Band von einem zum anderen Album einen solchen Genresprung hinlegen konnte, doch ist die Pop-Schlagseite für diese Musikrichtung dennoch etwas zu stark ausgeprägt. Denkt man dann aber an die Spitzenproduktion und die netten musikalischen Spielereien, kommt man nicht daran vorbei, der Band gebührenden Respekt zu entgegenzubringen. Denn auch wenn die EP mit ihrer unbeschwerten Art an meinem Nerv vorbeigetroffen hat, lässt sich das Potenzial dahinter nicht verleugnen.

Das Album erscheint übrigens am 4. August, an dem Tag, an dem die Band versuchen wird, in Wacken zu punkten.

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