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Kromlek: Strange Rumours... Distant Tremors

Weg vom Humppa, hin zum Metal
Wertung: 8/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 42:20
Release: 16.03.2007
Label: Trollzorn

Weiterentwicklung – leider wohl ein Fremdwort für viele alt-eingesessene Bands dieser Tage. Dass die Riege der Musikliebhaber dennoch nicht die nächste Packung Streichhölzer zum Augenoffenhalten im Mr. Bean-Style angesichts immer gleicher Songs ihrer Lieblinge bereithalten muss, lehren uns die erkennbar gereiften Kromlek aus Franken mit ihrem ersten Vollzeitalbum “Strange rumours… distant tremors”. Nachdem ich ihr erstes Lebenszeichen im Pagan Metal-Sektor, ihr Mini-Album “Kveldridhur”, als zu berechenbar abgetan habe, präsentieren sich Kromlek zwei Jahre später deutlich vielfältiger und offener. Der Humppaanteil hat abgenommen, Gitarren dominieren trotz charakteristischer Keyboardeinsätze und eine gute Portion Epik hat Einzug gehalten. Die bekannten Trademarks wie der dreisprache (deutsch, englisch, schwedisch) und abwechslungsreiche Gesang, die eingängigen Melodien und die hörbare gute Laune sind aber immer noch vertreten.

Steht das der Horde, die sich für dieses Scheibchen die neuen Mitglieder Aoife an der Violine und Forad an der Rhythmusgitarre an Land gezogen hat, denn auch gut zu Gesicht? Defintiv! Langeweile kommt bei so viel Abwechslung bestimmt nicht auf. Doch habe ich ab und zu den Drang nach etwas Gleichförmigkeit. Ein Kromlek-Song besteht in der Regel aus einer Reihe verschiedener, teilweise komplett gegensätzlicher Elemente zu verschiedenen Zeiten, was den Hörgenuss recht anstrengend gestalten kann. Ich habe Schwierigkeiten, Songs auseinanderzuhalten, wenn ich nicht auf die Texte achte. Diese sind übrigens wieder von Sänger alphavarg im Alleingang geschrieben worden und erzählen Geschichten und Geschichte. Im Zentrum des Silberlings steht die Strandhagg-Trilogie, welche vom wikingerischen Schlüsselereignis im Kampf gegen das Christentum berichtet, den Überfall auf das Kloster Lindisfarne im Jahre 793.

Aber was genau hat die Platte denn nun zu bieten? Da wäre ersteinmal ein majestätisches Crescendo-Intro gefolgt von der ebenso majestätischen Hymne “Herjan”. Achteinhalb Minuten voll von lieblicher Melodie, harscher Raserei, epischem Kitsch und tanzbarem Humppa machen “Grim omens” aus. Darauf folgen das fröhliche Trinklied “Fólkthing” und der kontrastvolle Nackenbrecher “När tiden vissnar”. “Harvest” ist die Quotenballade inklusive folkigem Zwischenspiel. Das dreigeteilte Strandhagg-Epos besticht durch treibendes Gitarrenspiel, bevor das ironische “SvartMetall” mit einer zackigen Humppaattacke den Abschluss bildet.

Trotz ordentlicher Produktion wäre ein wenig mehr Saft für die Gitarren sicherlich nicht verkehrt. Auch das Keyboard verdient so einige Male die Kitsch-Medaille. Die grafische Aufmachung des Booklets und Covers spiegelt idealerweise auch die Musik wieder: vielfältig mit leichtem Drang zum chaotischen Übermaß.

Mein Fazit: Wer Spaß an “Kveldridhur” hatte, sollte sofort zugreifen. Wer dem Pagan Metal in all seinen Varianten freundlich gesonnen ist, sollte sich ernsthaft Gedanken um die Investition machen. Und wer mit dem ganzen Heidenquatsch nichts anfangen kann und dafür ein aus dem Sumpf herausragendes Pagan Metal-Album unangetastet lässt, sollte sich weiter Slayer im dunklen Kämmerlein anhören und in alten Zeiten schwelgen.

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