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Kroda: Towards the Firmaments Verge of Life

Die Ukraine und ihre zweifelhaften Black Metaller
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk Black Metal
Spielzeit: 49:54
Release: 01.12.2005
Label: Hammermark Art

Wie angekündigt ist kurz nach „Cry To Me, River“ nun auch „Towards the Firmaments Verge of Life“ der ukrainischen Folk Black Metaller von Kroda auf Hammermark Art erschienen. Eisenslav und Vitzergir haben mal wieder verschiedenste Instrumente ausgekramt, um ihr neues Album noch vielfältiger und melodischer zu gestalten. So finden sich neben den normalen Metal-Instrumenten und Keyboard auch noch Drymba, Sopilka und Trembita. Meinem Gehör nach dürften das Maultrommel, irgendwelche Fanfaren oder Trompeten und eine Flöte sein. Aber nicht nur bei der Musik selber hat sich die Band Mühe gegeben, sondern auch bei der CD-Gestaltung, welche einmal wieder wunderschön aussieht: Stimmungsvolle Naturbilder, gespickt mit einigen schönen Zeichen und Rahmen.

Zur Musik selber lässt sich sagen, dass Kroda seit der letzten Platte soundtechnisch einen ziemlich großen Sprung gemacht haben, musikalisch bleibt alles beim Alten. Atmosphärische, ruhige Passagen wechseln sich mit Black Metal-Gebolze ab, um dann wieder ein wenig Midtempo mit geilen Riffs präsentieren zu können.

Eingeleitet wird die Scheibe mit einem sehr stimmungsvollen, fast schon mystischen Akustikgitarrenstück. Oder vielleicht sogar ein anderes osteuropäisches Saiteninstrument? Es hört sich jedenfalls toll an. Dann, im zweiten Song, geht es mit aufbrausenden Fanfaren los, zu denen sich dann später Maultrommel, Drums, Bass und eine sehr melodiöse E-Gitarre gesellen. In der Mitte des Stücks gibt es einen ruhigeren Teil, bestehend aus Flöten und Percussion mit ein wenig Bass und Drums im Hintergrund. An Nummer 7 steht mit „Wolfish Rage“ einer der metallischsten Songs des Albums, der aber auch voll und ganz überzeugen kann. Schlagwerk mischt sich mit super Riffs und träumerischen Flötenmelodien. Dazu das charakteristische Kreisch-Gröhlen von Eisenslav und die hämmernden Bässe.

Jeder Song, Intro und Outro ausgenommen, bewegt sich zwischen sechs und acht Minuten, womit die Scheibe auf knappe 50 Minuten Spielzeit kommt. Langweilig wird der Silberling auch nach mehrmaligen Hören nicht, da man jedes Mal aufs Neue in die ukrainischen Weiten mitgenommen wird und die Karpaten erkundet. Als Negativpunkte muss man die etwas zu lauten Bässe, die ab und an zu penetranten Flöten (oder Keyboards?), die musikalische Stagnation und folgende, zweifelhafte Verbindungen anbringen: Nach einiger Recherche im Internet ließen sich einige nicht ganz so erfreuliche Informationen finden. Es bestehen Kontakte zur rechtsradikalen, osteuropäischen „Pagan Front“, welche unverblümt mit den deutschem Nationalsozialismus umgeht und auch unterstützt. Auch Bandfotos von Eisenslav und Vitzergir in Bomberjacken mit „Blood & Honour“-Aufnähern sind im Internet zu finden. Was ich aber zurückweise, ist, dass sich diese rechtsextremen Tendenzen in den Texten und der Musik wiederfinden. Die Texte handeln fast ausschließlich von Pathos, Natur, Heimatgeschichten und Christenverfolgung, wie es bei anderen Kapellen auch nicht anders wäre, allerdings immer mit starkem, ukrainischen Patriotismus versehen und einigen Anspielungen auf die „weiße Rasse“. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Ich für meinen Teil versuche, Musik und Erschaffer strikt zu trennen und einige Textpassagen zu überlesen.

So bleibt nur eine Kaufempfehlung für offene Folk Black Metal-Liebhaber osteuropäischer Prägung auszusprechen, die über ein paar Sachen hinwegsehen und/oder differenzieren können.

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