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Kreator: Phantom Antichrist

Melodischer als der Vorgänger, aber trotzdem eher noch stärker und kompromisslos wie eh und je
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 45:29
Release: 01.06.2012
Label: Nuclear Blast

Wie viele der alten Thrashbands haben nach Meinung nicht weniger Fans ausgedient oder besitzen zumindest längst nicht mehr die Power ihrer früheren Tage? Metallica haben mit „Load“ und „Reload“ wenig erfolgreich versucht, auf Alternative-Pfaden zu wandeln, dann in Form von „St. Anger“ ein Album herausgebracht, für das sogar eine Nachwuchscombo auf den Sack gekriegt hätte, um schließlich mit „Death Magnetic“ weniger ein Album für sich, als ausschließlich für die Fans aufzunehmen, Anthrax fallen inzwischen mehr durch die oberpeinliche Seifenoper mit ihren verschiedenen Frontmännern als durch ihre Musik auf, Megadeth hatten trotz ihres zugegebenermaßen starken letzten Albums „Th1rt3en“ auch ihre Durchhänger, und den letzten Veröffentlichungen von Slayer fehlt nach Ansicht vieler alteingesessener Thrashheads die Magie und Durchschlagskraft früherer Tage.

Auf eine Band jedoch scheint immer Verlass zu sein: Kreator hauen munter eine Klassescheibe nach der anderen heraus und haben trotz hin und wieder etwas kontroverser aufgenommener Platten („Outcast“, „Endorama“) nie wirklich großen Anlass zum Meckern gegeben. Man fragt sich gerade bei solchen Gruppen, die es schon so lange gibt und die sich bereits so viele Klassiker aus dem Ärmel geschüttelt haben, wie sie es schaffen, tatsächlich stets das Niveau zu halten und beim nächsten Release erneut mit einer Handvoll toller Songs aufzuwarten. Als bloße Routine will man das nicht bezeichnen, denn dieses Wort hat immer so einen faden Beigeschmack und klingt irgendwie nach kurz vor dem Altersheim, auch wenn eine gewisse Erfahrung in Sachen Songwriting natürlich eine wichtige Rolle spielt. Vielmehr ist es wohl einfach die Leidenschaft, die die Ruhrpottler immer noch für diese Musik empfinden und die Tatsache, dass Mille im Gegensatz zu manch anderem immer noch eine Menge zu sagen hat. Und dermaßen angepisst, wie er die Texte von „Death To The World“ oder „United In Hate“ vorträgt, nimmt man ihm das auch sofort ab.

Musikalisch wurde auf „Phantom Antichrist“ in Bezug auf die Vorgänger oberflächlich betrachtet nicht so wahnsinnig viel verändert, auch wenn im Vorfeld immer wieder von „Judas Priest-mäßigen Gitarren“ die Rede war. Tatsächlich gab es trotz vorherrschenden Thrash-Geknüppels schon immer auch ein paar melodische Einsprengsel und Doppelharmonien bei den Essenern, und man hört schon, dass diesmal noch ein bisschen mehr auf diese Komponente gesetzt und die Gitarrenarbeit noch feiner ausgearbeitet wurde – nichtsdestotrotz erwartet den Hörer auch auf dem dreizehnten Studioalbum von Mille und Co. Kreator pur; neun Granaten in die Magengrube, die garantiert alle tierisches Livepotential besitzen.

Wie schon bei den beiden letzten Alben markiert auch auf „Phantom Antichrist“ der Titelsong den Opener (sieht man mal vom kurzen Intro „Mars Mantra“ ab) und genau wie bei „Enemy Of God“ und „Hordes Of Chaos“ handelt es sich um eine fette Hymne, die man sofort mitschmettern will – besonders den zwar völlig simplen, aber umso effizienteren Chorus. Allerdings stehen die anderen Tracks dem in nichts nach, insgesamt dürfte das Material eher noch stärker als beim Vorgänger ausgefallen sein und auch noch abwechslungsreicher.

Taucht man nämlich etwas tiefer ein und gönnt sich ein paar mehr Durchläufe – möglicherweise auch unter Kopfhörern – offenbart sich, dass die Aussage mit den Priest-Gitarren keineswegs nur heiße Luft war, und es wird deutlich, wie großartig melodischere, teils fast epische Momente mit wütender Raserei und gnadenlos mahlenden Riffs verbunden wurden. So beispielsweise geschehen bei „Civilization Collapse“, das eine Mischung aus gnadenlos peitschender Strophe und melodischem, eingängigem Chorus bietet. Und was für grandiose Smasher sind „From Flood Into Fire“ und das stampfende „The Few, The Proud, The Broken“ bitteschön geworden? Fantastische Leadgitarren und Refrains, bei denen man die trotzig emporgereckten Fäuste in den Clubs, die Kreator auf ihrer nächsten Tour bereisen werden, schon vor dem geistigen Auge sehen kann.

Auch sind deutlich mehr akustische Momente auf der Scheibe zu finden und wurden die Songs sehr behutsam aufgebaut; „United In Hate“, „Your Heaven, My Hell“ oder „Until Our Paths Cross Again“ starten sehr ruhig, um sich stetig zu steigern, besonders letztgenannter Track fällt mit seiner für Kreator ungewöhnlichen, jedoch sehr prägnanten, immer wiederkehrenden Gitarrenmelodie, die sehr viel zur Dynamik beträgt, etwas aus dem Rahmen, ist dadurch aber nur als umso origineller anzusehen. Gerade hier zeigt sich besonders klar, dass Kreator trotz unverkennbaren Sounds keine Lust haben, sich einfach nur zu wiederholen.

Man kann nur den Hut vor der Thrash-Legende ziehen – unglaublich, wie das Quartett es nach so vielen Jahren geschafft hat, ein Album voller Hits, aber trotzdem ohne Kompromisse herauszubringen und dabei auch noch so abwechslungsreich zu agieren. Anhand der großartigen Gitarren wird außerdem offensichtlicher denn je, wie gut es von Mille war, Sami Yli-Sirniö zu verpflichten und wie viel er – und letztlich alle Anhänger von Kreator – an ihm hat.

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