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Kreator: Hordes Of Chaos

Angepisst wie lange nicht mehr
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 38:30
Release: 16.01.2009
Label: Steamhammer / SPV

Kreator waren schon immer ein Garant für Qualität. Schlechte Auftritte der Essener gibt es im Prinzip nicht und ein richtig schwaches Album haben die Ruhrpott-Thrasher auch noch noch nie wirklich veröffentlicht. Der Erfolg der Band und die Tatsache, dass sie einen so großen Fankreis hat, der sich aus Anhängern aller möglicher Metalgenres rekrutiert, liegt wohl darin begründet, dass sie – ähnlich wie Slayer – immer ihren Wurzeln treu geblieben sind und sich stets bodenständig gaben. Natürlich gab es während der Bandgeschichte auch einige Veränderungen – so wurde auf „Renewal“ beispielweise mit Industrial-Elementen und auf „Endorama“ mit Gothic-Einflüssen experimentiert –, letztlich waren Mille und Co. jedoch immer im Thrash Metal der alten Schule zu Hause und außerdem muss jede Gruppe irgendwann leichte Veränderungen vornehmen, um nicht zu stagnieren und um neue Grenzen auszuloten.

Beweisen allerdings müssen Kreator anno 2009 natürlich niemandem mehr was und seit „Violent Revolution“ (2001) spielt die Band eigentlich wieder mehr oder weniger puren Thrash Metal, was sie mit dem Meisterwerk „Enemy Of God“ von 2005 noch einmal eindrucksvoll untermauerte.

Nun also liegt endlich der sehnsüchtig erwartete Nachfolger „Hordes Of Chaos“ vor und möglich, dass genau wie zu Zeiten der experimentellen Phase wieder einige Puristen und Skeptiker aufschreien, als bekannt wurde, dass Kreator sich von Moses Schneider produzieren lassen würden, der bisher mit Combos wie den Beatsteaks und Tocotronic, mit einer Metal-Band allerdings noch nie zuvor zusammenarbeitete.

Ausgerechnet dieser Metal-unerfahrene Produzent kam jedoch auf die glänzende Idee, die Band zum ersten Mal seit „Pleasure To Kill“ die Aufnahmen quasi live vollziehen zu lassen, was logischerweise einen zusätzlichen Energieschub bedeutet, und für die Entscheidung, mit analogem Equipment zu arbeiten, kann man den Jungs angesichts des ganzen überproduzierten, klinisch klingenden Mists, der den Markt überschwemmt, nur dankbar sein. Keine Mosquitoschwarm-Gitarren und ein Schlagzeug, das auch tatsächlich nach einem Schlagzeug klingt.

In erster Linie jedoch zeigen Kreator einmal mehr, dass sie ganz klar die Nummer eins in Sachen deutscher Thrash Metal sind. Schon der Opener und Titeltrack ist wieder mal ein absoluter Hammer vor dem Herrn, ausgestattet mit formidablen Riffs, stimmigen Breaks und einem grandiosen Mitgröhl-Refrain, der sich live sicherlich bestens machen wird.

Der folgende Track „Warcurse“ steht dem allerdings in nichts nach und ist ein weiterer Beweis dafür, wie Thrash Metal auf allerhöchstem songschreiberischen und spielerischen Niveau zu klingen hat. Genial, wie hier die Headbang-kompatible Groove-Passage in die Mitte dieses im Uptempo beginnenden Songs eingebaut wurde und unheimlich geil auch die cleanen Gitarren, die nach dem Solo erklingen und die wiederum schnelle Endpassage des Stückes einläuten.
„Escalation“ ist dann eher im Midtempo gehalten und groovt, dass es eine wahre Freude ist – was für mitreißende Riffs. Und die verspielte Melodie, die Milles Geschrei beim Refrain unterstützt, ist ebenfalls hammermäßig.

Das ruhige Intro zu „Amok Run“ lässt einen dann zum ersten Mal bei dieser Scheibe ein bisschen durchschnaufen, doch auch dieser Song schlägt schnell in eine Doublebass-Nummer mit rasenden Riffs um, die erst gegen Ende wieder von einigen melodiösen Gitarrenmelodien unterbrochen wird. Für mich allerdings nicht ganz so stark wie das bisherige Material.

Ganz im Gegensatz dazu „Destroy What Destroys You“, das einen mit seinen gnadenlos Riffs völlig plattwalzt. Sehr eingängig und dabei trotzdem absolut kompromisslos und hart. Nicht nur anhand dieses Titels wird deutlich, dass Kreator angepisster und wütender denn je sind. Thrash hatte schon immer etwas mit Rebellion zu tun und einer Band wie Kreator nimmt man es trotz ihres nicht mehr ganz so jungen Alters immer noch ab, wenn sie in „Radical Resistance“ zu Widerstand gegen Missstände aufruft oder wenn Mille in „Absolute Misanthropy“ voller Wut „you don’t know how much I hate you“ brüllt. Denn immerhin haben sie wirklich etwas zu sagen – gut, dass es so etwas immer noch gibt.

Und musikalisch sind die Essener ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Schon unglaublich, dass Mille und seine Mitstreiter auch auf dem zwölften Album immer noch grandiose Riffs aus dem Hut zu zaubern in der Lage sind und wenn nach solch superben Stücken wie dem Titeltrack, „Warcurse“ oder „Escalation“ am Ende dann mit dem sich grandios steigernden „To The Afterborn“ – beginnt melodisch mit verspielten Gitarrenharmonien und mutiert erst zum Ende zu einer lupenreinen Thrash-Nummer – und dem ebenfalls äußerst abwechslungsreichen „Demon Prince“ noch mal einer draufgesetzt wird, kann man sich nur respektvoll verneigen. Auch was Sami Yli-Sirniö hier an nanopräzisen Riffs und filigranen Soli raushaut, lässt einen schlichtweg in Ehrfurcht erstarren. Die Gitarrenarbeit ist einmal mehr zum Zungeschnalzen und entfaltet besonders unter Kopfhörern ihre Pracht erst so richtig. 

„Hordes Of Chaos“ mag mit knapp 39 Minuten etwas kurz ausgefallen sein, doch bei dieser geballten Aggression sind 39 Minuten wahrscheinlich sogar ausreichend. Abstriche müssen sicherlich bei Milles Gesang gemacht werden – so angepisst er auch sein mag, man merkt einfach, dass die Stimme langsam verbraucht ist – und bei aller Euphorie sehe ich die Scheibe insgesamt auch nicht ganz so stark wie ihre beiden Vorgänger, was bei deren schwindelerregend hoher Qualität allerdings auch schwer möglich ist. 

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann