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Kreator: Gods Of Violence

Hält (annähernd) das hohe Niveau des Vorgängers
Wertung: 8,5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 51:43
Release: 27.01.2017
Label: Nuclear Blast

Fast fünf Jahre sind seit dem letzten Kreator-Longplayer „Phantom Antichrist“ vergangen – so viel Zeit wie noch nie zwischen zwei Alben des deutschen Thrash-Metal-Aushängeschilds. Umso größer logischerweise die Erwartungshaltung; auf der anderen Seite wird von Mille und seinen Mannen ohnehin jedes Mal ganz Großes erwartet, schlichtweg aufgrund der Tatsache, dass die Band trotz nunmehr schon 14 Studioalben stets Qualität abgeliefert und sich nie mit halben Sachen zufriedengegeben hat.

Der letzte Output wurde dementsprechend hochgelobt, auch wenn einigen Die-Hard-Old-Schoolern die Ausrichtung wohl schon zu melodisch war, aber erwartet ernsthaft jemand, dass diese Truppe mit all ihrer Erfahrung noch wie ein Haufen 16-Jähriger durch die Gegend holzt? Wohl kaum, erst recht nicht, wenn man einen Filigrantechniker wie Sami Yli-Sirniö in den Reihen hat. „Gods Of Violence“ schlägt in eine ähnliche Kerbe wie „Phantom Antichrist“, besitzt jede Menge melodischer Momente und überhaupt sorgsam platzierte Gitarrenharmonien, Doppelleads und Licks, die auch hier wieder einen clever gesetzten Kontrast zur grundsätzlich selbstredend wieder omnipräsenten Aggressivität setzen.

Gründe zu Aggressivität gibt es auch anno 2017 schließlich wieder genug. Dass Mille Petrozza sich nie (oder zumindest schon lange nicht mehr) mit Banalitäten und Omaschrecks wie Ausweiden, Kindergarten-Satanismus und ähnlichem Firlefanz befasst hat, sondern lieber Themen mit mehr Substanz anpackt, dürfte bekannt sein (von einem wohl eher im übertragenen Sinne zu sehenden Titel wie „Satan Is Real“ sollte man sich da nicht irreführen lassen). Die politische Lage ist in Europa bekanntermaßen angespannt wie lange nicht mehr, sodass der Frontmann definitiv genügend Gründe hat, angepisst zu sein und Entsprechendes in musikalische und lyrische Formen zu gießen. „Religion hat aktuell wieder eine Bedeutung erlangt, die ich vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten hätte“, wird Mille im Promoschreiben zitiert. „Da findet eine wahnsinnig gefährliche Polarisierung statt, die dazu führt, dass wir alle einander immer mehr hassen.“

Leider allzu wahr, wie jeder durch bloßes Einschalten des Fernsehers selbst erkennen kann, weswegen ultrapessimistische Songtitel der Marke „World War Now“ eine erschreckende Realitätsnähe offenbaren. Klar, so weit ist es zum Glück noch nicht, aber komplett aus der Luft gegriffen ist dieses Gedankenspiel sicherlich nicht. Der Track macht im Übrigen eine gute Figur als Opener; nach dem martialischen Intro „Apocalypticon“, dessen Titel natürlich ebenfalls recht vielsagend ist und dem mit seinen straight forward marschierenden Trommeln ein bedrohlicher Charakter innewohnt, stellt er einen recht typischen Kreator-Einheizer dar: Ein hoher Energielevel, hohes Tempo wie auch ein hoher Eingängigkeitsfaktor zeichnen das Stück aus, dennoch ist gegen Ende auch Raum für etwas bedächtigere Momente mit Akustikgitarren sowie dezenten Orchesteranleihen im Hintergrund.

Bei letzteren fanden die Essener Unterstützung seitens der italienischen Symphonic-Death-Metal-Combo Fleshgod Apocalypse und der Eröffnungstrack soll nicht der einzige auf der Scheibe sein, bei dem dieses Mittel angewendet wurde. Aber keine Angst: Auch wenn der Ruhrpott-Vierer sich erneut nicht scheut, neue Wege zu gehen, muss niemand befürchten, dass plötzlich symphonischer Bombast Oberhand nimmt. Wohl dosiert und mit Bedacht eingesetzt, dient dies lediglich als Stilmittel, um für maximale Effektivität und Abwechslung zu sorgen – wie erwähnt: Aggression und Härte stehen immer noch an erster Stelle.

Nackenbrecher wie „Totalitarian Terror“ oder „Army Of Storms“ kennen keine Gnade und peitschen pfeilschnell nach vorne und auch „Lion With Eagle Wings“ hält trotz ungewöhnlicher Einleitung und auflockernden Leadgitarren-Passagen sowie erneuter leicht orchestraler Elemente insgesamt ein ziemlich hohes Tempo. Hingegen handelt es sich bei den Midtempo-lastigeren, groovigen Songs à la „Hail To The Hordes“, „Fallen Brother“ oder dem grandiosen Titeltrack (eingeleitet von einem sanften Akustikgitarrenintro) um die Ohrwurm-Nummern mit Hymnenpotential – gerade „Gods Of Violence“ selbst dürfte sich wohl für mehr als nur eine Tour in der Setlist halten.

Mit dem Siebeneinhalb-Minüter „Death Becomes My Light“, das einem behutsamen Aufbau folgt, liegt letztlich ein nahezu episches, mit melancholischer Stimmung ausgestattetes Finale vor, das mit tollen Wendungen glänzen kann und somit ebenfalls einen klaren Höhepunkt bildet. Keine Frage also: Kreator haben es erneut geschafft und können die hohen Erwartungen auch diesmal erfüllen – auch wenn „Side By Side“ und der doch sehr stumpfe Refrain vom erwähnten „Satan Is Real“ qualitativ ein wenig abfallen. Die Symbiose aus melodischen Momenten (vor allem dank Sami Yli-Sirniö, den auch Mille als den besten Musiker in der Band bezeichnet) und Härte gelingt in diesem Genre kaum einer Band so gut wie den Essenern. Schon jetzt ein Highlight im frühen Jahr 2017.

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