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Kratein: Trauma

Kunstvolles Ambient-Album mit auffälliger Sozialkritik
Wertung: 9/10
Genre: Ambient Black Metal
Spielzeit: 35:18
Release: 06.02.2010
Label: Folter Records

„Eine traumähnliche Reise in das Unterbewusstsein“ - so beschreiben Kratein ihr Album „Trauma“ mit einem Satz und damit schaffen sie etwas, was den meisten Hörern dieser Musik nicht so einfach gelingen wird und zwar diese Musik passend in Worte zu fassen.

Kratein, ein Zusammenschluss aus Musikern der Bands Atras Cineris, Todtgelichter und Signum:Karg, legen uns mit „Trauma“ ihr erstes Album vor und überraschen mit einem sehr tiefsinnigen und kritischen Projekt. Das dem Ambient Black Metal zuzuordnendem Album schafft eine sehr surreale Atmosphäre, die aber gleichzeitig die Realität gekonnt reflektiert, indem es gewisse Diskrepanzen aufzeigt. Es taumelt dabei inhaltlich zwischen Illusion und der eigentlichen Realität.

Diesen zentralen Begriff füllen Kratein musikalisch mit Inhalten wie Wut, Trauer und Verzweiflung, aber auch Verwirrung, die durch die fast durchgängigen surrealen Hintergrundgeräusche dauerhaft präsent ist. Dies schafft einen gewissen Übergang zur Illusion beziehungsweise zum Traum. Der Titel des Albums kann demnach auch als ein Wortspiel aufgefasst werden. Durch die innerhalb eines Liedes oft wiederholten Melodien bringen die Lieder eine gewisse Litanei mit sich. Diese bildet die Grundlage jedes Stückes, auf dem sich dann der Rest des Liedes aufbaut. Die so angewendete Methode zieht sich wie ein roter Faden durch das Album und bringt musikalisch Traum wie auch Trauma gleichzeitig zum Ausdruck.

Wie man bereits erkennen kann, steht bei dem Album „Trauma“ gerade die Atmosphäre im Vordergrund, die sich sehr dynamisch zeigt, so dass sie im Laufe der CD fortwährend Veränderungen unterlegen ist. Während das Intro aus Medienmitschnitten und einer verworrenen Geräuschkulisse besteht, zelebrieren Kratein in Songs wie „Tría“ oder „Héxi“ verzehrenden, soliden Black Metal. Weiterhin verarbeitet dieses Album aber auch ganz ruhige Stücke wie „Tésseris“,  in denen eine nachdenkliche Gitarrenmelodie im Vordergrund steht. Die kreischenden Vocals sind im Allgemeinen nur sehr vorsichtig eingesetzt und bleiben meist hintergründig. Durch diese zurückhaltende Präsenz verstärken sie die Atmosphäre deutlich. Weiterhin setzen Kratein auch gesprochene Passagen ein, welche ab und an hineingeschnitten wurden. Absolut hervorstechend ist dabei das bereits erwähnte Intro, welches fast nur aus solchen Passagen besteht, bevor es in einer nachdenklichen Melodie ausklingt.

Durch Themen wie den 11. September, Tschernobyl, den Papst, staatliche Kameraüberwachung, Egoismus oder eine vaterlose Gesellschaft, greifen sie hierbei sehr große Themen der Medien beziehungsweise der Gesellschaft auf und setzen diese gleichzeitig sehr kritisch in Szene. Beim Intro überlagern sich die Geräusche und Ausschnitte dermaßen, dass sie wie eine bedrängende Reizüberflutung wirken, die man erst nach mehrmaligem Hören ganz durchdringt, wie man auch den Rest des Albums erst nach mehrmaligem Hören ganz erfassen kann - jedenfalls musikalisch. Denn „Trauma“ ist kein Album für zwischendurch. Vielmehr ist es recht schwerwiegende Kost, die durch ihre hervorstechende Tiefsinnigkeit zu beeindrucken wie auch zu erschlagen weiß. Sehr passend dazu ist auch das Artwork von „Trauma“, wo die kreierte Stimmung der CD schon durch die Körperhaltung der Frauengestalt zum Ausdruck kommt.

Man merkt: Kratein haben darauf Wert gelegt, den Grundgedanken des Albums allgegenwärtig zu verdeutlichen, so dass das Album insgesamt sehr gedankenanregend ist.
Ein sehr durchdachtes, kunstvolles Projekt, welches nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich beachtet werden sollte.

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