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Kraków: Amaran

Lassen beeindruckend verstörend Punkte liegen
Wertung: 7/10
Genre: Doom/ Sludge/ Metal/ Post Metal
Spielzeit: 44:17
Release: 20.02.2015
Label: Dark Essence Records

Wer sich bei dieser norwegischen Truppe auf die Angaben bei Metal Archives verlässt und bei „Amaran“ kaufend zuschlägt, der dürfte ganz sicher enttäuscht sein, sind doch die dort angegebenen Stoner-Metal-Elemente eher mit der Lupe zu suchen. Wie schon beim Vorgänger „Diin“, bei uns mit sieben von zehn Punkten nur im gehobenen Mittelfeld, lassen sich Kraków nur unwillig kategorisieren, weswegen sie selbst auch gerne mit dem Begriff Post Metal um sich werfen.

Aber auch das ist nur ein Teil der Wahrheit, wird der Sound doch auch ganz gerne mit Drone- und Sludge-Elementen gefüttert, wozu sich dann auch spacig-psychedelische Türen öffnen und einen Blick auf ein Album zulassen, welches sicherlich nicht mal eben in den CD-Schacht wandert, um als Hintergrund-Musik ein trauriges Dasein zu fristen. Vielmehr nötigen Kraków ein gestiegenes Level an Aufmerksamkeit ab, wobei es leider recht schwierig bleibt, die Konzentration über Albumlänge zu hundert Prozent aufrechtzuerhalten, lassen sich doch auf „Amaran“ leider auch ein paar Längen finden.

Wer sich die Platte ganz unbedarft anhört, der stolpert ganz sicher auch schon zu Beginn bei „Luminauts“ über die mit einer klaren Gitarre in die Länge gezogenen Sequenzen, während andere wiederum sicherlich auf den sich steigernden Effekt setzen, darauf zu warten, wann die Chose denn an Fahrt aufnimmt. Das lässt auch gar nicht zu lange auf sich warten, und schon wird klar, dass die Norweger gerne auf schwere Rhythmen mit Dissonanzen setzen und gesanglich vom Klargesang bis zum schwarzmetallisch gefärbten Sludge stehen. Dabei lassen sie vom Sound auch immer gerne Parallelen von alten Tiamat über Neurosis bis hin zu Jex Thoth aufkommen – eine krude Mischung, die ganz sicher verstörend wirkt.

Viel krasser legen sie bei „Genesis“ noch ein paar mehr Dissonanzen auf, wo auch Frontmann Frode mit weiter ausgebauter Schwarzwurzelfärbung „singt“ und die Gitarren auch mal locker einen defekten Automobilanlasser imitieren. Sphärische Klänge im monotonen „Vitriol“, die locker an eine Mischung aus alten Star-Trek-Filmen und chinesischer Filmmusik erinnern, und zum Schluss dann auch noch eine deutliche Wendung zu einem Black Metal/ Sludge-Bastard auffahren, sorgen für ein nervöses „was will die Band mir sagen“, wenn sie derart mit fetter Doomkeule auf den Hypothalamus einwirken. Wer bis jetzt noch keinen Zugang in den Krakówschen Klangkosmos gefunden  hat, wird auch nicht die Essenz des „Pendulum“ verspüren, lassen Kraków doch auch hier wie in einer Dauerschleife immer wieder die monotonen Geräuschkaskaden erklingen, ohne aber innerhalb der Songs einen Schwerpunkt zu setzen und somit dem Ganzen wenigstens ein bisschen Struktur abzuluchsen.

Doom und Drone geben sich bei „Of Earth“ die Hand, der Gesang besteht aus stark verzerrten und mich reichlich Hall versehenen Fetzen, wobei man der Nummer einen gewissen hypnotischen Charakter nicht abstreiten kann. Richtig punkten aber können Kraków mit ihrem letzten Song „Ten Silent Circles“ – erst sind es wieder die reinen Gitarrenklänge mit tiamatscher Leichtigkeit, danach dann aber der perfekt abgestimmte Gesang von Frode und René und dem doomig-metallischen Ausritt auf Drone-Pfaden.

„Amaran“ wartet also mit sieben unterschiedlichen Nummern auf, was an sich erst einmal entweder für reichlich Abwechslung spricht oder aber den roten Faden vermissen lässt – je nachdem, wie man der Formation zugeneigt ist. Definitiv kein leichtes Unterfangen, denn Kraków lassen das Album vom Kunden regelrecht hörend erarbeiten. Live sind sie eine einfach beeindruckende Band, auf CD allerdings dann doch eine Spur zu verstörend.

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