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Krähenfeld: Vergänglich

Überraschend intensiv...
Wertung: 8/10
Genre: Post Black Metal
Spielzeit: 53:52
Release: 23.02.2018
Label: Independent

Krefeld, unendliche Szeneweiten, und für viele Fans der härteren Gangart sicherlich allein wegen Blind Guardian eine Art Mekka, eine metallische Pilgerfahrt, die aber in den letzten Jahren durch überproduzierte Studioaufenthalte der blinden Wächter doch gelitten haben dürfte. Und doch muckt die Szene dort schon seit geraumer Zeit auf, sei es die von CrossHead vor ein paar Jahren mal inszenierte NRW Underground Metalfest-Serie (allerdings mittlerweile eingestellt), das weiterhin sehr aktive und erfolgreiche Moshroom Festival oder eben auch der Metalwalk Krefeld. Nun wollen im Black-Metal-Underground auch Krähenfeld mitmischen, die bisherige Schnittstelle zur Band bestand eigentlich in Gitarrist Sebastian, der auch die Klampfe bei Outta Noise, ebenfalls aus Krefeld, bedient.

Auffällig bei dem krähenfeldschen Post Black Metal ist die gute Produktion, kein eiskaltes Knarzen der Marke „wir sind im Sound auch so brutal ultratrue, dass sich die Hörnerven verweigern“. Lange Songs, reichlich Melancholie und gerade in den langen Instrumentalpassagen mit dem notwendigen Mut, die Dramaturgie auch in einer wiederholten Schleife wirken zu lassen, ohne der Monotonie die Gelegenheit zur dominanten Oberhand zu überlassen.

Dass man nun „Vergänglich“ als Konzeptalbum stehen lassen kann, liegt nahe, geht nur nicht wirklich irgendwo daraus hervor. Zuerst muss man sich durch das mutig mehr als zwei Minuten lange Intro „Einsam“  kämpfen, wo die Krefelder nicht einmal durchblicken lassen, wohin denn die vergängliche Reise gehen soll, vielmehr kopulieren atmosphärische Naturgeräusche mit der Akustikklampfe. Auch der erste Song „Des Wahnsinns kalte Gier“ startet ruhig mit akustischen Gitarrensignalen, bevor dann doch die post-blackmetallische Keule zuschlägt. Lobenswert, dass Frontmann Yannik trotz seiner krächzenden Kaltgurgel sehr gut zu verstehen ist und er so die immer wieder aufkeimende, eher depressive denn melancholische Stimmung prächtig unterstützt. Die zahlreichen Wiederholungen verfehlen ihren hypnotischen Effekt nicht, spätestens beim Solo lassen sie eh die blackmetallischen Wurzeln mehr links liegen und bauen sogar ein leicht verprogtes Folkfeeling ein, was dem Song eine ganz besondere Würze verleiht und was durch noch mehr Tiefe durch den intensiven weiblich säuselnden Exkurs gut zwei Minuten vor Schluss wirkungsvoll unterstrichen wird.

Eine Tonne Traurigkeit, eine Tonne Melancholie, so die Zutaten für das deutlich über zehn Minuten lange „Wachkoma“ und fertig ist eine zäh riffende Ausweglosigkeit, die nach gut fünf Minuten sogar noch mehr verschleppt wird und bei dem Drummer Marius ein paar eher Black Metal-untypische Akzente setzt. Da passt auch das anschließend markerschütternde, nahezu verzweifelnde Schreien für diese angenehm unangenehme Entenpelle gut ins Bild, und selbst wenn Krähenfeld die Zügel wieder anziehen, so sorgt die Leadgitarre für einen kontrastierenden Hoffnungsschimmer. Das ruhige, Fragen hinterlassende Ende mit einem gehauchten „lass mich gehen“ rundet ein intensives Thema ab, welches sehr selbstbewusst auf einen schwierigen, moralisch-ethischen Bereich verweist.

In dem sprachylrischintensiven Mittelspiel „Krankheit Mensch“ darf dann „Gastsprecher“ Narthaas the Plaguebreeder von den Black Deathern Aegror ran, bevor wieder mehr als zehn Minuten „Leere“ sehr ruhig startend und verstörend verschleppt, auch hier eher melancholisch denn depressiv wirkend, gefüllt werden und wo einmal mehr deutliche Instrumentaletappen für den Spannungsbogen sorgen, bei dem auch gerne die akustische Klampfe aufopfernd ausgefochten wird. In „Melancholie der Engel“ legen sie zum ersten Mal gleich von Anfang an ein höheres Tempo vor, die Leadgitarre sorgt für die Titel gerechte, vermehrt aufkeimende Melancholie und trotz der mehr als 13 Minuten droht der Bogen der Monotonie, zum Reißen gespannt, nicht einmal zu bersten, denn Krähenfeld wechseln immer dann schnell ihre Marschroute und bauen wieder ein paar Akustikklampfen ein oder setzen ein flockiges Gitarrensolo drüber, wenn es halt unauffällig nötig ist. Das abschließende Instrumental „Vergänglich“ ist ein durchaus versöhnlicher, ruhiger Abschied und schließt sogar harmonisch den Kreis zum Intro.

Überraschend intensiv, was die Nobodys Krähenfeld aus Krefeld – besteht da vielleicht auch ein Zusammenhang bei der Namensfindung? – auf „Vergänglich“ unter den Fittichen von Klaus Spangenberg aufgenommen haben, womit sie sich eindringlich für weitere Aufgaben anmelden und eben nicht schnell in der Versenkung verschwinden dürften.

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