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Korpiklaani: Ukon Wacka

Sicherlich nicht innovativ, aber vom Songwriting her sehr stark
Wertung: 8/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 41:11
Release: 04.02.2011
Label: Nuclear Blast

Fleißig sind sie, die lustigen Waldschrate von Korpiklaani aus dem finnischen Lahti – seit ihrer Gründung im Jahr 2003 haben sie in fast jedem Jahr ein neues Album herausgebracht; das neueste Werk „Ukon Wacka“ ist jedenfalls schon Langrille Nummer sieben und die erste Studioveröffentlichung seit der zweiten Scheibe „Voice Of Wilderness“, die nicht im Einjahres-Rhythmus erschienen ist.

Geändert hat sich seitdem nicht besonders viel, aber es war nun auch nicht wirklich zu erwarten, dass die Band mit einem Male eine musikalische Revolution lostreten würde. Korpiklaani spielen immer noch folkigen Metal, der mit Geige, Akkordeon und der finnischen Jouhikko versetzt, dargeboten wird. Die Mucke macht Laune, ist tanzbar und stark Humppa-beeinflusst – macht sich angesichts nicht gerade großartig vorhandener Abwechslung also langsam Langeweile breit? Antwort: Nö, eigentlich nicht. Klar, man weiß, was einen erwartet und es wird weiterhin so sein, dass die einen, wenn sie nur den Namen Korpiklaani hören, schreiend davonlaufen, während die anderen begeistert die Fäuste schütteln, doch gibt es im Prinzip nicht viel zu meckern, da die Jungs sich auf das fokussieren, was sie am besten können: Gute Songs schreiben, die leicht ins Ohr gehen und zum Partymachen, Mitgrölen, Tanzen und – ein nicht zu unterschätzender und wohl der wichtigste Faktor – zum Vernichten alkoholischer Getränke bestens geeignet sind.

Der gut dreieinhalbminütige Opener „Louhen Yhdeksäs Poika“ ist schon ein Auftakt nach Maß – kurz und knackig, mit schneller Doublebass unterlegt, mit fröhlicher Geigenmelodie und typischem Humppa-Rhythmus ausgestattet, ist dies ein Song, der sofort im Gedächtnis haften bleibt und sicherlich umgehend zum Livestandard avancieren dürfte – Bilder von im Reigen tanzenden Metalheads, die sich vor selbstironischem Vergnügen einen abgrinsen, entstehen jedenfalls automatisch vor dem geistigen Auge.

Doch der zweite Track mit dem nicht weniger komplizierten Titel „Päät Pois Tai Hirteen“ läuft mit seiner supereingängigen Gitarrenmelodie genauso gut rein, ist allerdings im Gegensatz zum flotten Eröffnungsstück im Midtempo angesiedelt. Hier wird das Akkordeon noch etwas mehr gefeateured und Jaakko Lemmetty glänzt einmal mehr mit filigranem Geigenspiel. Im Vordergrund stehen dennoch die amtlich bratenden Gitarren, überhaupt kann sich die fette Produktion allemal hören lassen.

Bei „Tuoppi Oltta“ muss dann insbesondere der superbe Refrain hervorgehoben werden, der an sich hervorragend zum Mitsingen geeignet wäre, wenn man denn verstehen würde, was der gute Herr Järvelä da von sich gibt – aber bis zur bald startenden Europatour, die das trinkfreudige Sextett im März auch nach Deutschland führen wird, bleibt noch ein wenig Zeit, um vielleicht zumindest ein paar der finnischen Zungenbrecher-Lyrics zu lernen und fröhlich lallend mitzuschmettern.

So geht es munter weiter, es reiht sich buchstäblich Hymne an Hymne. Obwohl es keinen wirklichen Ausfall auf „Ukon Wacka“ zu beklagen gibt, stechen besonders noch der exzellent aufgebaute Titelsong, der sich durch gut durchdachte Tempovariationen auszeichnet, das von einer Melodie der Jouhikko (oder auch der Kantele) eingeleitete, beinahe melancholische „Koivu Ja Tähti“, sowie das finale, zwischen stampfendem Chorus und schnellen Beats in der Strophe pendelnde „Surma“ hervor. Auch das kurze Instrumental „Vaarinpolkka“ macht viel Spaß, außerdem wird mit „Tequila“ nach „Vodka“ vom Vorgängeralbum „Karkelo“  wieder einem hochprozentigen Schnaps gehuldigt – hier handelt es sich um eine erneut megaeingängige, mit perkussiven Klängen (die natürlich das südamerikanische Flair unterstreichen sollen) versehene Nummer, die ebenfalls ohne Umschweife den Weg auf die Setlist finden dürfte und laut Band allen südamerikanischen Fans gewidmet ist.

Sicherlich werden wieder einige herummeckern und mangelnde Innovation beklagen (von den typischen „Kommerz“-Rufen mal ganz abgesehen, und das, obwohl diesmal jeder Song auf finnisch vorgetragen ist), doch wie gesagt, wer mit der Erwartungshaltung an das Album geht, liegt sowieso völlig daneben. Vielmehr muss man Korpiklaani Respekt dafür zollen, dass sie es – ähnlich wie Ensiferum, auch wenn deren Musik schon noch etwas anders und vor allem härter ist – immer wieder schaffen, Melodien und Riffs zu schreiben, die sofort hängen bleiben. Auch anno 2011 ist diese Gruppe wieder einmal ein Garant für feucht-fröhliche Partys und hat mit „Ukon Wacka“ ein wirklich gelungenes Album am Start - darauf erst mal eine ordentliche Maßkanne Bier!

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