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Korpiklaani: Tales Along This Road

Eine stilistsche Symbiose der Vorgängeralben
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 42:29
Release: 21.04.2006
Label: Napalm Records

Es gibt immer wieder Menschen mit einer natürlichen Abneigung gegen Metal. Verständlich, denn die Musik ist laut, aggressiv, besitzt nur wenig innovative Harmonien, man kann keinen festgelegten Standarttanz dazu aufführen. Kurzum, man kann tausendundein innovatives Argument gegen sämtliche Formen von Metal finden, gegen Black Metal bestimmt noch mehr. Doch wenn man ehrlich ist, dann kommt einem Klassik, Jazz und Volksmusik erst recht genau so schrecklich vor - betrachtet man es nur vom richtigen Standpunkt aus.

Diese Erkenntnis ist nun nicht revolutionär, doch viele vergessen immer wieder, dass es beim Konsum von Musik immer um den Eindruck des Individuums geht. Auch mir ist manchmal nicht bewusst, wieso für manche Leute bestimmte Musik einen höheren Stellenwert inne hat als von mir erwartet.

Mit eben dieser Haltung ließ ich mich vor einiger Zeit dazu überreden, mir Korpiklaani anzuhören. Nur als Untermalung während eine Konversation, und ich war im Stillen begeistert von der gelungenen Verbindung von Hart und Zart. So still, dass es bis heute dauerte, bis ich merkte, wie gut die traditionell finnischen Elemente zu den Metal-Parts passen, und wie feinfühlig die Kompatibilität der beiden Stile ausgetestet wird. Wer ein wenig mehr von finnischer Musik kennt als der Durchschnittsmensch, der wird merken, dass Korpiklaani auf diesem Album diese Wurzeln nicht verbergen, doch recht frei übernehmen. Denn die Songs stammen aus den Weiten der finnischen Landschaft, zwar aus der Feder der Band, aber die Anregungen der heimischen Musik sind unverkennbar.

Und dann spielt da noch ein weiterer Faktor in das musikalische Erscheinungsbild der Band hinein, nämlich der schamanische Hintergrund, der auch durch die Naturverbundenheit der Band deutlich wird. Denn obwohl mit Beginn der Band Korpiklaani das Ziel gesetzt wurde, die Musik für ein breiteres Publikum interessant zu machen, ist der Stil dennoch von einer guten Portion folkloristisch-heidnischem Aberglauben durchzogen, welcher eine gewisse Magie der Exotik in die Stücke legt.

So sind dann Lieder wie "Midsummer Night" und "Tulikokko" eine kurzweilige Entführung in die Welt der nordischen Wälder, die ungehindert neben Heavy Metal und MArock gespielt werden können. Sie bilden keine herausstechende Spitze und sind jedoch auch nicht gesichtslos, was den zeitweiligen Konsum sehr angenehm gestaltet.

Einer der gravierensten Nachteile ist aus meiner Sicht die Gestaltung des Platten-Covers. Dieses wirkt im Vergleich zum Vorgänger sehr klischeebehaftet, was vielleicht auch den Gang auf den Geschmack der Menge zu darstellt. Da hätte ich gerne ein wenig mehr Selbstvertrauen von der Band erwartet, um sich zu einem stilvollen Cover wie bei Voice Of Wilderness zu bekennen. Doch ist dieser Schritt wohl bezeichnend für den ebenfalls erfolgten musikalischen Unterschied zur musikalischen Vergangenheit. Während Spirit Of The Forest noch sehr roh und erdig, und das zweite Album sehr metallisch klingt wird bei Tales Along This Road eine stilistsche Symbiose dieser beiden Elemente auf erhöhtem technischem Niveau geboten. Man hört zum Beispiel die Verbesserungen im Violinspiel und den Einsatz eines schalmeienartigen Instruments, welches sich im Zusammenspiel mit zwei Flöten überaus dicht an das musikalische Grundgerüst des Liedes schmiegt.

Wenn man nun diese wohlgestalteten Vorteile gegen die oben angebrachten Vorurteile abwägt, so kann man beinah objektiv zu dem Urteil kommen, dass Korpiklaanis neue Platte zu den verschiedensten Anlässen unpassend ist (Walzer-Abend, Ausstellungseröffnung, Kindergartenfest), doch in den Händen von aufgeschlossenen Menschen und solchen die es werden wollen, durchaus Beachtung finden kann.

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