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Korpiklaani: Manala

Sehr gelungenes Folk-Metal-Album, wenn auch kein Meisterwerk
Wertung: 8/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 49:25
Release: 03.08.2012
Label: Nuclear Blast

Der Veröffentlichungswahn ist ausgebrochen im Hause Korpiklaani. Gerade einmal ein Jahr ist es her, dass die Finnen mit "Ukon Wacka" den siebten Streich in der Bandkarriere veröffentlicht haben, schon steht das Nachfolgewerk "Manala" auf der Matte und ein weiteres Album ist wohl auch schon in Planung. Verändert hat sich seit dem letzten Release verständlicherweise nicht viel. Bis auf den neuen Mann an der Geige, Tuomas Rounakari, der den ehemaligen Fiedler Jaakko Lemmetty ersetzt, ist alles beim Alten geblieben. Der Klan des Waldes ist immer noch bei Nuclear Blast unter Vertrag, setzt wie gewohnt auf den bandeigenen Spaßfaktor und bleibt sich musikalisch stets treu.

Dabei ist es natürlich nicht verwunderlich, dass auch beim achten Meilenstein in der Korpiklaani-Geschichte Innovation nicht groß geschrieben, sondern auf Herkömmlichkeit und die gewohnten Stilmittel vertraut wird. Wer um den Folk- bzw. Party-Metal schon zuvor einen großen Bogen gemacht hat, dürfte auch hieran keinen Gefallen finden. Wer den Sechserpack aus Finnland aber schon immer recht sympathisch und auch deren Musik ansprechend fand, kann sich mit "Manala" an einer ganzen Portion frischer Polka-Melodien und Humppa-Rhythmen, versetzt mit dem markanten Joik-Gesang, erfreuen. Sei es der starke Opener "Kunnia", das flotte, mit Doublebass versetzte "Uni" oder das harte "Ruumiinmultaa" mit einem tollen Geigen-Solo gegen Ende - die Band bietet den Fans genügend Material, um bald wieder ordentlich bei den Live-Gigs abzufeiern.

Auch soundlich hat sich kaum etwas verändert, "Manala" kommt so gut produziert wie schon "Ukon Wacka" daher und ist klanglich bis auf winzige Nuancen identisch zu seinem Vorgänger. Akkordeon, Geige sowie die harten Gitarren und Jonne Järveläs rauchige Stimme spielen gut zusammen. Lediglich der folkige Part geht ab und zu etwas unter auf dem Album, was auch ein maßgeblicher Grund dafür ist, warum hier der härtere Metal-Anteil im Vordergrund steht. Korpiklaani klingen ungewohnt hart an manchen Stellen, man nehme hier mal "Petoeläimen Kuola" als Beispiel oder auch das grandiose Finale "Sumussa Hämärän Aamun", wo man fast schon Doom-artig zu Werke geht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass auf der neuen Platte die Gitarrenarbeit wieder etwas mehr im Vordergrund steht, auch wenn jedes Instrument in Form diverser Soli und anderer Spielereien seine Präsenz bekommt.

Wie bereits erwähnt, stellt "Manala" das erste Album mit dem kürzlich an Bord geholten neuen Violinisten Tuomas Rounakari dar, der die Band ja schon auf der vergangenen Tour unterstützt hat. Dieser darf nun auch gleich mal auf dem Album sein Können unter Beweis stellen in Form eines rein instrumentalen, sehr außergewöhnlichem Geigen-Solos namens "Husky Sledge". Auch sonst zeigt sich die Instrumental-Fraktion geschickt wie immer und Jonne Järvelä ist wie gewohnt auf der Höhe seiner vokalistischen Darbietung. Sein kräftiger Gesang im Joik-Stil hat nicht nachgelassen oder an Wirkung verloren. Schön ist auch, dass die offizielle Veröffentlichung als Doppel-CD daherkommt, bestehend aus der originalen Version in finnischer Sprache und einer dazugehörigen Bonus-CD als komplett in Englisch eingesungene Version. So kann man immerhin die Texte verfolgen, die sich hier ausnahmsweise mal nicht mit dem Alkoholkonsum beschäftigen, sondern mit dem Reich der Toten namens Manala, der Unterwelt der finnischen Mythologie. Die Geschichte auf dem Album erzählt von einem schamanistischen Helden, der sich auf eine Reise in die Manala begibt und nur knapp dem Tod entflieht.

Als einer der stärksten Songs der Platte erweist sich auf jeden Fall "Metsälle", das zuvor bereits veröffentlicht und auch schon live präsentiert wurde, also dem ein oder anderen bekannt sein dürfte. Grandios geraten ist auch die Folk-Adaption der "Ievan Polkka" von der Gruppe Loituma, die vor einiger Zeit durch das Internet verbreitet wurde und so einen Riesenerfolg landen konnte. Das Ganze wurde klasse in Korpiklaani-Manier umgesetzt und die ursprüngliche A-Capella-Version wurde gut auf die Instrumente übertragen. Auch ist es erstaunlich, dass die Truppe es trotz der kurzen Entwicklungszeit für das neue Album wieder auf rund 50 Minuten geschafft hat, wobei man bedenken muss, dass auch ein bis zwei Füller enthalten sind, aber wen stört das schon bei zwölf bzw. 13 Songs?

Letztlich bleibt aber zu sagen: Obwohl die Lieder auf "Manala" allesamt gut bis sehr gut ausfallen, vermisst man letzten Endes ein wenig den Spirit, der Korpiklaani einst ausgemacht hat. Keiner der Tracks wird an Werke wie "Spirit Of The Forest" oder "Voice Of The Wilderness" rankommen, wenngleich die Lieder auf der neuen Platte allesamt potenzielle Party-Hits oder ausgereifte Songarrangements sind; es fehlt einfach das gewisse Etwas. Dennoch schaffen es Korpiklaani erneut ohne große musikalische Innovation oder stilistische Weiterentwicklung kaum Langeweile aufkommen zu lassen, im Gegenteil, "Manala" macht Spaß und lädt zum Tanzen ein. Und in Anbetracht der kurzen Entwicklungszeit und der Tatsache, dass es nach sieben Veröffentlichungen umso schwieriger wird, neue Ideen zu finden, haben es Jonne Järvelä und seine Mitstreiter wieder auf ein anständiges Album geschafft.

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