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KoRn: KoRn III - Remember Who You Are

Ein großer Schritt in die richtige Richtung
Wertung: 8/10
Genre: Nu Metal, Alternative
Spielzeit: 44:43
Release: 09.07.2010
Label: Roadrunner Records

Wenn man über die internationale Metalszene referiert, kommt man an KoRn nicht vorbei – in den Neunzigern war der amerikanische Fünfer DER wegweisende Faktor im Nu Metal, die Band regierte ein ganzes Genre und definierte einen noch nie dagewesenen Sound mit auffällig geslapptem Bass, tiefen Gitarren und einem Sänger, der all die Qualen seiner Jugend herausschrie.

Zehn Jahre später haben KoRn sieben Alben, unzählige ausverkaufte Touren und den Ausstieg ihres Gitarristen „Head“ hinter sich, der sich 2005 zu seinem christlichen Glauben bekannte und die Band verließ, um sich und Gott zu finden – die Combo stand ohne ihren brillanten Saitenzupfer da. Die Alben waren schon vorher nicht mehr so ganz das Gelbe von Ei, die 2002er Platte „Untouchables“ wurde von Kritikern wie Fans gleichermaßen in der Luft zerrissen, „Take A Look In The Mirror“ konnte zwar mit „Did My Time“ einen Song zum Film „Tomb Raider“ beisteuern, ließ aber sonst auch eher unbegeisterte Gesichter zurück. Mehr oder weniger unbeachtet erschien „See You On The Other Side“, noch vor den Aufnahmen zum Nachfolger „Untitled“ stieg dann auch Drummer Dave Silveria aus.

Herbe Schläge, die eine einst ultra erfolgreiche Band zu verkraften hatte, und ganz wird sich die inzwischen durch Schlagzeuger Ray Luzier aufgestockte Gruppe nicht mehr erholen – doch das achte Machwerk, „Korn III-Remember Who You Are“ scheint dem Titel gemäß tatsächlich wieder ein wenig mehr back to the roots zu gehen. Sänger Jonathan Davis, von Anfang an als sehr labile Persönlichkeit bekannt, scheint sich ein wenig gefangen zu haben, hat hörbar mehr Spaß an seinen Vocals und auch Fieldys unnachahmlicher Bass drängt sich wieder mehr in den Vordergrund. Knaller wie „Freak On A Leash“ oder „Got The Life“ sind freilich nicht mehr dabei, aber immerhin sind seit diesen Abräumern auch schon zwölf Jahre vergangen und es wäre doch zu bizarr, wenn KoRn noch exakt so klingen würden wie damals.

Vorab konnte man die Single „Oildale (Leave Me Alone)“ bestaunen, deren Bassläufe einen in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen lassen, und auch Davis findet gesanglich erstaunlich schnell zu seiner alten Form zurück – fast episch kommt der Refrain daher, so wie man es nicht anders gewöhnt ist und – seien wir mal ehrlich – genauso wie man es hören will. Vergessen sind Experimente à la „Twisted Transistor“, hier regieren wieder die Typen, die schon 1996 die Szene umkrempeln konnten. „Fear Is A Place To Live“ kommt eine Spur experimenteller daher, könnte aber ähnlich auch auf einem der früheren Werke erschienen sein und trumpft nicht nur mit einer vokalen Meisterleistung auf, sondern auch mit einer simpel anmutenden, aber durchaus effektvollen Gitarrenspur, die sich im Hintergrund vorbeischlängelt.

Die beeindruckend einprägsamen Refrains („Move On“) haben KoRn zum Glück immernoch ähnlich überwältigend drauf wie die dissonanten Gitarrenattacken, die „Munky“ einfach aus dem Ärmel zu schütteln scheint und auch Mr. Davis hat nichts von seiner oftmals schizophrenen Art verloren, wie das chaotische „Lead The Parade“ eindrucksvoll beweist. So ausgelassen aggressiv hat man den Sänger schon länger nicht mehr gehört, vielleicht schon nicht mehr seit den Unplugged-Aufnahmen 2007. „The Past“ bietet schließlich eine Überraschung in Form eines gruselig-ruhigen Intros und eines Feelings, das stark an die Glanzzeiten der Band erinnert. Ein perfekter Titel für diesen Song, Jonathan Davis zeigt sich in Bestform, und auch die Rhythmusfraktion wummert sauber und differenziert durch die Boxen. Genial!

„Never Around“ wirkt leider ein wenig sehr gezwungen, kann nicht so recht zünden und auch der Gesang klingt eher halbherzig – schade, denn bisher haben KoRn durchaus bewiesen, dass sie gewillt und fähig sind, ihre Wurzeln wieder auszubuddeln. „Are You Ready To Live“ schafft es dann, mit verzweifelten Schreien und klarem Gesang eine gänsehautige Stimmung aufzubauen. Zum guten Schluss gibt es mit „Holding All The Lies“ noch einen traurig-schönen Ohrwurm serviert, den man so weder von KoRn im Allgemeinen, noch am Schluss eines Albums erwartet hätte.

Fazit: KoRn haben es geschafft, sich an den eigenen Haaren aus dem Dreck zu ziehen und mit „Remember Who You Are“ eine Art Befreiungsschlag zu landen. Die Mitglieder scheinen sich aufgerappelt zu haben, allen voran Sänger Jonathan Davis, der auf den letzen Releases eher eine suboptimale, wenn nicht gelangweilte Figur machte und auf „Korn III“ klingt wie zu seinen besten Anfangszeiten. Das neue Album bietet neben einer  Handvoll grundsolider, teils überraschender Songs einige wirkliche Knaller, die wieder Hoffnung aufkeimen lassen, dass eine der erfolgreichsten Bands der Neunziger wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden hat.

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