Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Kopfgeburt: Kopfgeburt

So klingt Twitter
keine Wertung
Genre: Black Metal
Spielzeit: 7:16
Release: 01.01.2010
Label: Eigenproduktion

„Fünf hässliche Songs für die Generation Twitter“ - eine kurze, aber treffende Phrase, die Lorenz Beyer zur Umschreibung seines Soloprojekts Kopfgeburt. da verwendet. Dabei könnte man Twitter generell als Stichwort für diese in jeder Hinsicht ungewöhnliche Veröffentlichung nennen, steht die populäre Internetseite doch für fast alles, was der Multi-Instrumentalist mit seinen Songs ausdrücken will. Das Album ist kurz, überflutet den Hörer mit Eindrucken und transportiert doch Informationen, die auf viele verschiedene Weisen gedeutet werden können.

Keines der Stücke erreicht auch nur annähernd die Drei-Minuten-Marke, einige Songs sind sogar in weniger als sechzig Sekunden zu Ende – findet man diese Spielzeiten traditionell eher im Grindcore, schlägt Kopfgeburt. eine gänzlich andere Richtung ein: Auch wenn keiner der Tracks sich komplett entfaltet, herrschen eindeutig das Riffing und die Rhythmik des Black Metals vor. Blastbeats treffen auf surrende Gitarren, die zusammen mit den zischend geflüsterten Vocals eine verstörende Atmosphäre erschaffen. Letztlich ist die Musik aber nur Mittel zum Zweck, um das Konzept umzusetzen – durch ihre Länge und Beschaffenheit wirken die Songs tatsächlich wie vertonte Tweets; kurze Sätze oder Fragen prasseln ständig auf den Hörer ein, immer wieder durchsetzt von Samples, bei denen von Herbert Grönemeyer über John Lennon bis hin zu Barack Obama und George Bush Menschen jeglicher Couleur und Gesinnung vertreten sind. Bemerkenswert ist hierbei, dass diese so eingesetzt wurden, dass niemals eine eindeutige Wertung offensichtlich ist, vielmehr stehen die Passagen mal verzerrt, mal klar im Raum und ergänzen die selbst verfassten Texte.

Diese sind ebenso geschickt zusammengefügt wie die Samples und sprechen in einfachen Worten diverse Missstände der modernen Gesellschaft an, ohne anzuklagen – nicht umsonst sind viele der Sätze als Fragen formuliert, auf die keine Antwort gegeben wird. Tausendfach durchgekaute Themen werden so interessant und nachdenklich stimmend umgesetzt, sei es nun der Wunsch nach einem schützenden Gott in „Übervater.“, die Frage nach der deutschen Identität in „Heimat.“ oder ein kritischer Blick auf die Metalszene und Gemeinschaften allgemein in „Brutal.“. Obwohl der Fokus klar auf dem Konzept liegt, gibt es durchaus auch einiges zur Musik zu sagen: Der Länge der Songs entsprechend sind die Möglichkeiten natürlich sehr begrenzt, trotzdem wurden die wenigen Minuten bestmöglich ausgefüllt: Die Zutaten der Songs sind zwar zumeist simpel, transportieren aber mit ihrer sehr aggressiven Ausrichtung die Botschaft passend, während der Gesang vermutlich absichtlich zerbrechlich und zischend von den Instrumenten niedergedrückt wird; einzig in „Heimat.“ ist widerhallender Klargesang zu vernehmen, der ein kaltes und apathisches Gefühl vermittelt. Zwar ist die Musik lange nicht so außergewöhnlich wie die Idee hinter Kopfgeburt., unpassend ist sie jedoch keinesfalls – in „Krise.“ gelingt es Beyer sogar, einige sehr starke Riffs aufzufahren, die dem Song eine nicht zu leugnende Dramatik verleihen.

Es fällt schwer, eine Wertung für das Debüt von Kopfgeburt. zu finden – rein musikalisch ist die Darbietung allenfalls Durchschnitt, denn insgesamt wird schlichtweg zu wenig geboten. Nimmt man jedoch die intelligenten Texte, das stimmig aufgemachte Artwork und die generelle Idee hinter dem Projekt hinzu, hätte das Ganze schon acht bis neun Punkte für die Umsetzung verdient. „Kopfgeburt.“ ist nicht für das gewöhnliche Hörvergnügen geeignet, doch als neues Medium zwischen Black Metal und Twitter funktioniert es hervorragend und zeigt eine ebenso neue wie auch kreative Möglichkeit auf, mit Musik eine politische Botschaft zu vermitteln – und an diese kann man glücklicherweise mit jeder Einstellung herangehen, denn schlichtes Predigen der eigenen Meinung überlässt Kopfgeburt. lieber anderen.

comments powered by Disqus

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging