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Kokomo: Totem Youth

Eine Instrumentalplatte, die man nicht mal "nebenbei" hören sollte
Wertung: 8/10
Genre: Instrumental, Rock
Spielzeit: 50:10
Release: 14.11.2019
Label: Dunk!Records/I.corrupt.Records

Wenn man sich ein bisschen auf der Facebook-Präsenz der Duisburger Instrumentalcombo Kokomo umschaut, fällt das Auge zuerst auf die schier endlose Liste an vergangenen Liveshows, die die Band absolviert hat. Angefangen zu Gründerzeiten 2008 bis ins Jahr 2017 reichend, kann man sich da schon mal einen wunden Finger scrollen. Kein Wunder, denn mit „Totem Youth“ steht schon die fünfte Langrille zum Anhören bereit, die letzte Scheibe „Monochrome Noise Love“ datiert auch bereits zurück ins Jahr 2016.

Jetzt muss man Instrumentalmusik irgendwie schon mögen, die Schreiberin dieser Zeilen als Verfechterin der Musik mit Gesang hatte da schon immer ein bisschen Schwierigkeiten, spätestens ein denkwürdiges Konzert der großartigen Animals As Leaders und wunderbare Bands wie Caspian oder néander konnten in jüngster Zeit wieder Wasser auf die Mühlen der Instrumentalfreunde kippen. Fehlende SängerInnen sind mittlerweile kein Ausschlusskriterium mehr – so denn, wir lassen uns fallen in ein düsteres Kissen namens „Totem Youth“.

Der Titel hätte schon kaum besser gewählt werden können, ist die vornehmliche Stimmung auf den knapp 50 Minuten doch sehr düster, gedrückt, unterschwellig aggressiv, stellenweise beinah verzweifelt. Da passen dann auch Titel wie „Sterben am Fluss“ dazu, die nun wahrlich keine gute Laune verbreiten. Entsprechend ist der Opener mit seinen zehn Minuten Spielzeit ein zähflüssiges, fast schon depressiv zu nennendes Monster, das nur wenig Raum für hoffnungsvolle Momente lässt, die ohnehin recht schnell wieder im Keim erstickt werden. Wahnsinn, wie viel Emotion man auch ohne Gesang ausdrücken kann – das ist nicht zuletzt den Drums geschuldet, die im letzten Drittel noch mal ordentlich zulegen und den restlichen Song dominieren.

„Golden Guns“ bietet dann einen spannenden Kontrapunkt, schwurbelt ein bisschen sediert vor sich und hier und da scheinen differenzierte Arrangements durch den Klangvorhang, Punkt Minute 28 trifft einen dann beinah der Schlag; Drums und Gitarre vereinen sich zu einem Schlagabtausch, der noch mal ordentlich aufrüttelt und den Song in einen weiten, sphärischen Sound führt. „Melodic Rock Nights“ mag dann zwar vom Titel her nicht so recht in den Albumkontext passen, dafür passt der Sound aber zum Songtitel und es gibt sogar ein bisschen Gesang zu hören, den man aber im ersten Anlauf gar nicht so recht wahrnimmt, weil er geschickt in der Klangwand versteckt wurde. Insgesamt ein spannender Track, wenn auch nicht unbedingt der stärkste auf „Totem Youth“.

Das finale, etwas gruselig betitelte „Der Vogelmann“ darf dann zum guten Schluss nochmals die Zehn-Minuten-Marke sprengen, schleicht sich zuerst unheilschwanger an den Hörer heran und entblößt sich dann in seiner ganzen düsteren Dramatik, inklusive Streichersound im Hintergrund. Mit seinem ebenfalls sehr eindringlichen Openerkollegen bildet „Der Vogelmann“ den absoluten perfekten Rahmen für eine überraschend starke Platte, mit der Kokomo sich zumindest im Geiste der Schreiberin dieser Zeilen in die Riege wichtiger Instrumentalbands einreihen werden. Zeit und Nerven sollte man aber unbedingt mitbringen, um dem nicht immer ganz leichten Sound der Duisburger folgen zu können – „Totem Youth“ nur nebenbei zu hören, wäre allzu schade.

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