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Kneipenterroristen/V8 Wixxxer: Gegensätze ziehen sich an

Split-CD für Fans
keine Wertung
Genre: Heavy Metal/Punkrock/Rock'n'Roll
Spielzeit: 35:40
Release: 06.11.2009
Label: Rude Records

Die Kneipenterroristen, alias "Deutschlands dienstälteste Böhse Onkelz-Coverband" und die (laut "Rock Hard") "erste ernst zu nehmende deutsche Antwort auf die Sparte Motörhead/Rose Tattoo, die nicht wie eine Onkelz-Kopie klingt" namens V8 Wixxxer sind nicht nur beim selben Label beheimatet sondern auch privat wohl ganz gut auf einer Linie (sprich: häufig am selben Tresen zu finden), weshalb sie mit "Gegensätze ziehen sich an" nun ein Split-Album veröffentlichen, auf dem sie sich gegenseitig, selbst und andere Bands covern.

Der erste Gedanke beim Anblick der Setlist: "Meine Herren, das wird platt!" Kurz zusammengefasst handeln sämtliche Songs von Bier und/oder Frauen und/oder Geschlechtsorganen/-verkehr und/oder Härtebeweisen. Gegensätze ziehen sich an? So ganz ernst gemeint kann der Titel wohl nicht sein, denn textlich wie musikalisch haben beide Bands einiges gemeinsam und sind mit dem Begriff "Schweinerock" wohl ganz gut umrissen.

Die erste Hälfte des Albums dürfen die Kneipenterroristen beschreiten und eröffnen mit einem Cover des V8 Wixxxer-Songs "Eier aus Stahl", den sie sehr dicht ans Original anlehnen, um nicht zu sagen: schlichtweg nachspielen. Wo da der Witz einer Coverversion liegen soll – keine Ahnung. Weiter geht's mit der Eigenkomposition "Rocker", die vor Klischees und Oberflächlichkeit nur so strotzt und zum Skippen geradezu einlädt. Da lauert aber schon "Ring um die Eier", jener grausig-respektlose Tritt in Johnny Cashs Gesicht, der vor Jahren schon bei JBO kein bisschen lustig war. Mehr Plattitüden hagelt es mit "Wer ficken will muss freundlich sein", "Weicheier (spielen keinen Rock'n'Roll)" – einem Cover von Rose Tattoo's Hit "Nice Boys", das generell in Ordnung geht – und der mit Akustikgitarre unterlegten "Nie wieder Alkohol"-Ballade "Mein letztes Bier". Um das Niveaulevel kurz zu umreißen sei an dieser Stelle das textliche Highlight (!) des Songs zitiert, in dem das lyrische Ich in detailreicher, metaphhorischer Schilderung feststellt: "Ich unterhalt' mich angeregt und laut mit meinem Klo". Und das ist noch harmlos.

Genrefreunden und Fans der Kneipenterroristen wird die erste Hälfte der Platte sicherlich gefallen; meiner Meinung nach braucht das hier Gespielte kein Mensch, aber für so harte Rocker und ihre superharte Musik bin ich wahrscheinlich einfach zu weich. Doch genug des Sarkasmus, die Hälfte der Scheibe liegt noch vor mir.

Darauf übernehmen die V8 Wixxxer das Ruder um "Am äußeren Rand", ein textlich durchaus ansprechendes Anti-Extremisten-Statement der Kneipenterroristen, in ihr Punk'n'Roll-Korsett zu pressen, was dank fettem Sound auch gut funktioniert. Danach covern sie sich selbst, beziehungsweise ihr Alter Ego, denn die Band startete ihre Karriere ursprünglich auf Englisch singend und unter dem Namen V8 Wankers. Also schnappt sich der Fünfer einfach drei alte Songs, packt deutschen Text drauf und ab dafür. Ich kenne die jeweiligen Originale nicht, die neuen Lyrics fügen sich aber gut ins Songgerüst ein und klingen so flüssig, als hätten sie schon immer da gestanden. Dazu gibt's noch zwei Cover – "Angela" von Mötley Crüe und "Sharp Dressed Man" von ZZ Top – von denen besonders letzteres unter dem Titel "Für einen wie dich ist es immer zu spät" zumindest textlich recht unterhaltsam gerät, im Vergleich zum Original aber im Riffing ziemlich unpräzise wirkt und dadurch einiges an Groove und Punch einbüßt. Die Extrarunde in deutlich schnellerem Tempo gegen Ende rettet da auch nichts mehr und wirkt eher unpassend.

Damit wäre auch die zweite Hälfte überstanden, die mich zwar auch nicht begeistert, aber mir immerhin mehr zusagt, als die erste. Wahrscheinlich liegt's daran, dass mir der Stil der Wankers/Wixxxer ob seiner Kraft, Rock'n'Roll-Attitüde und Unbändigkeit einfach mehr zusagt. Die Kneipenterroristen wirken dagegen im Vergleich mit ihren Labelkollegen leicht amateurhaft.

Fazit: Wie vielleicht an der häufigen Verwendung des Wortes "ich" und seiner grammmatikalischen Verwandtschaft deutlich wird: hier handelt es sich um meinen persönlichen Eindruck vom Gemeinschaftswerk der beiden Bands. Hätte ich die Wahl, ich würde mir diese Platte nie im Leben kaufen. Sowieso stellt sich aber die Frage, wer sich diese Split-CD überhaupt zulegen wird. Eigentlich kann das nur jemand sein, der mindestens eine der beiden Bands zu seinen Lieblingen zählt, den Texten daher etwas ab gewinnen kann (oder sie einfach als Spaßfaktor hinnimmt) und sich auch nicht dran stört, dass die Cover teils ziemlich nah am jeweiligen Original liegen. Kurz: "Gegensätze ziehen sich an" ist nur für Anhänger der beteiligten Gruppen interessant und die dürften sich mit der Platte anfreunden können, zumal sich darauf als Bonus noch sechs Videodateien befinden, die die Bands live und auf Tour zeigen.

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