Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Kneipenterroristen: Härter als der Rest

Mogelpackung oder nur Böhse Onkelz-freie Zone
Wertung: 6.5/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 47:32
Release: 17.08.2007
Label: Rude Records

Die Kneipenterroristen stellen ihr erstes Album mit komplett eigenen Songs vor. So kommt es also zu dem Album „Härter Als Der Rest“. Nun gut, was die Böhsen Onkelz angeht, stimmt das auch. Die einstige Onkelz Coverband hat hier kein einziges Onkel Cover drauf. Stilistisch ist man natürlich aber sehr nahe dran.

„Härter Als Der Rest“ rockt ganz nett nach vorne. Der Text ist für meinen Geschmack aber doch zu plump an den Böhsen Verwandten dran. Rebellion gegen alle. Der Sound ist recht garagenmäßig, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Schließlich ist Sänger Jörn doch der Cheffe von Remedy Records. Nun gut, soll vielleicht zum Image der unterdrückten, armen gehassten Bandmitglieder passen.

„Endlich Wieder Wochenende“ ist ein leider genauso wenig literarisch wertvoller Song. Aber ich denke, dem Songtext entsprechend könnte mit genug Alkohol im Blut das Ganze recht gut kommen. Mit 4 Promille, wie da gesungen wird. Den jungen Kids dürfte das auf jeder Party zu Freudenstürmen verhelfen.

„Pornostar“ ist aber nicht wirklich der „Pornosong“ des Albums. Flacher Text, der ein gewisses Egoproblem durchblicken lässt. Also, ich muss zugeben, dass ich die Onkelz eigentlich erst so ab der „Es Ist Soweit“ sehr gemocht habe. Musikalisch waren die Originale eigentlich auch nie die Offenbarung, aber der trockene raue Sound mit den immer nachdenklicher machenden Texten, das hatte was. Die Anfangstage haben mich eigentlich nicht wirklich interessiert.

Mit „Am Äußeren Rand“ versucht man dann, auch etwas Politik mit rein zu nehmen. Richtiger Weise wird hier erklärt, dass Extremisten, ob Links oder Rechts, der gleiche Scheiß sind. Dies ist richtig. Mit etwas mehr Druck im Sound könnte man auch von einem ersten Highlight der CD sprechen, so ist es aber nur ein guter Höhepunkt einer eher schlecht mittelmäßigen Scheibe. Schade, dass Goofy am Bass und Martin an der Gitarre nicht mehr Power erzeugen.

„Holstenritter“ ist ein weiteres Trinkerlied mit flachen Weisheiten. Okay, tiefsinnige Texte passen nicht wirklich zu Alkohol geschwängerten Partysongs. Aber irgendwie kann ich das hier im nüchternen Zustand nicht ganz ernst nehmen. „Lust Zu Leiden“ geht dann etwas treibender voran. Nett, aber nicht umwerfend. Die Nähe zu den großen Vorbildern wird hier noch deutlicher. Ja, der Song gehört zu den besseren des Albums.

„Hamburg Wir Steh`n Zu Dir“ ist dann eine Hommage an die Heimatstadt. Aber irgendwie kommt mir die Melodie doch bekannt vor. Aber das war irgendwie punkiger, wenn ich mich nicht irre. Sex Pistols? Toten Hosen? Ne, jetzt weiß ich’s: Cock Sparrer! Stimmt, das war doch die Band der West Ham United Fans, welche mit dem Song doch einige Chorgesänge in Englands Fußballstadien anzettelte. Nun ja, vielleicht klappt das ja auch jetzt beim HSV!

„Problemkind“ versucht dann einen etwas nachdenklicheren Weg einzuschlagen. Es geht um ein misshandeltes Mädchen, welches sich irgendwann endlich zu wehren beginnt. Trotzdem wird aufgezeigt, dass es keine Chance für das Mädel gab, um wirklich glücklich zu werden. Solche Texte stehen den Kneipenterroristen besser. Ein guter Schuss Sozialkritik, ob nun berechtig oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt, passt zu der Onkelz mäßigen Mucke.

Danach geht es mit der Band auf die „Terrortour“. Sozusagen die Kneipenterroristen Hymne. Ganz nett, aber irgendwie zu gelangweilt vorgetragen. Die Ansätze stimmen zwar, aber die Umsetzung ging daneben. Danach geht es ausnahmsweise nicht um den Alkohol, wie der Titel „Was Lange Gärt“ vermuten lassen könnte. Ne, hier geht es vielmehr um einen Psychoten, welcher sich als Gott sieht und zu dem Schluss kommt: „Was lange gärt, wird endlich Tod“.

Auf diesem „ersten kompletten Kneipenterroristen Album mit eigenen Songs“ kommt dann nun schon die zweite Coverversion. Diesmal mussten Running Wild mit ihren Gassenhauer „Chains And Leather“ herhalten. Den Song boten die Terroristen auch schon auf einem Running Wild Tribute Album. Also hätte man eigentlich wissen müssen, dass es sich nicht um einen eigenen Song handelt.

Dann wird mit „Damien“ die normale CD beendet. Jawohl, der Antichrist Damien ist geboren. Nicht der erhoffte große Abschluss des Silberlings, aber ganz ordentlich.

Dann kommt aber, zumindest als Digipak Bonus, der wahre Pornosong des Albums: „Sie Kam Zu Mir Am Morgen“ Ja, selbstverständlich eine Eigenkomposition des Quartetts. Die frappierenden Ähnlichkeiten zu Uriah Heep`s „Lady In Black“ sind sicher nur Zufall. Allein durch die Melodie das Highlight der Scheibe. Der Text ist Porno mit anschließender körperlicher Züchtigung. Hätte etwas anders umgesetzt auch gut zu J.B.O. gepasst, allerdings waren die rosa Freunde nie so vulgär.

Fazit: Irgendwie ist die Scheibe eine Mogelpackung. „Eigene Songs“ stimmt eigentlich nur textlich. Und da liegt auch ein Problem. Etwas mehr Tiefgrund dabei würde die Band deutlich seriöser erscheinen lassen. Klar darf es auch rebellisch und respektlos zugehen, aber bitte mit etwas mehr Pathos, so wie es die Onkelz gemacht haben. Dann noch eine fettere Produktion und das Album käme aus dem unteren Mittelfeld heraus.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna