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Klabautamann: The Old Chamber

Klabautamann goes Old School - ohne die eigenen Trademarks zu verlieren
Wertung: 8.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 47:33
Release: 21.11.2011
Label: Zeitgeister Music

Etwa zweieinhalb Jahre hat es gedauert, bis Klabautamann, die vielleicht stärkste Band des Zeitgeister-Universums, mit dem Nachfolger des großartigen „Merkur“ aufwartet – und es mag gut sein, dass einige Fans nach den ersten Durchläufen von „The Old Chamber“, dem insgesamt vierten Full-Length-Album der Bonner, enttäuscht reagieren, denn mit dem avantgardistischen, progressiven Ansatz der Vorläufer hat die Scheibe nicht wirklich viel zu tun. Vielmehr wird vergleichsweise schnörkelloser, sehr Midtempo-lastiger Black Metal zelebriert, der eine Art Hommage an die alten Recken der Schwarzwurzelszene darstellen soll. Schon Tim Steffens’ sehr krächziger Gesang erinnert an den guten alten Grutle Kjellson von Enslaved. Witzigerweise war allerdings genau das Gegenteil geplant, wie die Info suggeriert; der Plan war nämlich ursprünglich, noch mehr auf cleane und akustische Gitarren zu setzen als es bei „Merkur“ der Fall war – sogar die Überlegung, komplett auf metallische Sounds zu verzichten, stand im Raum.

Aber wie es im Leben so ist, gibt es doch immer mal wieder überraschende Wendungen und so entwickelte sich das Klabautamann’sche Songwriting plötzlich in eine ganz andere Richtung. Das oben verwendete Wort „Hommage“ sollte nun aber nicht dahingehend interpretiert werden, dass das verantwortliche Duo Tim Steffens und Florian Toyka jegliche Form von Eigenständigkeit abgelegt hätte und auf einmal nur noch nach Neunziger-Gedächtnis-Black-Metal klingen würde. Die Produktion tönt immer noch fett, dennoch sehr organisch (doch was anderes erwartet man bei Zeitgeister-Releases ja auch nicht), die Melodien sind immer noch sehr griffig und geschmeidig und vor allem die ätherische, geheimnisvolle und naturverbundene Atmosphäre, das, was Klabautamann besonders ausmacht, ist glücklicherweise trotz dieser doch recht einschneidenden Veränderung nicht verloren gegangen.

Das beste Beispiel stellt hierfür wohl der finale Track „The Dying Night“ dar, bei dem eine völlig simple, aber dafür umso effektivere und schaurig-schöne Gitarrenmelodie über kraftvollem Riffing schwebt; hier sind die Jungs wohl am ehesten an ihren früheren Veröffentlichungen dran, gleichzeitig aber ist das old-schoolige Feeling, das sie mit dem Album transportieren wollten, zu jeder Zeit greifbar. In diesem Fall ist es vor allem  Naglfars grandioses Debüt „Vittra“, an das man denken muss, sowohl in puncto Melodieführung, als auch was die Atmosphäre anbelangt. 

Andere Stücke wie der Opener „Mary’s Abbey“, „Dead Marshes“ oder „Black Rain“ haben mit ihrem mittleren bis langsamen Tempo und dem Fokussieren auf Groove eine eindeutige Satyricon- beziehungsweise (was „Black Rain“ angeht) Enslaved-Schlagseite – wirkliche Uptempo-Passagen sind äußerst rar gesät, Blastbeats gibt es fast gar nicht; das flotte „The Crown Of The Wild“ bildet da schon die Ausnahme. Total aus dem Rahmen fällt allerdings der Titelsong – hier sind ausschließlich akustische Klänge zu vernehmen, die Band hat die Scheibe also ausgerechnet nach dem einzigen Song, dem die ursprünglich geplante stilistische Ausrichtung innewohnt, benannt. Vielleicht ein Hinweis darauf, wie das Album eigentlich mal in etwa klingen sollte.   

Old-School-Fans werden sicherlich ihre Freude an „The Old Chamber“ haben, wenngleich hier vielleicht auch wieder einige sagen werden, dass man, wenn man sich schon so klar an altem Schwarzmetall orientiert, auch gerne etwas häufiger in höhere Geschwindigkeitsregionen hätte vorstoßen können, doch in puncto Attitüde kann hier wohl keiner einen Vorwurf erheben. Alle anderen, die von „Merkur“ oder auch dessen Vorgänger „Der Ort“ begeistert waren, und mit der straighteren Ausrichtung zunächst Probleme haben, sollten die Platte nicht gleich in die Ecke pfeffern – songschreiberisch ist das nach wie vor sehr weit oben und dass handwerklich alles im grünen Bereich ist, dürfte eh klar sein. Es liegen jede Menge hübscher Melodien im Verborgenen („Gloom“, „Death’s Canvas“ oder das richtig geile „The Maze“), die nach und nach entdeckt werden wollen – gebt dem Teil also eine Chance. Ich fand die vorigen Werke zwar auch noch fesselnder, facettenreicher und interessanter, doch um ein tolles Album, das immer noch typisch für diese Combo ist, handelt es sich trotzdem. Immerhin versteht es die Truppe, einen zu überraschen und trotz offensichtlichen Tributs an alte Helden, eigenständig zu bleiben. Von daher darf man jetzt schon gespannt sein, wie die Ausrichtung der nächsten Langrille sein wird. 

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"Ich empfinde Shows zu spielen immer als Privileg..."

In dieser Verfassung purer Genuss

„…das ist nicht ein aufgesetztes Metaltheater, das ist einfach Spirit, der Krokus-Spirit …“

"Metalcore ist nicht umsonst ein abgedroschener Begriff..."