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Kingdom Gone: Herbstblut

Hier kommt zusammen, was scheinbar kaum zusammenpasst
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic Folk Metal
Spielzeit: 66:52
Release: 17.07.2009
Label: Eigenproduktion

Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Musik-Schreiberlingen ist nach wie vor, gepflegtes Schubladendenken zu betreiben und die ihnen anvertrauten Tonträger möglichst zweifelsfrei ins Genrekorsett zu pressen. Das funktioniert mal hervorragend (spricht dann allerdings selten für musikalische Innovation) und mal nicht so gut – so wie bei „Herbstblut“, der Debütscheibe von Kingdom Gone: Das ist irgendwie Metal, teils mit klassischen, teils mit folkloristischen Einflüssen. Es wird sowohl geknüppelt als auch gekuschelt, sowohl geschrieen als auch gesungen, Bläser und Klaviere sind gleichermaßen anzutreffen und obendrein ist der ganze Spaß dann auch noch mehrsprachig. Als Referenz kommen da recht schnell Die Apokalyptischen Reiter in den Sinn, was die Klassifizierung kein Stück leichter macht, aber immerhin Anhaltspunkte bietet. Die Band selbst verleiht sich das Prädikat „Melodic Folk Metal“, was auf jeden Fall schon einmal nicht unzutreffend ist. Doch genug der Schubladen und hin zur Musik.

Was am „21.09.08“ geschehen ist, weiß wohl nur noch der Komponist. Das kurze Instrumental bietet jedoch einen orchestralen Einstieg in „Herbstblut“, an dem jeder Filmmusikkomponist seine Freude hätte. Der Bruch zum Titeltrack erfolgt daraufhin leider sehr abrupt und ein volles Orchester löst sich schlagartig in Bassgebrumm und Schlagzeug auf. Heiserer Schreigesang liefert sich zunächst ein Wechselspiel mit harten Gitarren und klassischen Instrumenten, bis die Stimmung des Tracks eine radikale Wende vollzieht und melodische Vocals mit sanfterer Instrumentalbegleitung das Steuer übernehmen, um es gegen Ende an ein einsames Klavier weiterzugeben. Facettenreichtum wird auch in „Der Musikus“ großgeschrieben, darüber hinaus fällt die leicht an Eric Fish erinnernde Stimmfärbung von Sänger Karsten Palitschka positiv ins Gewicht.

Die Aneinanderreihung und Kombination unterschiedlichster Parts zieht sich weiterhin wie ein roter Faden durch die gesamte Platte und ist gewissermaßen eine Art Stilmerkmal von Kingdom Gone. Besonders krass geht „Nacht“ in dieser Hinsicht zu Werke: In knapp sechs Minuten bekommt man Death Metal-Riffs, messerscharfe Breaks, epische Doublebass-Passagen, Akustikgitarren-Pickings, synthesizerlastige Strophen, Rabenschreie, diabolisches Gelächter sowie Gesang und Gebrüll jeglicher Couleur und auf Deutsch und Englisch geboten. Dabei finden sich immer wieder Rahmenelemente, die deutlich machen, dass man sich immer noch in den Grenzen eines einzigen Songs bewegt. Geradliniger, dafür aber schlichtweg schön gerät „All That You Be“: Eine melodische Ballade, die zwar stellenweise dick aufträgt und an den Kitschgrenzen kratzt, insgesamt aber doch gelungen zu nennen ist.

Ohnehin wissen Kingdom Gone in den Momenten, in denen nicht aus allen Rohren geknüppelt wird, am Besten zu gefallen, denn dort kann die Band mit melodischen und kompositorischen Einflüssen vom Mittelalter über diverse Folklore bis hin zur Filmmusik am effektvollsten glänzen. So geraten auch „Lückenfüller“ wie „Espana“ und „Die Vorboten“ zur unterhaltsamen Angelegenheit. Für die brachialeren Passagen würde man sich dafür manchmal eine etwas fettere Produktion wünschen, die besonders den Gitarren etwas mehr Feuer unterm Hintern macht. Für solcherlei kleine Mängel entschädigt die Band aber mit genialen Ideen wie Mariachi-Trompeten im Intro zu „Maskenball“ und Tapping-Gitarrensoli über Klavier und Doublebass („Auferstehung“).

Fazit: Mit „Herbstblut“ ist dem Quintett aus Wismar eine ungemein vielseitige, facettenreiche Platte gelungen, die sowohl unter Fans wilder Folk-Crossover-Orgien der härteren Gangart als auch unter Metallern mit ein wenig musikalischer Open-Mindedness ihre Anhänger finden dürfte. Dass man mit 17 Songs und über einer Stunde Spielzeit auch noch eine ordentliche Quantität zur Qualität geliefert bekommt, rundet die Kaufempfehlung eigentlich nur noch ab.

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