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King's Call: No Alibi

Zu seicht und zu bieder, um als Classic Rock durchzugehen
Wertung: 4.5/10
Genre: Melodic Rock
Spielzeit: 47:17
Release: 29.02.2008
Label: Music Buy Mail

Als ich das Infoblatt der Plattenfirma gelesen habe, in dem von einer Band die Rede war, die als Einflüsse Thin Lizzy, Led Zeppelin und Gary Moore angibt, habe ich mich als großer Fan der Siebziger schon diebisch gefreut, noch dazu, wo Gitarrist und Sänger Alex Garoufalidis bereits mit so namhaften Leuten wie Graham Bonnet (u. a. ex-Rainbow) zusammengearbeitet haben soll. Das wäre doch mal was: Ein schönes Classic-Rock-Album der alten Schule, jenseits aller kommerzieller Interessen, wo einfach nur richtig gut gerockt wird.

Und der Opener „Shaking“ beginnt dementsprechend sogar gar nicht so schlecht. Das Riff gleich zu Beginn hört sich einigermaßen dreckig an, erinnert tatsächlich an alte Helden wie Led Zeppelin, die Strophe danach allerdings ist etwas standardmäßig und bietet nichts wirklich Aufregendes oder Neues. Gut, auf was Neues ist man ja, wenn man eine Scheibe, die in erster Linie back to the roots gehen soll, auch nicht unbedingt fixiert – es geht schließlich hauptsächlich darum, coole, arschtretende Rocksongs zu hören.

Dummerweise aber kann hier von Arsch treten nicht gerade die Rede sein, dazu sind fast sämtliche Riffs zu standardmäßig (allein, wenn man beispielsweise die Intro-Riffs von „Never Be Alone“, „Crying Shame“ und „Shining“ vergleicht, hat man das Gefühl, das sei alles fast genau dasselbe), ist der Gesamtsound zu seicht und die Kompositionen zu vorhersehbar. Gerade die Refrains von Songs wie „Caught In A Lie“, „Never Be Alone“, „Crying Shame“ oder „All You Can Do“ zeugen nicht gerade von besonders viel Einfallsreichtum; dazu sind die Gesangslinien einfach zu wenig mitreißend und zu unspektakulär. Eigentlich wird hier fast ständig nur der Songtitel wiederholt und darauf kommt dann ein zusätzlicher Reim. Ein ganz besonders gutes – oder sollten wir eher sagen - schlechtes? – Exempel ist allerdings „Crank Me Up“: Das Main-Riff ist zwar auch schon hundertmal in ähnlicher Form dagewesen (erinnert an AC/DC), doch sicher nicht übel – aber dieser Chorus: Langweiliger geht’s nun wirklich nicht… Hört selbst und ihr werdet verstehen, was ich meine…

Und dann diese Keyboards: Sie tragen einen Großteil dazu bei, dass das Album nicht nur aufgrund des biederen Songwritings oft in seichte Gefilde abdriftet. Mit Atmosphäre oder zusätzlichen Farbtupfern zwischen Gitarren, Bass und Schlagzeug hat das nicht viel zu tun. Zwar kleistern sie nicht alles in Kitsch-Manier zu, keine Angst, vielmehr halten sie sich eher im Hintergrund, aber sie hören sich oft eher an, als könnten sie auch auf einem Herbert-Grönemeyer-Album aus den Achtzigern stehen, anstatt auf einer Scheibe zu ertönen, die sich selbst den Stempel Classic Rock aufdrückt.

Man kann zwar insgesamt sagen, dass die Songs wirklich leicht ins Ohr gehen und eine gewisse Eingängigkeit haben, aber das Ärgerliche an der Chose ist halt, dass sie auch zum anderen Ohr genauso schnell wieder rausgehen. Die CDs, die ich am meisten liebe, sind die, die ich erst nach und nach für mich entdecken musste, die wuchsen und wuchsen – und die vorliegende wird leider bei jedem Hören immer öder. Und das zeugt dann doch ziemlich eindeutig davon, wie schnell sich die Stücke abnutzen.

Eines aber muss man Alex Garoufalidis dann doch lassen: Er ist ein wirklich guter Gitarrist, der bei seinen Soli brilliert, ohne jemals in selbstherrliches Gefrickel zu verfallen, wie es mittlerweile beispielsweise bei Yngwie Malmsteen leider schon Standard geworden ist. Auch seine Stimme finde ich durchaus in Ordnung; er glänzt hier zwar technisch deutlich weniger als beim Gitarrespielen, legt aber immerhin ein gewisses Feeling an den Tag und strahlt Wärme aus.

Das ändert jedoch nichts daran, dass wir es hier mit einem Album zu tun haben, dass zwar die Bezeichnung „Rock“ durchaus noch verdient (so schlimm, dass man es als Pop oder gar Fahrstuhlmusik bezeichnen müsste, ist es dann auch wieder nicht), aber niemals die Intensität und Klasse von Bands wie Thin Lizzy oder Led Zeppelin oder die Songwriting-Qualitäten eines Gary Moore erreicht (klar, das sind allesamt Künstler mit Ausnahmestatus, aber wenn man diese als Vorbild oder Einfluss nennt, muss man sich den Vergleich nun mal gefallen lassen), dazu sind die Stücke zu austausch- und vorhersehbar.

Fazit: So richtig brauchen tut diese Scheibe eigentlich niemand und bis auf das ganz gut gemachte „Destiny“, das zumindest ein paar mehr Facetten offenbart (auch wenn man sich hier ein wenig bei Dios „Holy Diver“ bedient) und vielleicht noch den ganz gut rockenden Opener ist hier nichts wirklich Spektakuläres zu finden.

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