Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

King Fear: Frostbite

Nichts für Black-Metal-Puristen
Wertung: 7/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 33:37
Release: 27.09.2013
Label: Quality Steel Records

Nur allzu häufig denkt man bei Black Metal an einen Blick Richtung Norden, vor allem, wenn der Name Nachtgarm fällt und so locker mit den Schweden Dark Funeral in Verbindung gebracht wird, krächzte eben jener Nachtgarm dort für zwei Jahre, war und ist allerdings auch in Bands wie Negator, Aeons Confer oder eben King Fear involviert. Das ist es dann aber auch schon an Metalprominenz, was hier nicht zu sehr als Aushängeschild herhalten sollte, ist es doch Gitarrist und Bassist Mål Dæth, der hier für die meisten Kompositionen verantwortlich zeichnet.

Aber anstatt sich durch die kühlen Brisen in nördlichen Gefilden stimulieren zu lassen, zog es ihn im Schreibprozess eher zu den österreichischen Gletscherspalten. Irgendwie ein wenig verwunderlich, vielleicht auch ein wenig kauzig, aber nun gut, jeder muss sehen, wo ihn die Muse küsst. Zumindest wird schon wie auf der Debüt-EP „King Fear“ vom Mai 2012 eines deutlich: dass da wohl reichlich geküsst wurde, aber nicht immer der blackmetallische Speichel durch die Mundhöhlen wanderte, sondern sich ganz frech auch andere Einflüsse wie Death und Rock einmengten, die dafür sorgen, dass man sich nicht schnell tot hört.

Black-Metal-Puristen, die ihre Bands noch gerne in verstaubten Garagen unterbringen, um bloß nicht zu transparente Produktionen erdulden zu müssen, können nun hier schon den Geist aufgeben, denn „Frostbite“ klingt fett, modern, manchmal kalt, teilweise experimentell, nicht immer originell, aber doch mit ausreichend Tiefgang, um nicht nach dem zehnten Durchlauf entnervt den Hanseaten die kalte Schulter zu zeigen. Nach dem Intro von „Empires Aloft“ und vor allem nach dem bisherigen Werdegang des Albums ist zumindest nicht zu erwarten gewesen, dass King Fear dermaßen rasend davon scheppern, denn wie bei einem Schneesturm mit Windstärke acht durchzieht schwarzmetallische Kälte die heimischen vier Wände, kurz mit einem ruhigen Part mitten im Auge des Sturms auf Beruhigung drängend, um dann doch noch im Finale schnell und aggressiv auf den Putz zu hauen.

Im Gegensatz dazu gibt sich „Black Gravel“ schon fast schwermütig und schiebt sich wie ein erodierendes Gletscherende in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Titeltrack „Frostbite“ wiederum setzt auf ein paar Gitarrenleads, wie sie auch von Skeletonwitch bevorzugt werden, rockt zwischendurch fast gemütlich über Fels und Stein hinweg, bis dann doch wieder alles überziehender Frost in des Gestählten Hörnerv Gefrierbrand hervorruft.

Und noch einmal: Black-Metal-Puristen mit ihrem Hang zum elitären Grenzenaufbau werden keinen Spaß hier haben, dafür groovt „Death Zone“ dann doch zu melodisch und kann Einflüsse aus Thrash und Rock nicht gänzlich ausschließen. Natürlich, Nachtgarms Krächzen sorgt immer wieder dafür, bloß nicht auf die Idee zu kommen, man könnte sich hier in anderen Schubladen einnisten. Dass King Fear nicht nur auf pure Prügelei fixiert sind, machen sie dabei schon früh mit dem Opener „Conquering The Useless“ fest, ein Track, der durch zahlreiche Tempowechsel besticht, mal ordentlich groovt, dann aber auch wieder zackiger aus den Schneewehen hervorlugt. Die volle Doublebassbreitseite gibt es dann aber wieder mit „The Wickedest Man“ und dürfte dann einmal mehr eher die Genrefans zufrieden stellen.

Zwei Dinge stören an dem Debüt dann aber doch gewaltig: Zum einen ist doch zu hinterfragen, ob man eine Truppe mit Projektcharakter wirklich benötigt, zum anderen ist die Spielzeit mit knapp 34 Minuten dann doch ein wenig dürftig ausgereizt. Die Zeit reicht aber auch, um sich dem harten puristischen Black-Metal-Kern zum Feinde zu machen und seinen Hintern genau zwischen jene Stühle zu hieven, die sich nicht so ganz einfach in eine Kategorienschublade stecken lassen. Vor dem Kaufen eh erst einmal reinhören, das sollte klar sein, aber wirklich falsch machen kann man nichts.

comments powered by Disqus