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Kinetik Control: Only Truth Remains

Gitarren statt Synthesizer
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock, Alternative Metal
Spielzeit: 43:46
Release: 08.04.2011
Label: Danse Macabre Records

Aus Finnland kommen bekanntermaßen nicht nur düster-melancholische Bands, sondern auch solche, die die dem Land eigene Schwermut mit reichlich Ohrwurm-Potential anreichern – man denke nur an HIM, The Rasmus oder auch To/Die/For. Ähnlich verhält es sich auch mit den nun langsam durchstartenden Kinetik Control, die jedoch wesentlich mehr nach Amerika schielen als ihre Gothic-lastigeren Kollegen, dabei aber nicht ihr Erbe vergessen und so eine erfrischende Umkehrung des üblichen Prinzips eingängiger finnischer Rockmusik bieten.

Dass das Trio früher mal Industrial Metal gespielt hat, lässt sich allerhöchstens noch am Cover erkennen – zwar sind gelegentlich noch elektronische Elemente vorhanden, generell dominiert aber ein Gitarren-lastiger Alternative-Rock/Metal-Sound, der sich zumeist im gehobenen Midtempo einpendelt. Wie bereits erwähnt spielen dabei auch poppige Refrains und Hooks eine nicht unerhebliche Rolle, wobei auch vor sehr simplen und teilweise repetitiven Strukturen nicht zurückgeschreckt wird, weniger durchdacht wird das Songwriting dadurch jedoch nicht. Ebenfalls im Fokus steht gemäß der Ausrichtung der Sängerposten, der in diesem Fall von Sauli Vuoti besetzt wird: Dieser ist nicht nur ein sehr fähiger Frontmann, sondern besitzt auch eine klangvolle Stimmfarbe und füllt seinen Platz somit mehr als nur gut aus – lediglich der manchmal unfreiwillig komische Akzent lässt den Gesang stellenweise so klingen, als ob der Sänger eine heiße Kartoffel im Mund hat, im Gesamtkontext fällt dies jedoch nicht allzu sehr auf und bleibt verschmerzbar.

Generell betrachtet macht „Only Truth Remains“ nämlich einen eindeutig überdurchschnittlichen Eindruck, denn auch ohne die Grenzen ihres musikalischen Spielfelds zu überschreiten, wissen die Songs mit einer ausgewogenen Mischung aus rockigem, erdigem Grundsound und poppiger Melodieführung, die nur selten aufgesetzt wirkt, zu überzeugen. Gleich zu Anfang bringen es Kinetik Control mit dieser Verbindung in „Loving The Animal“ auf den Punkt: Gesang und Riffing wirken sauber, aber nicht steril, die Melodie geht ohne zu nerven ins Ohr und später gibt es sogar noch ein gelungenes Gitarrensolo. Obwohl sich der Stil der Band damit im Allgemeinen recht gut umschreiben lässt, gibt es immer noch diverse Songs, die für ein Gleichgewicht an Abwechslung sorgen – da wäre zum Beispiel „All Fours“ als härterer Track, in dem vor allem die treibenden Basslines positiv herausstechen, während „Falling Star Of Orion“ endgültig den Sprung in metallische Gefilde wagt und harte Riffs mit dramatischen Leads vermengt, wobei das tolle Mundharmonika-Solo von Hanoi Rocks-Sänger Michael Monroe für einen interessanten Stilbruch sorgt. Dieser zeigt sich weiterhin übrigens nicht nur für einige Backing-Vocals verantwortlich, sondern hat auch das Saxophonsolo in dem düsteren Ohrwurm „Chinese Medicine“ eingespielt.

Für Genre-fremde Instrumente scheinen die Finnen allgemein ein Faible zu haben, denn die Violinen in „Dying On A Prayer“ stellen zum restlichen Geschehen ebenfalls einen deutlichen Kontrast dar und sorgen für sanfte Melancholie, die einen gewissen Sentenced-Vibe versprüht. Abseits davon gräbt man gelegentlich auch nochmal die elektronischen Klänge aus, die entweder wie in „In This Life“ neben dem Klavier der zusätzlichen Betonung der Melodie dienen oder aber in „Everlasting Tide“ ein kleines Experiment ermöglichen – sphärische Klangteppiche sorgen für ein spaciges, Ambient-artiges Feeling, werden allerdings durch die etwas zu kitschige Melodie ein wenig geschmälert. Glücklicherweise nehmen Augenblicke wie diese nicht Überhand, denn wenn sie zwischendurch einmal in allzu schmalziger Form auftauchen, wie es in der Ballade „A Better Tomorrow“ der Fall ist, wandern die Augenbrauen schnell mal nach oben.

Wenn man sich „Only Truth Remains“ so anhört, mag man eigentlich kaum noch daran zweifeln, dass sich Kinetik Control mit diesem Album ihre Eintrittskarte in höhere Bekanntheitsgrade geschaffen haben; verdient hätte das Trio es jedenfalls allemal. Nahezu alle Songs besitzen Hitcharakter, sind aber düster und rockig genug gehalten, um für Freunde härterer Klänge interessant zu bleiben, so dass sie gleichermaßen fürs Radio wie auch Konzerthallen geeignet sind. Wer sowohl eingängigem Alternative Rock als auch finnischer Melancholie und Rauheit zugetan ist, sollte hier unbedingt einmal hereinhören, doch auch Fans der Ausrichtungen für sich gesehen können der Band gefahrlos eine Chance geben.

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