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Kimball/ Jamison: Kimball/ Jamison

Spiel und Spaß und doch manchmal austauschbar
Wertung: 7/10
Genre: Klassischer Rock/AOR
Spielzeit: 49:56
Release: 14.10.2011
Label: Frontiers Records

Wie ist das eigentlich mit dem Genörgel der Musikindustrie, dass man gar nicht mehr genügend physikalische Tonträger absetze, um überhaupt leben zu können? Darf dann der geneigte Fan nicht auch einfach mal hinterfragen, wer das alles kaufen soll? Mit Kimball/ Jamison werden uns nun zwei Altmeister vorgelegt, die schon eine bewegte Geschichte haben. Aber handelt es sich jetzt um eine Band im Sinne von „wir wollen es ernsthaft angehen, auf Tour gehen und weitere CDs machen“ oder ist es einfach ein Seitenprojekt, um sich nochmals kreativ auszuleben? Gut, man kann ja in einigen Jahren sagen, dass einen wieder die Lust gepackt hat und man nochmals ein Werk nachschiebt – da wissen vielleicht KaffeesatzleserInnen mehr.

Die beiden Hauptprotagonisten haben natürlich schon eine bewegte Vergangenheit. Vielen Fans dürften noch die Querelen aus dem Survivor-Lager bekannt sein, was schließlich dazu führte, dass Jimi Jamison zum wiederholten Male seinen Dienst quittierte. Und auch bei Bobby Kimball lief nicht immer alles glatt. Angeblich lösten sich Toto ja 2008 auf, um dann doch drei Jahre später wieder auf Tour zu gehen, nur Bobby war da schon nicht mehr an Bord. Er versuchte sich mit dem nicht mehr existenten neuen Standbein Yoso, ein Konglomerat aus Toto und Yes, und einer mäßig erfolgreichen, musikalisch trotzdem ansprechenden Tour in 2010 herauszuputzen.

Nun aber genug der (wichtigen) Vorgeschichte, schließlich geht es hier um das selbstbetitele Debut unter dem Namen Kimball/ Jamison. Was beim erstmaligen Durchlauf die ganze CD hindurch zu vernehmen ist: Die Musiker hatten ohrenscheinlich sehr viel Spaß, die Aufnahmen im Studio zusammen mit dem auch am Bass vertretenen Mat Sinner sollen aber auch in freundschaftlicher bis entspannter Atmosphäre getragen worden sein. Genau das hört man der Scheibe auch an, auch wenn die Melodic-Werke natürlich für Metaller-Ohren häufig an der Grenze zum Weichgespülten kratzen. 

Im Grunde machen sie aber auch genau das, was sie so erfolgreich in ihren damaligen Stammbands praktizierten: Klassische Rocksongs. Da passt es natürlich, dass die Pianoparts bei „Find Another“ auch ein wenig Richard Clayderman-Flair ausströmen, der balladeske Stoff zumindest durch den wechselnden Gesang gewinnt und am Ende doch wie so viele Musikstücke dieser Musikrichtung völlig austauschbar klingt. Ganz etwas anderes ist da schon das treibende „Chasing Euphoria“ mit hochklassiger, aber nicht aufdringlicher Gitarrenarbeit und dem ganz großen Trumpf dieses Duos: Auch hier funktioniert der Lunge in Lunge übergehende Gesang einwandfrei, lockert die Stimmung und bringt tatsächlich Lust und Freude ins Wohnzimmer – vertonte Spielfreude auf CD und live sicherlich ein Burner.

Natürlich muss man sich aber auch mit einem mit elektronischen Spielereien angereicherten „Can’t Wait For Love“ auseinandersetzen, ein Track, der im Refrain frisch und froh Energie aufnimmt, aber ansonsten gewöhnliche Radiokost bedeutet. Aber auch Mitklatschtracks wie „Get Back In The Game“ hinterlassen klassisches Rock-Feeling, wobei man die ganzen bei Bobby und Jimi angesammelten Lenze nicht merkt. 

Fast 50 Minuten haben Kimball/ Jamison zusammengetragen und natürlich müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht wirklich innovativ neue Wege zu bestreiten und dem Erfolgspfad von Toto und Survivor nur allzu gerne eingeschlagen hinterherzuhecheln. Doch es gibt einen nicht unwichtigen Punkt auf „Kimball/ Jamison“ in diesem unsäglichen Meer an austauschbaren Radiorockbands: Bobby und Jimi vermitteln genau diesen Spaß, den sie im Studio hatten, sie befreien sich von den engen Bandfesseln vergangener Tage, leben und lieben noch immer das, was sie mögen, und genau diesen Punkt haben sie in jede verdammte Note eingebracht. Natürlich ist ein Großteil der Mucke für hart rockende Ohren verfickt poppig, aber Classic-Rock Fans und AOR-JüngerInnen haben hier vertonten Spaß zweier Altrocker, die ihren wiederholten Frühling erleben. Über das strunzenlangweilige Artwork wollen wir da keine Worte mehr verschwenden.

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