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Kim Carsons: Kim Carsons

Kauzig, krank, Kim Carsons
Wertung: 8/10
Genre: Psychedelic Neofolk
Spielzeit: 21:32
Release: 01.01.2007
Label: Hau Ruck S.P.Q.R.

Kauzig, krank, Kim Carsons. Wenn die Musik nur auch so schön wäre, wie diese Alliteration. Gut ein „psychedelisch“ hätte dort nicht reingepasst, wäre aber durchaus angemessen gewesen bei der Beschreibung dieser EP vom italienischen Künstler Alessandro Manni, der unter dem Pseudonym Kim Carsons auftritt.

Der Künstler, jung und verträumt verzweifelt, nutzt Kim Carsons als sein Ventil. Er sagt, Kim Carsons sei seine rauchende Pistole, seine eigene Strategie und seine nackte Vision. Kim Carsons sei eine globale Idee. Was all dies zu bedeuten hat, scheint man wohl nur zu erahnen, wenn man sich der Stimmung der vier Lieder und den eigentümlichen Texten hingegeben hat. Die erzeugte Atmosphäre gewinnt nicht zuletzt durch die Wohnzimmerproduktion der EP an Glaubwürdigkeit. K.C. schafft es, mit psychedelischen Strukturen und zum Teil verträumten, teils dermaßen melancholischen Melodien den Leuten eine Gänsehaut auf den schmerzempfindlichen Menschenüberzug zu zaubern, dass man denkt, er säße einem direkt im Ohr. Nur von „er“ zu reden würde der Musik aber nicht gerecht werden, so bekam Manni noch Unterstützung von der Johnson Family Band, namentlich Corrady 'Sticky Boots' Ficarelli (Schlagzeugprogrammierung), Anthony Hiller (Bass), Mathew Bird (Gitarre auf „1996“) und Michela Satamick Cianfarani (Hintergrundgesang auf „Betty Sue'cide“).

Der Siebenminüter „Betty Sue'cide“ beginnt äußerst merkwürdig mit der gesprochenen Geschichte eines jungen Mädchens und scheinbar wahlloser Hintergrundinstrumentierung bis dann die A-Gitarre übernimmt. Am tiefen, mahnenden und zum Teil gehauchten Gesang werden sich wohl auch die Geister scheiden.

Bei „1996“ hört man den Schmerz aus jeder Note. Nicht offensichtlich, aber sowohl zwischen den Zeilen, als auch zwischen den Anschlägen ist die Melancholie allgegenwärtig. Ganz starkes Stück.

Ambient-Elektronik zeichnet den Beginn von „Summer Snow“ aus. Fein gezupfte Saiten schallen dann leise in den Raum hinein, während Kim Carsons sanft hinterherbrummt. Das programmierte Schlagzeug erinnert allerdings eher an Trip Hop und nimmt dem Lied ein wenig Mystik.

„This Is Kim“ beginnt mit den Worten William S. Burroughs, der Kim Carsons hier vorstellt, bevor Kim selbst loslegt. „The Place Of Dead Road“ stand Pate für den Text und die erstmals sehr dichte Instrumentierung führt dann auch vom Wohnzimmergefühl ab, wieder zurück in die Realität.

Passend zur außergewöhnlichen Musik steht auch die Verpackung. Die auf 222 Stück limitierte EP kommt als professionelle CD-R in einer aufklappbaren 7“-Pappe mit extra PVC-Sleeve für den Silberling. Alle Texte finden sich in der Mitte des von außen mit einem schwarzen, gitarrespielenden Kim Carsons vor einem dunkelrot-violetten Ruinenhintergrund verzierten Klappcovers.

Hauruck SPQR haben hier den Vertrieb für ein Kleinod des psychedelischen Neofolks übernommen. Kim Carsons klingt wie eine eigenständige und gewöhnungsbedürftige Mischung aus Johnny Cash, Death In June und Spiritual Front. Vorsicht ist trotzdem geboten. Wer nicht mit Melancholie, Gänsehautatmosphäre und seichtem Country-Feeling klarkommt, dafür eher auf Neofolk-Militärfaxen steht oder was zum Tanzen benötigt, ist hier falsch.

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