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Killswitch Engage: Disarm The Descent

Gänsehaut ist garantiert
Wertung: 9/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 41:00
Release: 02.04.2013
Label: Warner Music Group Germany

Über ein Jahr ist es mittlerweile her, dass Howard Jones öffentlich machte, dass er raus sei bei Killswitch Engage. Die Diagnose Diabetes mag nun nicht wie ein Todesurteil anmuten, trug aber einen Großteil dazu bei, dass der sympathische Fronter sich von seiner Band verabschiedete.

Jahre zuvor hatten sich ähnliche, nur nicht ganz so herzliche Szenen abgespielt: Erstsänger Jesse Leach hatte seiner Band den Rücken gekehrt, als Ersatz kam Jones mit ins Boot. Nach dessen Ausstieg die große Frage: Bleibt die Band weiterhin bestehen? Und: Mit wem? Die Alteingesessenen, die sich immer Leach zurückgewünscht hatten, wurden schließlich belohnt: Der spargeldürre Ami hatte schon zuvor mit KsE-Gitarrist Adam D. wieder gemeinsame Sache gemacht und unter dem Namen Times Of Grace auf ebenso hochwertige Weise in eine ähnliche Kerbe geschlagen; nun war es Zeit, sich wieder mit der alten Band zusammenzutun.

Mit „Disarm The Descent“ steht nun nicht nur das sechste Album der Truppe in den Startlöchern, sondern auch der erste Killswitch-Engage-Output der letzten Dekade mit Jesse am Mikrofon. Gespannt musste man sein, denn qualitativ hatten die Jungs auch mit der letzten, erneut selbstbetitelten Scheibe einiges zu bieten. Qualität ist aber natürlich nicht alles, es gehört vor allem auch eine ganze Menge Herzblut mit dazu, sich wieder mit seiner früheren Band einzulassen – dementsprechend schwankt man so ein bisschen zwischen Unbedingt-hören-wollen und dem Gedanken „Wenn die das versauen, kann ich die Band abhaken“. Da widmet man sich schon mal länger als 41 Minuten der Scheibe, um auch wirklich sicher zu gehen, wie man sie nun eigentlich findet.

So richtig schlüssig ist man sich aber auch nach wiederholtem Durchhören nicht. Starke Songs sind dabei, technisch kann man wie immer überhaupt nicht meckern und auch der Sänger macht einen grandiosen Job. Aber ein bisschen hat man das Gefühl, es würde etwas fehlen, der letzte Funke, der noch nicht so ganz überspringen wollte – aber fangen wir vorne an:

„The Hell In Me“ wummert unter der Drei-Minuten-Grenze an der Openerposition durch die Boxen. Markerschütternde Schreie und ohrenbetäubendes Riffing inklusive, vereint der Song knackig einige der herausragendsten Bandmerkmale und zeigt auch gleich auf, weshalb der Fronter zu einem der besten Sänger der modernen Metalszene gehört: Zwischen kreischenden Screams und tatsächlich herzerwärmendem Klargesang pendelt der Amerikaner mit einer schlafwandlerischen Sicherheit, die bei seinem Vorgänger auf Platte ebenso wie live nicht immer gegeben war. Zwar war Jones' Stimme dunkler und weicher, mit dem kräftezehrenden Wechsel hatte er aber deutlich mehr Schwierigkeiten.

Gerade auf diese Balance zwischen hart und sanft scheint auf „Disarm The Distance“ mehr Gewicht gelegt zu werden als bei früheren Alben. Klar, ist dies doch das, was die Truppe in den letzten Jahren nahezu perfektioniert hat. Das vorab ausgekoppelte und auch visualisierte „In Due Time“ gehört dann trotz der deftigen Schreie in den Strophen zwar eher zu den massentauglicheren Tracks der Platte, aber auch hier wird dieser Wechsel wieder zelebriert – und das auf gewohnt hohem Niveau. Auf die Liste der Anspieltipps schafft der Track es hier aber dennoch nicht – dafür hat sich „Turning Point“ dort einen ganz klaren Platz reserviert: Allein beim Refrain kann man jede noch so kleine Wendung in der Nuance von Jesses Stimme verfolgen, jede Gefühlsregung – Wahnsinn, wie der Mann sich hier dem Publikum preisgibt. Da würde man selbst eine Gänsehaut bekommen, wenn er über den Hausputz singen würde.

Ebenfalls unter die Top drei schafft es dann „Always“, das zwar gut und gerne als ruhigster Song der Scheibe durchgehen kann, aber mit einem hypnotischen Rhythmus und leicht echobehaftetem Gesang aufwartet und einen unerwartet traurig klingenden Refrain hervorbringt, bei dem schon mal die Tränendrüse anfängt zu zittern.

Wie erwartet liefern Killswitch Engage auch auf ihrer sechsten Platte Hochwertiges ab. Tatsächlich kann man die Scheiben sogar nach Stimmungen ordnen, je nachdem, welcher Sänger am Werke war – denn nicht nur, dass Jesse Leach ein anderes Stimmvolumen hat als Howard Jones, es findet sich auch eine melancholische, irgendwie befreite Stimmung auf „Disarm The Descent“ wieder, die auf den Hörer eine ganz eigene Wirkung hat. Sehr empfehlenswert!

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