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Killing Joke: Pylon

Die Achtziger halten wieder Einzug
Wertung: 8,5/10
Genre: Industrial Rock, Punk, Alternative
Spielzeit: 57:09
Release: 23.10.2015
Label: Spinefarm Records

Killing Joke veröffentlichen Album Nummer 16. Das muss man so erst mal in die Großhirnrinde einsickern lassen, kommen doch die wenigsten Bands auf einen solchermaßen reich bestückten Backkatalog. „Pylon“ erscheint passend zur gruseligen Jahreszeit Ende Oktober und bietet an sich nichts Neues. Da Killing Joke aber nie vorhersehbar sind und immer wieder zwischen diversen Genres wechseln, ist die Platte an sich aber natürlich doch neu und spannend. Gleichzeitig sind die Briten sich aber schon inhaltlich treu geblieben, schließlich sind und waren Killing Joke immer auch eine politische Band, was Titel wie „New Jerusalem“ oder „War On Freedom“ auch aktuell ganz deutlich belegen.

Musikalisch geht es auf „Pylon“ ein wenig gesitteter zu als beispielsweise auf der mittlerweile auch schon wieder fünf Jahre alten „In Excelsis“-EP. Tatsächlich startet die Scheibe schon mit „Autonomous Zone“ und dem vertrauten Schlagzeug ebenso wie dem allseits bekannten und immer wieder leicht gruseligen, echolastigen Gesang von Chef-Revoluzzer Jaz Coleman, der keinen Tag älter klingt als auf der letzten Platte. Allerdings, Aggressionen sucht man hier erst mal vergebens, die Atmosphäre mutet vielmehr etwas resignierter an als noch bei den letzten Veröffentlichungen.

„Euphoria“ geht passenderweise dann eine ganze Spur dynamischer zu Werke als sein recht lahmarschiger Vorgänger „New Cold War“ und beinhaltet eine beinah New Wave-artige Leadgitarre. Auch, wenn hier ein bisschen poppig agiert wird, kann man den Track noch längst nicht dem Mainstream zuordnen, vielmehr handelt es sich nach längerem Hören tatsächlich um Post-Punk-Anleihen, die der Band verdammt gut zu Gesicht stehen und gerne öfter neben dem Industrial-Rock-Skelett existieren dürfen. Auch „Big Buzz“ bietet nochmal diesen aus den achtziger Jahren entliehenen und immer (zumindest von mir) gerne gehörten New-Wave-Beat, der gleichzeitig zum Tanzen einlädt, aber auch dazu, sich über das Unbill der Welt den Kopf zu zerbrechen.

Das folgende „Delete“ bedient dann eher wieder die Industrial-Freunde, weist einen sehr eingängigen Beat auf und schafft ein wenig Gänsehaut mit der erneut leicht hallenden Stimme des Chiefs, wie er ohne jegliche hörbare Gefühlsregung über die Welt philosophiert. Hier klingen Killing Joke dann wieder hundert Prozent wie Killing Joke, vor allem der Refrain lässt keine Zweifel darüber, wer hier gerade zugange ist. Super bratende Gitarren geben zwischendurch noch eine Prise Aggressivität in die ganze Suppe, damit der stumpfe Beat nicht allzu eintönig wird.

Selbiges Level wird zu „I Am The Virus“ noch ein Stück hochgeschraubt – besser spät als nie, beinah hätte man glauben können, dass die Briten alt geworden wären. Zum Abschluss bietet „Into The Unknown“ noch mal ein richtig schönes Beispiel für die sphärische Seite der Band, bei der man förmlich sehen kann, wo sich Kollegen wie Fear Factory eine Scheibe abgeschnitten haben, klingen doch solcherlei galaktische Passagen in Songs wie „Archtype“ nach. So lässt sich die musikalische Verwandtschaft der beiden Truppen doch mal einwandfrei nachweisen.

Killing Joke können nicht enttäuschen, überzeugen auf „Pylon“ aber auch nicht zu hundert Prozent. Songs wie „New Cold War“ fehlt einfach der bandeigene Drive, den man ansonsten aber glücklicherweise auf fast allen Songs dieses Albums wiederfindet. Nach 16 Studioalben immer noch ein Album ohne große Lücken aufweisen zu können, muss den Briten erst mal jemand nachmachen.

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