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Killing Joke: In Excelsis EP

Die alten Hasen haben’s immer noch drauf
Wertung: 8.5/10
Genre: Industrial Rock, Punk, Alternative
Spielzeit: 26:50
Release: 13.08.2010
Label: Spinefarm Records

Wenn eine Band wie Killing Joke zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder im Original-Line-Up spielt, muss ein besonderes Ereignis anstehen. Der 30. Geburtstag zum Beispiel. So lange verbreiten die Briten um Oberzyniker Jaz Coleman nämlich schon ihre Musik in der Welt, eine Mischung aus Industrial, Punk und Rock, die oft sofort zündet, ab und an aber auch mal Stunden braucht, bis man hinter einen Song gestiegen ist. Im September diesen Jahres soll ihr mittlerweise 13. Studioalbum mit dem Titel „XIII: Feast Of Fools“ erscheinen, auf dem wie zu Urzeiten Gitarrist Geordie Walker, Bassist Youth und Drummer Paul Ferguson Coleman begleiten werden – einen Vorgeschmack gibt es mit der 5-Track-EP „In Excelsis“, auf der Stücke enthalten sind, die zwar bei den Aufnahmen zur neuen Platte entstanden sind, die es aber nicht alle hundertprozentig auf die Trackliste schaffen werden.

Seit Ende der Siebziger Jahre treibt das Quartett nun sein Unwesen, krempelte die komplette (Post-)Punk-Szene um, die Rock- und Industrial-Szene gleich noch dazu und machte sich weltweit einen Namen als interessante, innovative, aber nicht minder komplizierte Band, woran vor allem Aushängeschild Jaz Coleman nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte. Als harter Zyniker, sowohl was gesellschaftliche als auch politische Themen anging, rissen sich die Journalisten nicht unbedingt um Interviews mit ihm – meist war man danach nämlich nicht sehr viel schlauer als vorher, im Gegenteil; der Brite liebte es, seine Gegenüber zu verwirren und lacht sich wahrscheinlich heute noch einen Ast, wenn er alte Interviews sieht.

Eine provokante, polarisierende Band also, die wir hier vor uns haben, 30 Jahre nach ihrer Gründung und immer noch frisch wie am ersten Tag – zumindest in musikalischer Hinsicht. Dass Killing Joke wegweisende Bands wie Nirvana, Ministry, KoRn und unzählige andere maßgeblich beeinflusst haben, kann man sich gut vorstellen, wenn man die aktuelle EP der Band hört – hier wie auch in der Vergangenheit vermischen die Männer fröhlich alles, was ihnen unter die Finger kommt, von Electro über Metal bis hin zu New Wave, Punk und Alternative Rock, es gibt nichts, was es bei Killing Joke nicht gibt. Und alles passt zusammen, das ist das Schärfste daran.

Bereits der punkige Titeltrack kann mit Fug und Recht als genial bezeichnet werden, der Gesang ist mit ordentlich Hall versehen und klingt trotzdem cool und man merkt an einer gewissen Routiniertheit, dass die vier Musiker durch jahrelange Übung perfekt aufeinander abgestimmt sind, ohne jedoch auch nur im Geringsten gelangweilt zu wirken. In einem ähnlichen Tempo, aber mit dominanterem Bass geht’s mit „Endgame“ weiter, bei dem der Gesang aggressiv ausfällt als zuvor und dem Stück einen rohen, unproduzierten Touch verleiht, bei dem trotz allem die Ohrwurmtauglichkeit nicht verloren geht.

Obwohl „Kali Yuga“ sehr tanzbar und rasant beginnt, entwickelt sich im Laufe des Songs dank der etwas irritiertenden, weil mit Echo behafteten Vocals, eine gruselige Atmosphäre, die auch im folgenden „Ghost Of Ladbroke Grove“ nicht abreißt. Mit nur fünf Tracks, von denen der letzte auch noch ein Remix ist, eine solche Stimmung zu verbreiten, schaffen nur die wenigstens Bands und Killing Joke beweisen einmal mehr, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Im Gegenteil, die Songs klingen frisch, trotz oder gerade wegen ihres ungeschliffenen Klanges, der sehr zum Flair der EP beiträgt. Eine starke Platte, von der sich viele junge Bands noch eine Scheibe abschneiden könnten.

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