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Kevin Devine: Instigator

Sehr amerikanisch - sehr abwechslungsreich
Wertung: 8,5/10
Genre: Indie Rock, Punk Rock
Spielzeit: 34:59
Release: 18.11.2016
Label: Big Scary Monsters

Kevin Devine klingt so amerikanisch, wie ein amerikanischer Singer/Songwriter nur klingen kann. Der gute Mann vermischt Indie Rock, Alternative Rock, Blues und Folk-Elemente zu einer meist recht entspannten Mischung, die aber auch mal ausrasten kann – zu hören auf dem neuen Album „Instigator“, das Ende November via Big Scary Monsters (den Labelnamen find‘ ich immer wieder super) das Licht der Welt erblickte. Dabei ist Kevin Devine sogar so amerikanisch, dass er auf seinem neuen Album gleich einen Song zum 15. Jahrestag des elften Septembers untergebracht hat („No History“).

Dabei zeigt der New Yorker sich erstaunlich abwechslungsreich, der Opener „No Why“ versprüht in den Strophen einen Hauch Ramones, bei „Guard Your Gates“ gibt man sich ein bisschen grungig, die perlende Gitarrenspur erinnert gar ein wenig an „Smells Like Teen Spirit“ (nur ohne das Ausgelutschtsein), und „Before You’re Here“ bietet eine elektrifizierte Version des Rock’n’Roll-Sounds der Fünfziger so authentisch, dass man gründlich googlen muss, um festzustellen, dass es sich hier nicht um einen Coversong handelt (ganz sicher bin ich mir allerdings noch immer nicht – der Song klingt so sehr nach den Fifties!).

Wenn man sich diesen kurzen Querschnitt mal anhört, zeigt sich schon, dass „Instigator“ trotz seiner teils recht akustisch ausgerichteten Seite alles andere als langweilig daherkommt. Zwar mag die Stimme des Sängers nicht jedem zusagen, ist sie doch sehr gefällig – Ecken und Kanten sucht man recht vergeblich. Gerade das erlaubt es dem Musiker aber, in verschiedene Stilgewänder zu schlüpfen, bei raueren Passagen wie im finalen „I Was Alive Back Then“ sogar mal ganz kurz einen Springsteen-Moment aufblitzen zu lassen, oder sich bei „Magic Magnet“ wie ein 20-jähriges Punkkid aufzuführen.

Das eingangs bereits erwähnte, naturgemäß recht wütend ausfallende „No History“ entpuppt sich dann trotz seines sehr ernsten Hintergrundes als recht tanzbarer Ohrwurm; ähnlich ernsthaft, aber um einiges gänsehäutiger kommt das akustische „Freddy Gray Blues“ daher, einem Gedenksong für den jungen Afroamerikaner Freddy Gray, der im Frühjahr 2015 in Polizeigewahrsam zuerst ins Koma fiel und schließlich verstarb.

„Instigator“ stellt ein überraschend abwechslungsreiches Album dar, das sich einem beim ersten Durchgang gar nicht unbedingt als solches erschließt. Nebenbei gehört, findet man auf der Platte einfach elf solide Songs, die man gut hören kann, ohne sich beispielsweise beim Kochen gestört zu fühlen. Sich näher damit auseinander zu setzen, lohnt aber nicht nur musikalisch sondern auch textlich – damit ist „Instigator“ ein schönes Gesamtpaket, das mit einem wahnsinnig guten Cover (aus dem Familienalbum?) abgestimmt wird.

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