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Kettcar: Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen

Kümmernde Songs, die aus sich selbst die Welt beschreiben
Wertung: 9/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 41:20
Release: 07.03.2005
Label: Grand Hotel van Cleef

Kettcar hatten einige Schwierigkeiten zu meistern, als sie auf der Suche nach einem Plattenvertrag für ihr erstes Album "Du und wieviel von deinen Freunden" waren. Kein Label war bereit, die zugegebenermaßen etwas eigenwillige Band unter Vertrag zu nehmen. Als Alternative blieb schließlich nur, sich selbstständig zu machen und eine eigene Plattenfirma zu gründen. Heraus kam schließlich das "Grand Hotel van Cleef". Das Debüt wurde veröffentlicht und die großen Firmen rissen sich plötzlich um die Band - vergeblich. Kettcar sind nach wie vor dem Grand Hotel treu, "Du und wieviel von deinen Freunden" verkaufte sich mittlerweile 30.000 Mal.

2005 warfen Kettcar mit "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" ihr zweites Werk auf den Markt, das von Anfang an von Erfolg gekrönt sein sollte. Wie das Debüt zwitschern uns auch die Spatzen allerlei Geschichten aus dem Alltag vom Dach. Dabei wird an verwirrenden und zweideutigen Phrasen keinesfalls gespart, allerdings ist jeder Text klar nachzuvollziehen.

Nehmen wir zum Beispiel "48 Stunden", eindeutig das Herzblut dieses Albums. In seiner unverwechselbaren Art und Weise brummt uns Marcus Wiebusch von einem wunderbar traurigen Abschied vor, den sicher jeder von uns früher oder später einmal erleben wird.

"Eine grenzenlose Liebe gegen die paar hundert Kilometer / und wenn das hier mal ein Traum war, ist er böse, denn hier geht er."

Selten wurden die Tatsachen so klar auf den Tisch gelegt, selten fühlte man sich selbst so gut verstanden. Mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Ganz so ernst geht es jedoch nicht immer zu. "Stockhausen, Bill Gates und ich" beispielsweise wird zwar in den auf der Bonus-DVD enthaltenen Linernotes - nur in der limitierten Erstauflage dabei - als wahr verkauft, versteht sich aber als gelungene Fantasieanekdote über das Event einer Schlägerei zwischen Karlheinz Stockhausen - einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts - und Bill Gates.

"Es ist besser, für das was man ist, gehasst, als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden."

Trotz aller Herumalberei trägt auch dieses Lied eine ernste Botschaft in die Welt. Sätze, die die Welt erklären. In dieser Kategorie ist "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" die erste Adresse.

Musikalisch darf man allerdings keine Höchstleistungen erwarten - es handelt sich hier schließlich immer noch um eine Band, die die Welt ein Stück besser machen will. Dass dieses Vorhaben aufgrund mangelnder Angebote von Seiten der Plattenfirmen beinahe gescheitert wäre, wird in "Handyfeuerzeug gratis dazu" schonungslos gerächt.

Neben Handyfeuerzeugen und Klingeltönen werden auch in "Einer" Trends miteinander verknüpft und bieten so Zündstoff für neue Verschwörungstheorien. Anstoß zu diesem Song war wohl das Schulmassaker in Erfurt und dessen Suche nach dem wahren Grund dafür. War es nun "Counter-Strike, Markus Merk, MP3s, Courtney Love"? Eine Antwort wird leider auch hier nicht gegeben.

Mitten rein in dieses wunderschöne Album sticht mit Balu eine herzerweichende Ballade, deren Inhalt sich um die Schwierigkeit dreht, einen überlegenen Menschen an seiner Seite zu haben. Will heißen, eine wunderbare Ode an die vermutlich wundervollste Frau der Welt. Die Metropole, neben der man wie ein kleines, verlorenes Dorf erscheint.

"Manche sagen es wär einfach, ich sage es ist heikel. / Du bist New York City, und ich bin Wanne-Eickel."

Vergessen ist dieser Zustand jedoch erst, wenn Madame sich auf ihre Wurzeln besinnt und so die Einheit zwischen Mann und Frau ermöglicht. Oberflächlich betrachtet und fernab von jedem Zusammenhang zum Rest des Liedes kann man es auch anders ausdrücken: "Frieden ist, wenn alle gleich sind."

Kettcar sind vielleicht nicht elegant und cool, aber wenn man da hingeht, wohin die Songs von Kettcar gehen, ist elegant und cool eh unglaublich weit weg. Sie beherrschen das, was immer weniger beherrschen oder beherrschen wollen: Kümmernde Songs, die aus sich selbst die Welt beschreiben.

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Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging