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Kerbenok: o

Heidnische Musik der garstigen Art
Wertung: 6.5/10
Genre: Black/ Pagan Metal
Spielzeit: 71:26
Release: 28.11.2008
Label: Northern Silence Productions

Bands, die sich heidnischen Inhalten verschrieben haben, gibt es viele. Und fast alle von ihnen spielen einen Mix aus Black- und Pagan Metal, wobei das Pendel in die eine oder die andere Richtung ausschlagen kann. Kerbenok aus Schleswig-Holstein bevorzugen die garstigere Variante und haben mit tanzbaren Melodien nicht viel am Hut. Stattdessen sieht man sich als Band mit einer „positiven Einstellung, die sich mit den verwirrten Wegen der Menschheit, dem Leben der Natur und dem 'Großen Sein' beschäftigt“. Nun gut, ich kann nicht gerade behaupten, dass ich so etwas noch nie gehört habe. Aber solange die seit neun Jahren existierende Band (die bis Juni 2009 pausiert) musikalisch etwas zu bieten hat, sieht man gerne über die etwas austauschbaren und hochgestochenen Worte hinweg. Nach zwei MCDs und einem Doppelalbum (2005) ist es nun also an der Zeit für „o“.

Zehn Lieder in über siebzig Minuten Spielzeit - das dürfte klar machen, dass man sich auf sehr lange Tracks gefasst machen kann. Und so ist es, denn dem kurzen Opener „Aus der Stille“ zum Trotz, erreicht „Heimstatt in Trümmern“ eine stolze Länge von fast einer Viertelstunde. Eine düstere Atmosphäre umgibt die Musik, die sich eindeutig im Black Metal-Bereich einordnen lässt. Die gelegentlichen Zitate aus dem Doom und Pagan Bereich sorgen für einen Klang, den nur wenige Bands spielen. „Heimstatt in Trümmern“ zeigt auch, warum dem so ist. Es ist sehr schwer, mit möglichst wenigen Riffs (ein Merkmal dieses Stils) einen packenden epischen Song zu kreieren, der über seine gesamte Länge zu fesseln vermag. Das ist Kerbenok hier nur bedingt gelungen, denn vieles wirkt ein wenig zusammengepuzzelt, so als würde man einzelnen Fragmenten lauschen.

Um es kurz zu machen: Auch die nachfolgenden zwölf Minuten in Form von „Die Schwere unserer Glieder“ kranken an diesem Problem. Besserung aber naht: „Im Kreise ziehen wir unsere Runden“, hier wird erstmals das Potential von Kerbenok wirklich erkennbar. Beim ersten Hören kann es einem leicht entgehen, wie viele Instrumente aus dem Folk im Klang der Band eine gewichtige Rolle spielen und dennoch nicht gnadenlos in den Vordergrund gemischt wurden. Wie selbstverständlich passen sie sich dem Gesamtbild an und erinnern in ruhigen Momenten sogar ein wenig an Empyrium. Ein weiterer Pluspunkt ist der geringere Einsatz des eine zu Spur zu theatralischen cleanen Gesangs. Zu den schnellen Passagen passt das garstige Black Metal-Timbre ohnehin besser und die ruhigen Momenten funktionieren vor allem rein instrumental.

Die Freude hält an, denn mit „Waldfrieden“ schenkt uns die Band nicht nur ein wunderbares akustisches Lied, sondern mit „Frihet er våres“ (hier zeigt sich das „Nordische Philologie“-Studium von Sänger Stefan) auch ein etwas vom bisherigen Kurs abweichendes Stück, das durch den stärkeren Folk-Anteil aufhorchen lässt. Dies trifft ebenso auf die guten Melodien zu, die die schwache Produktion etwas vergessen lassen. Als weiteren Pluspunkt möchte ich die gewählte Sprache anführen, denn deutsche Black Metal-Lyrics mit von Pathos geschwängerten Texten sind eben recht gewöhnungsbedürftig und wenn man sie nicht versteht, mag man das als positiv ansehen. Es ist mir aber durchaus bewusst, dass gerade diesen Punkt viele anders sehen werden, aber zur Erklärung sei gesagt, dass ich auch mit Dornenreich nicht allzu viel anfangen kann. Abgesehen von diesem Punkt ist „Frihet er våres“ wohl das beste Lied von „o“, welches aber wieder ein wenig zu lang geraten ist. Kerbenok scheinen ein Problem damit zu haben, einen Song etwas zu straffen und ihn zugänglicher zu machen.

Danach wird es konfus oder, um es positiver zu formulieren, experimentell. „Verstandes Klinge“ ist vor allem was das Schlagzeug angeht, ziemlich vertrackt aufgebaut, was aber nur eine Vorbereitung auf „Lys“ zu sein scheint. Dieses Stück beginnt nämlich ein wenig jazzig, ist abermals stark von den Percussion-Elementen geprägt und verzichtet konsequent auf die Vocals. „Hardangervidda“ scheint anschließend völlig auf metallische Einflüsse zu pfeifen und lieber eine abgespacete (mir fällt wirklich kein passenderes Wort hierfür ein) Klangcollage zu weben, so dass die kurzen Black Metal-Ausbrüche den Hörer völlig unvorbereitet treffen. Den Song an sich übrigens auch, denn irgendwie hat das Ganze weder Hand noch Fuß, womit wir wieder bei der Beschreibung „konfus“ angelangt wären.

„o“ ist kein schlechtes Album und Kerbenok eine talentierte Band. Woran es dann liegt, dass ihr zweites Album kaum fesselndes Songmaterial enthält, lässt sich schwer beschreiben. Ich persönlich fühlte mich beim Hören immer so, als würde ich auf einem schmalen Grad wandern. Auf der einen Seite fühlte ich mich gefesselt von den langen Liedern, auf der anderen Seite fragte ich mich, ob ich nicht nur einfach eine angenehmen Hintergrundbeschallung lauschte und mich berieseln ließ. Komplizierte Sache, warten wir ab, wie es mit Kerbenok weiter geht, wenn Stefan im Juni von seinem Auslandssemester zurückkehrt.

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