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Keep Of Kalessin: Reptilian

Ein würdiger Nachfolger zu "Kolossus"
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 56:57
Release: 14.05.2010
Label: Nuclear Blast

Keep Of Kalessin sind momentan mächtig angesagt – und das nicht nur wegen ihrer Teilnahme an der norwegischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest, wo sie einen respektablen dritten Platz belegen konnten. Innerhalb der Szene galt die Band schon vorher als eine der größten Hoffnungen im Extrem Metal-Bereich, besonders die überragende Scheibe „Kolossus“ (2008) steigerte den Bekanntheitsgrad des Vierers enorm.

Viele Fans befürchteten aufgrund eben jenes Auftritts beim norwegischen Grand Prix, die Gruppe würde nun Sell-out betreiben, nicht zuletzt wegen des – machen wir uns nichts vor – doch sehr auf Mainstream gebürsteten Songs „The Dragontower“. Doch wer glaubt, dass alle Stücke auf dem neuen Album „Reptilian“ auf Mitklatschen ausgerichtet sind, liegt zum Glück schwer daneben. Keep Of Kalessin lieben es nach wie vor, den Leuten Blastbeats um die Ohren zu donnern und agieren zumeist im Uptempo-Bereich, obwohl das Ganze im Vergleich zum Vorgänger noch bombastischer und hymnischer daherkommt und manche Riffs sogar an Power-Prog der Marke jüngere Symphony X erinnern. Die Keyboards und Gothic-mäßigen Stimmen integrieren sich jedoch bestens in die Stücke und werden nicht übertrieben eingesetzt – hier regiert wirklich immer noch das volle Brett.

Überflüssig zu erwähnen, dass man spieltechnisch mal wieder die gesamte Konkurrenz in der Schwarzmetallszene an die Wand spielt – was insbesondere Schlagzeuger Vyl und Gitarrist Obsidian C. an ihren Instrumenten abliefern, ist schlichtergreifend unfassbar und als Normalsterblicher kaum noch nachzuvollziehen. Doch auch songschreiberisch bewegt man sich weiterhin auf einem Schwindel erregend hohen Level; es gibt zur Zeit kaum eine andere Combo im Extremsektor, die so geschickt kompromisslose Härte mit hymnischen Parts und eingängigen Gitarrenmelodien verknüpft, was wohl der Hauptgrund für den großen Erfolg von Keep Of Kalessin sein dürfte.

Das insgesamt viertelstündige Eröffnungs-Doppelpack mit den beiden fein ausgearbeiteten Songs „Dragon Iconography“ und „The Awakening“ (überragend!) beweist auf der Stelle, dass die Band weiterhin stetig auf dem Weg an die Spitze des Extrem Metal-Bereichs ist und mit den rasend schnellen „Judgement“, „Leaving The Mortal Flesh“ und „The Divine Land“ hat man drei absolute Highspeed-Kracher im Gepäck, bei denen man sich genüsslich die ratlosen Gesichter der Eurovision-Hörer vorstellen will, wenn sie sich nach der Einfuhr von „The Dragontower“ vielleicht überlegen, mal abzuchecken, was die Gruppe sonst noch so fabriziert.

Apropos „The Dragontower“: Der Song mag wie erwähnt recht „kommerziell“ erscheinen, allerdings lässt sich nicht leugnen, dass er mit seinem Mitsing-Refrain natürlich einen idealen Live-Song markiert – außerdem sind Keep Of Kalessin auch hier zu jeder Sekunde herauszuhören und ich hätte auch nicht gedacht, dass sich das Stück doch so gut in den Gesamtkontext des Albums einfügen würde.

Etwas aus dem Rahmen fällt durch das getragene Tempo zunächst auch „Dark As Moonless Night“, das aber für jede Menge Abwechslung sorgt, und mit seinem düsteren Charakter und den majestätischen Melodien definitiv eines der absoluten Highlights von „Reptilian“ darstellt. In „Reptilian Majesty“, mit 14 Minuten der bislang längste und epischste Track der Band überhaupt, werden dann noch einmal alle verschiedenen Elemente, die das Quartett auszeichnen, gebündelt und in einem großartigen Finale dargeboten.

Fazit: Keep Of Kalessin stehen schon zu Recht oben. Die Band hat einen zumindest ebenbürtigen Nachfolger zu „Kolossus“ geschaffen, der in puncto Songwriting wieder vollends überzeugt. Ob die Scheibe sogar besser als der Vorgänger oder auch „Armada“ ausgefallen ist, lässt sich schwer sagen, doch dies ist wohl eher so etwas wie ein Luxusproblem. In jedem Fall sollte jeder Freund extremer Spielarten sich dieses tolle Album unbedingt zu Gemüte führen, denn das hier ist höchste Black Metal-Kunst.

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