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Keep Of Kalessin: Epistemology

Nach einigen Durchläufen sehr gut
Wertung: 8.5/10
Genre: Black/Extreme Metal
Spielzeit: 52:08
Release: 20.02.2015
Label: Indie Recordings

Nachdem sie die vorigen drei Alben allesamt schön im Zweijahres-Rhythmus herausbrachten, haben sich Keep Of Kalessin mit ihrem mittlerweile sechsten Studio-Output „Epistemology“ deutlich mehr Zeit gelassen. Knapp fünf Jahre sind seit dem Release des überaus starken „Reptilian“-Rundlings vergangen und seitdem hat sich, wie die meisten Szenegänger mitbekommen haben dürften, im Line-up der Norweger eine entscheidende Veränderung vollzogen: Frontmann Thebon ist nicht mehr Teil der Band, wurde er doch letztes Jahr aus etwas schwammigen Gründen vor die Tür gesetzt. Er selbst behauptete, keineswegs freiwillig die Koffer gepackt zu haben, sodass mal wieder eine mediale Schlammschlacht drohte.

Ganz so eklig wie bei manchen Kollegen ist es zum Glück letztlich nicht geworden, in jedem Fall aber ist der Abgang Thebons ein herber Verlust, denn der Mann ist zweifellos einer der talentiertesten Black-Metal-Shouter und so war die spannendste Frage bezüglich der neuen Platte, wie Gitarrist Obsidian Claw, der kurzerhand beschloss, neben dem Posten an der Axt nun auch die Aufgabe am Mikro zu übernehmen, sich denn nun als Sänger schlagen würde.

Die erste Kostprobe liefert „The Spiritual Relief“, mit knapp zehn Minuten gleich der längste Track auf „Epistemology“, der nach dem ganz traditionellen, im typisch pathetischen KoK-Stil gehaltenen Intro „ Cosmic Revelation“ aus den Boxen schmettert. Wer nach dem Auftritt bei der norwegischen Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest mit dem sehr eingängigen „The Dragontower“ befürchtete, die Combo würde sich nun noch mehr kommerzialisieren (obwohl „Reptilian“ trotz dieses Songs insgesamt immer noch ziemlich hart, schnell und kompromisslos tönte), sieht sich zumindest teilweise bestätigt. In Sachen Geschwindigkeit hat sich das (mittlerweile) Trio nicht wirklich gezügelt – zumindest das werden alteingesessene Anhänger sicherlich begrüßen: Immer noch knüppelt Überdrummer Vyl mit sagenhaftem Tempo und sagenhafter Präzision auf sein Kit ein, während Obsidian pfeilschnelles Riffing auf den Hörer loslässt.

Was jedoch nicht wenige mit Entsetzen feststellen werden: Er singt ausschließlich klar – zumindest in diesem Song. Dies mag im ersten Moment gewöhnungsbedürftig erscheinen, doch erstens ist die Kombination Blastbeats/Klargesang mittlerweile kein totales Novum mehr, und zweitens muss man sagen, dass Obsidian wirklich eine gute Stimme hat. Und hat man sich in den Track erst mal reingehört und die möglicherweise zunächst zutage tretende Enttäuschung überwunden, muss man einräumen, dass es sich hier schon um ein gutes, originelles Stück handelt. Das Mainriff wirkt gerade im Zusammenhang mit den cleanen Vocals richtiggehend erhaben und die epische, langsamere Mittelpassage erinnert von der Machart her zum Beispiel an „The Rising Sign“ vom 2008er „Kolossus“-Werk.

Man mag sich zunächst mit einer gehörigen Portion Sarkasmus sagen, dass nun klar wird, warum Thebon gehen musste, damit man eine „massenverträglichere“ Richtung einschlagen kann, doch ganz ehrlich: Man muss ja auch neue Wege gehen, wenn man nicht stehenbleiben will, und von Szenepolizisten und Black-Metal-Dogmen haben diese Jungs sowieso noch nie etwas gehalten. Ich war erst auch etwas ernüchtert, aber man sollte dem Song definitiv eine Chance geben, er wird garantiert wachsen und der hymnische Refrain die Ohrmuscheln so schnell nicht wieder verlassen.

Beim folgenden „Dark Divinity“ wird in ähnlicher Manier gerast und hier sind nun auch wieder Screams zu hören – die Basis darf also aufatmen. Auch in dieser Disziplin schlägt Obsidian sich sehr wacker, wechselt erst im Refrain wieder zu klarem Gesang. Songschreiberisch kann man auch hier nicht meckern, denn Keep Of Kalessin haben trotz des Wechsels an der Front nichts von ihrem Talent in dieser Hinsicht verloren: Einzigartig wie bei den Vorgängern werden kompromisslose Härte und rasende Geschwindigkeit mit einem tollen Gespür für unterschwellige Melodien, hymnische Parts und musikalisch hochwertige Arrangements verwoben. Ein ähnliches gilt für das ebenfalls sehr starke „The Grand Design“.

Dennoch wird natürlich nicht über die gesamten 52 Minuten nur aufs Gaspedal getreten: Mit „Necropolis“ findet sich ein Stück in der Tracklist wieder, bei dem vorrangig auf Midtempo gesetzt wird – und zu diesem fetten catchy Riff, das sich Obsidian hier aus dem Ärmel geschüttelt hat, dürfte bei den kommenden Konzerten alsbald jeder amtlich die Rübe schütteln. Der an letzter Stelle platzierte, wie der Opener fast zehnminütige Titelsong hingegen besticht durch seinen Facettenreichtum, besonders hervorgehoben werden soll das beeindruckend majestätische Ende, für das man durchaus noch einmal den Terminus „episch“ auskramen darf.

Ganz eindeutig lässt sich über „Epistemology“ resümieren, dass die Band sich treu geblieben ist, und trotzdem versucht, Neues auszuprobieren. Die Scheibe braucht ein paar Rotationen, was bei den fast ausschließlich mindestens sieben Minuten langen Songs jedoch in der Natur der Sache liegt. Man sollte nicht den Fehler begehen und sich davon abschrecken lassen, dass es auf der Platte viel Klargesang gibt. Der stört nämlich nicht, sondern bereichert das Ganze für meine Begriffe eher. „Reptilian“ fand ich zwar noch einen Tick stärker, aber einen würdigen Nachfolger stellt „Epistemology“ auf jeden Fall.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann